Straußenführer 2019


Anzeigen



Waldhof Freiburg



Südbadens größtes Musikhaus


Rahmenladen



domani




Interview | November 2013 | von redaktion

„Dynamik, die in der Region entsteht“

Im Gespräch: Andrew Holland, Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, über „Triptic – Kulturaustausch am Oberrhein“

Andrew Holland; Photo: Caroline Minjolle / PIxsil

Wenn sich einer in Sachen Kulturaustausch auskennt, dann er: Andrew Holland (46) – im November 2012 zum Direktor von Pro Helvetia gewählt – studierte Recht und promovierte über Kunstförderung. Seit 1986 ist er in unterschiedlichsten Funktionen in der Kultur tätig – als Veranstalter, Dramaturg und im Kulturmanagement. 2004 übernahm er die Leitung der Abteilung Tanz der Schweizer Kulturstiftung, wo er ab 2009 als Leiter des Bereichs Förderung sowie als stellvertretender Direktor wirkte. Im September ist auf Initiative von Pro Helvetia und der Schweizerischen Generalkonsulate in Straßburg und Stuttgart das trinationale Kulturaustausch-Programm Triptic angelaufen. Friederike Zimmermann sprach mit Andrew Holland darüber, wie es zu diesem Kulturaustausch kam, welche Rolle dabei die Sprachunterschiede spielen und wie es nach Triptic weitergehen wird.

Kultur Joker: Herr Holland, Sie wurden erst letzten Herbst als neuer Direktor von Pro Helvetia eingesetzt. Inwieweit trägt das Förderprogramm Triptic bereits Ihre Handschrift?
Andrew Holland: Als stellvertretender Direktor war ich in den letzten drei Jahren auf Geschäftsleitungsebene ebenfalls an der Konzeption von Triptic beteiligt. Insofern gehe ich davon aus, dass das Programm ähnlich ausgesehen hätte, wenn ich schon damals Direktor gewesen wäre. Doch will ich mich da nicht mit fremden Federn schmücken, denn die Stiftung hat Triptic gemeinsam mit lokalen Partnern – rund einem Dutzend Städte und Gebietskörperschaften – entwickelt.

Weiterlesen…

Interview | Oktober 2013 | von redaktion

„Heikle Heimat“

Im Gespräch: Spiritus rector Rüdiger Safranski

RŸdiger Safranski

Unter der Überschrift „Heikle Heimat“ versammeln die Badenweiler Literaturtage 2013 zahlreiche Autoren zu Lesungen und Gesprächen. Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin, eröffnet die Veranstaltung und, an den zwei folgenden Tagen werden weitere bekannte Autoren präsent sein. Zunächst Sibylle Lewitscharoff, die einer deutsch-bulgarischen Familie entstammt, und der Holländer Cees Nooteboom. Sodann der Literaturwissenschaftler Peter von Matt, die Essayistin und Romanautorin Juli Zeh, die französische Publizistin Pascale Hugues sowie der Autor und Zeichner Christoph Meckel. Desweiteren wird der Regisseur Edgar Reitz seinen neuen Film „Die andere Heimat“ vorstellen und sein Lebensthema im Gespräch mit Rüdiger Safranski erläutern. Mit Rüdiger Safranski sprach unsere Mitarbeiterin Cornelia Frenkel.

KulturJoker: Im Programm der Literaturtage schreiben Sie: „Heimat ist ein großes Thema (…) sie kann auch heikel werden (…)“. Herta Müllers Erstlingsroman – „Niederungen“ (1984) – handelt vom ungemütlichen Dorf ihrer Herkunft in Rumänien, das sie gezwungen war zu verlassen. In einer ihrer späteren Reden zitiert sie Semprun: „Im Grunde ist meine Heimat nicht die Sprache (…), sondern das, was gesprochen wird“. Inwiefern erhellt Herta Müller das Thema „Heikle Heimat“?
Rüdiger Safranski: Das Heikle an der Heimat besteht ja zunächst darin, dass es ein Ort ist, wo man gerne wäre, der aber auch beengt. Herta Müller ist ein extremes Beispiel dafür, dass Heimat zur Bedrohung werden kann, denn sie wurde ja noch lange, als sie bereits in Deutschland war, vom rumänischen Sicherheitsdienst (Securitate) verfolgt. Also da wird Heimat, die nach einem greift, zu einer schwierigen Sache, dennoch bleibt sie wichtig, indem sich jeder an sie erinnert, als Ort, an dem die Kindheit gelebt wurde.

Weiterlesen…

Interview | August 2013 | von redaktion

Herzlichen Glückwunsch!

Im Gespräch: Hartmut Stiller, Mitgründer von Historix-Tours

Hartmut Stiller

Schwarze Mäntel, mittelalterliche Laternen, im Gepäck spannende Geschichten von Henkern oder Hexen – so kennt man die Stadtführer von Historix-Tours, die an sieben Tagen die Woche ihr Publikum durch die Freiburger Innenstadt lotsen. Und das seid 15 Jahren! Zum Jubiläum sprach Marion Klötzer mit Historix- Mitgründer Hartmut Stiller über Schnapsideen, Hartnäckigkeit und Visionen.

Kultur Joker: Herr Stiller, am 3. August 1998 startete die erste Historix-Tour mit einer Handvoll Gästen. Heute veranstalten Sie jährlich bis zu 2000 Touren mit geschätzten 25 000 Teilnehmern. – Hätten Sie sich das träumen lassen?

Weiterlesen…

Interview | Juli 2013 | von redaktion

„Kann es etwas Cooleres geben?“

Im Gespräch: Ian Paice, Gründungsmitglied von Deep Purple

Deep Purple

Kaum zu glauben, aber wahr: Deep Purple wird 45. Ian Paice, letztes verbliebenes Gründungsmitglied der Band, feierte am 29. Juni seinen 65sten. Grund genug für ein neues Studioalbum. Das überraschend vielseitige „Now What?!“ ist das Zusammentreffen von einer legendären Rockband mit einem der einflussreichsten Rockproduzenten aller Zeiten: Bob Ezrin, der schon für Alice Cooper, Pink Floyd und Kiss arbeitete. Olaf Neumann quetschte Ian Paice aus. Er gilt als einer der besten Rockschlagzeuger der Welt. Am 13. August werden Deep Purple live auf der Foire aux Vins in Colmar zu erleben sein.

Kultur Joker: „Now What?!“ ist Ihr erstes Studioalbum in acht Jahren. Woran merken Sie, dass es wieder Zeit wird, ins Studio zu gehen.
Ian Paice: Noch vor zwei Jahren hätte ich diese Frage mit einem Achselzucken beantwortet. Wenn man monatelang auf Tournee ist, will man zuhause keine Musik mehr machen, sondern nur noch seine Ruhe haben. Aber Ende 2011 kribbelte es uns wieder in den Fingern und wir spürten, dass wir mental bereit waren. Also haben wir das Touren unterbrochen und uns in Klausur begeben. Gerade als wir mit den ersten Proben begonnen hatten, erhielten wir eine Nachricht von einem fantastischen Produzenten, Bob Ezrin. Er wollte gern mal mit uns arbeiten. Wir haben uns dann in Kanada getroffen, um unsere Ideen zu besprechen. Wir stellten uns ein Studioalbum vor, dass unbedingt auch unsere improvisatorische Seite reflektieren sollte. In den 1970ern hat man beim Plattenmachen nicht mit einkalkuliert, ob die Songs mal im Radio oder im Fernsehen laufen würden. Es ging einfach nur um eine in sich stimmige Songkollektion.

Weiterlesen…

Interview | Juni 2013 | von redaktion

Großes Freiburger Big Band Festival

Im Gespräch: Ralf Schmid, Professor für Jazz-Klavier an der Hochschule für Musik in Freiburg

Stadthalle tut sich was. Zu dem einzigartigen Freiburger Big Band Festival treffen sich am 21. Juni (15-22 Uhr) sechs verschiedene Big Bands aller Alters- und Könnens-Stufen. Das Programm zusammengestellt hat Ralf Schmid, seit 2002 Professor für Jazz-Klavier an der Hochschule für Musik in Freiburg, Leiter der dortigen Big Band und Leiter der SWR Big Band. Mit Ralf Schmid, der sich auch als Komponist, Arrangeur und Produzent einen Namen gemacht hat, sprach Reiner Kobe.

Kultur Joker: Welche Idee steckt hinter dem Big Band­Meeting, Herr Ralf Schmid?
Ralf Schmid: Schon seit Jahren gibt es an deutschen Schulen mehr Big Bands als sinfonische Orchester, das Genre Big Band blüht. Das sage ich komplett wertfrei, ich begrüße und schätze stilistisch vielfältige Ensemblearbeit für den musikalischen Nachwuchs. Aber wenn es eben viele Big Bands gibt, dann sollten wir als Musikhochschule (MHS) uns darum kümmern und dafür sorgen, dass in diesem Bereich gute Musik gefördert wird.
Dazu kommt, dass für mich persönlich Big Band in den vergangenen Jahren eine große Rolle gespielt hat, da ich als Dirigent viele Jahre intensiv mit deutschen Radio-Big Bands (NDR, HR, RIAS Berlin etc) gearbeitet habe, wobei eine besondere Beziehung zur SWR Big Band entstanden ist.
Diese Gedanken habe ich mit unserem Rektor, Herrn Nolte, diskutiert. Er war sofort von der Idee eines Big Band Festivals begeistert. Es sollte schon im vergangenen Jahr stattfinden, scheiterte aber an den Finanzen. Herr Nolte gab nicht auf und konnte einen Sponsor finden. So konnten wir die Idee dieses Jahr verwirklichen.

Weiterlesen…

Interview | Juni 2013 | von redaktion

„Ich bin ein Sonderfall“

Im Gespräch: Prinz Pi, Rapper mit Altgriechisch-Kenntnissen und Hochschuldiplom.

Prinz Pi ist der Rapper mit Altgriechisch-Kenntnissen und Hochschuldiplom. Der Gegenentwurf zu den Ghettokids Sido und Bushido. Ohne große Plattenfirma im Rücken hat der Berliner, der bürgerlich Friedrich Kautz heißt, bis dato 15 Soloalben veröffentlicht und zahlreiche Tourneen absolviert. Mit „Kompass ohne Norden“ könnte Prinz Pi nun der große Durchbruch gelingen. In 13 Songs zieht der 33-jährige Schnellsprecher das Resümee seines bisherigen Lebens. Sie handeln von Depressionen, Eliteschulen und der Kunst der Rede. Die Fragen stellte Olaf Neumann.
Kultur Joker: Prinz Pi, was gab Anlass zu Ihrem musikalischen Rückblick?
Prinz Pi: Meine Tochter. Sie ist jetzt dreieinhalb. Das ist die Zeit, wo sie beginnt, die Welt richtig wahrzunehmen und ihr Charakter sich entwickelt. Diese Beobachtung war für mich eine Zäsur, und so habe ich das erste Drittel meines Lebens musikalisch verarbeitet.

Weiterlesen…

Interview | April 2013 | von redaktion

Geschichten vom Jazz

Im Gespräch: Paul Kuhn, der singende Mann am Klavier

Paul Kuhn

Gesichter erzählen Geschichten. Dass Paul Kuhn alle Höhen und Tiefen eines Künstlerdaseins erlebt hat – davon berichten markante Falten und die wohl weit und breit größten Tränensäcke. Der singende Mann am Klavier wurde am 12. März 85 Jahre alt. Seit über sechs Dekaden ist er mit gleich bleibendem Elan im Einsatz, hat wie kaum ein anderer die deutsche Jazz- und gehobene Unterhaltungsmusik geprägt. Olaf Neumann traf auf einen, der ohne Musik nicht leben kann.

Kultur Joker: Herr Kuhn, Ihr neues Album „The L.A. Session“ haben Sie in den Capitol Studios aufgenommen, der vielleicht legendärsten Tonschmiede in den USA. Sind Sie stolz, dass Ihnen dies gelungen ist?
Paul Kuhn: Stolz nicht, aber ich bin froh, dass es stattgefunden hat. Ich war ein bisschen nervös, als ich in die Höhle des Löwen kam, weil dort noch dieselben Flügel und Mikrofone herumstanden wie zu Sinatras Zeiten. Auch der Tonmeister war noch derselbe. Dort läuft alles ab wie am Schnürchen.
Kultur Joker: Der Produzent und Toningenieur Al Schmitt ist 21-facher Grammy-Gewinner. Seinen Namen findet man auf Plattenhüllen von Frank Sinatra, Ray Charles, Neil Young oder Al Jarreau. Wie kamen Sie mit ihm zusammen?

Weiterlesen…

Interview | März 2013 | von redaktion

Fluchen – Die deutsche Sprache im europäischen Vergleich

Im Gespräch: Hans-Martin Gauger über „Das Feuchte & das Schmutzige“

Das Vokabular für Flüche und Beschimpfungen ist in den einzelnen Sprachen sehr unterschiedlich, das hat der Linguist und Philologe Hans-Martin Gauger erforscht. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Das Feuchte & das Schmutzige. Kleine Linguistik der vulgären Sprache“ schaut er sich 15 europäische Sprachen näher an, Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch sowie etwa Ungarisch, Türkisch und Russisch. Das Ergebnis darf verwundern: überall, und vor allem in den romanischen Sprachen, wird vorzugsweise mit sexuellen Begriffen geflucht, im Deutschen treten vor allem „anale und fäkale Begriffe“ auf, wenn es um Negatives und Abwertendes geht, wenn Differenzierung verweigert und Gesprächsabbruch signalisiert wird.
Hans-Martin Gauger ist emeritierter Professor für Romanische Sprachwissenschaft und Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Aus seinem detailreichen Buch, das wissenschaftliche Inhalte für Laien gut – und zum Teil gar witzig aufbereitet –, wird man über das Fluchen und Beleidigen in Europa bestens aufgeklärt und kann vieles über die Sprache insgesamt erfahren, auch mittels Beispielen aus der Weltliteratur. Mit dem Autor sprach unsere Mitarbeiterin Cornelia Frenkel.

Kultur Joker: Sie gehen in Ihrem Buch der Frage nach, inwiefern sich das Deutsche von anderen Sprachen unterscheidet. Das französische Wort „baiser“ dient als Einstieg, um darzulegen, wie eine Bezeichnung für Sexuelles und Zärtliches ins Vulgäre kippt und für Negatives steht, nämlich Hereingelegt-Werden oder Betrogen-Sein.
H-M Gauger: Ja richtig, mich hat in der Tat die Sonderrolle oder der Sonderweg des Deutschen interessiert. Im Französischen heißt „baiser“ zuallererst „küssen“ und das heißt es auch immer noch; dann aber meint es, in vulgärer Absicht, den sexuellen Akt und schließlich, dies hat mich besonders interessiert, bedeutet es – ganz negativ gemeint – hereinlegen, auch wieder vulgär, betrügen oder passiv: Hereingelegt-Werden.
Kultur Joker: Doch Französisch steht in puncto Fluchen dem Deutschen sogar am nächsten, insofern hier das „Schmutzige“ und das „Feuchte“ oft alternativ fungieren, während im Deutschen das Sexuelle weitgehend unbenutzt oder gar „unbeschmutzt“ bleibt?
H-M Gauger: Ja, das Französische steht dem Deutschen in diesem Punkt nahe, näher als alle übrigen romanischen Sprachen und andere Sprachen, die ich heranziehe, weil im Französischen mehr fäkalische Ausdrücke gebraucht werden als dies in den anderen Sprachen der Fall ist. Das hängt sicher damit zusammen, dass das Französische unter allen romanischen Sprachen am stärksten durch das Germanische beeinflusst wurde, durch die Franken, die hier eingedrungen sind und das Land bis zur Loire, in abnehmender Dichte nach Süden hin, besiedelt haben. Frankreich ist das einzige Land romanischer Sprache, das einen germanischen Namen hat – das Land der Franken. Insofern ist es weniger erstaunlich, dass ähnliche Verhältnisse beim Fluchen vorliegen wie im Deutschen. Z.B. ist „merde“ im Französischen ein sehr häufig gebrauchtes Wort und davon abgeleitet das Verb „emmerder“, es heißt belästigen und langweilen (nicht etwa bescheißen) – völlig übliche vulgäre Ausdrücke. Und für das Französische bleibt zu beachten, dass die Grenze zwischen dem Vulgären und dem bloß Familiären nicht so strikt ist.

Weiterlesen…