Straußenführer 2017


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Mit Galgenhumor in die Apokalypse

Philippe Manourys neues Musiktheater „Kein Licht“ eröffnet die neue Saison an der Straßburger Oper

Ein ganzes, in diesem Jahr geschriebenes Kapitel hat Elfriede Jelinek dem US-Präsidenten gewidmet und damit ihrem nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 entstandenen und 2012 ergänzten Text „Kein Licht“ ein nicht minder bedrohliches Update verpasst. Mit dem Stück beginnt die Spielzeit 2017/18 an der Opéra national du Rhin.

"Kein Licht": Die multimediale Untergangsshow regt zum Nachdenken an. © Klara Beck

„Kein Licht“: Die multimediale Untergangsshow regt zum Nachdenken an. © Klara Beck

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Im Gespräch: Eva Kleinitz, neue Intendantin der Straßburger Oper

„Dynamik für Stadt und Region“

Sie war schon stellvertretende Intendantin bei den Bregenzer Festspielen und an der Stuttgarter Staatsoper. Vor einem Jahr wurde Eva Kleinitz nun als Nachfolgerin des Belgiers Marc Clémeur zur „Directrice Générale de l`Opéra national du Rhin“ ernannt. Am 22. September beginnt sie ihre erste Spielzeit mit der französischen Erstaufführung von Philippe Manourys Oper „Kein Licht“. Georg Rudiger hat die 45-jährige Niedersächsin im Café der Straßburger Oper getroffen und sich mit ihr über ihren neuen Job und den damit verbundenen Neuanfang an der elsässischen Rheinoper unterhalten.

Eva Kleinitz (© Martin Sigmund)

Eva Kleinitz (© Martin Sigmund)

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„Oper hat Harmonie zu schaffen“

Der Straßburger Intendant Marc Clémeur vor seiner letzten Saison an der Opéra national du Rhin

Eigentlich hatte Marc Clémeur seinen Abschied als Intendant der Straßburger Opéra national du Rhin für den Sommer 2016 geplant. Und dafür mit dem von Robert Carsen inszenierten „Don Carlo“ ein echtes Wunschstück ans Ende gesetzt. Damit in Ruhe ein Nachfolger gesucht werden konnte, hat sich der Belgier auf Bitten der Politik aber bereit erklärt, noch um eine Saison zu verlängern, ehe er sich dem Gesangsnachwuchs widmet. Inzwischen ist auch die Nachfolge geklärt: Eva Kleinitz, Operndirektorin an der Stuttgarter Staatsoper, wird am 1. September 2017 ihren Dienst als Generalintendantin in Straßburg antreten.

Peter Konwitschny inszeniert „La Juive“ Foto: Annemie Augustijns

Peter Konwitschny inszeniert „La Juive“
© Annemie Augustijns

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Mozarts Oper „Idomeneo“ an der Operá National du Rhin in Straßburg

„Fluglotsen beim Betriebsausflug“

Ein Vater, der seinen Sohn opfern soll, um ein göttliches Gelübde zu erfüllen – in Mozarts Oper „Idomeneo“ geht es um die Beziehung zwischen Menschen und Göttern. Inwieweit muss der Mensch den göttlichen Willen erfüllen? Wo beginnt die eigene Verantwortung?

Foto: Alain Kaiser

Foto: Alain Kaiser

In der elsässischen Operá National du Rhin ist nun Mozarts dreiaktige Opera seria in der gekürzten Wiener Fassung zu sehen. Die Ballettmusiken sind hier gestrichen, die Partie von Idomeneos Sohn Idamante ist mit einem Tenor statt einem Sopran besetzt. Der Abend lässt musikalisch wie szenisch einen zwiespältigen Eindruck. Der ästhetischen Inszenierung von Christophe Gayral fehlt es an Führung und Fokussierung. Das Solistenensemble hat Licht und Schatten. Einen durchweg guten Eindruck hinterlässt das Orchestre symphonique de Mulhouse unter der Leitung von Sergio Alapont. Schon bei der Ouvertüre kann man die dramatische, federnd musizierte Lesart des Dirigenten hören. Die Streicher klingen gut akzentuiert und entwickeln einen aufgerauten Ton. Auch der vielbeschäftigte Chor (Leitung: Sandrine Abello) hat Durchschlagskraft, ohne dabei zu überdrehen. Wunderbar das freie Continuospiel von Irene Cordelia Huberti am Hammerflügel, das die Extreme verbindet und auch mal das Geschehen anhält.

Barbara de Limburgs spartanische, schwarze Bühne besteht aus großen, mobilen Wänden, die geöffnet und geschlossen werden. Ein blaues Tuch, das vom Schnürboden heruntergelassen wird, ist das Meer. Das Meeresungeheuer wird mit einem Schattenspiel als eine Art Nosferatu dargestellt. Im Monster erkennt sich Idomeneo selbst. Leider fehlt es der Regie neben einem klaren Konzept auch an der Ausarbeitung im Detail. Die Übergänge zwischen den Szenen sind konstruiert. Manche Szenen entfalten unfreiwillige Komik wie am Ende des ersten Aktes, als eine riesige Neptunstatue hereingerollt wird. Der Chor bewegt die blau-weißen Fähnchen mit dem Neptun-Logo im Takt der Musik – und sieht dabei aus wie Fluglotsen beim Betriebsausflug.

Warum die musikalisch hochdramatisch gezeichnete Elettra in einem lila 50er-Jahre-Kleid steckt (Kostüme: Jean-Jacques Delmotte) und sich vor allem mit sich selbst beschäftigt, erschließt sich nicht. Die immer wieder hinzugezogenen Tänzer sind mehr als verzichtbar, weil sie die ohnehin gefährdete Spannung weiter schwächen. Leider agiert auch Maximilian Schmitt in der Titelrolle unglücklich. Sein Tenor entwickelt nur in den ganz lyrischen Stellen Leuchtkraft. Wenn es dramatischer wird, gerät die Stimme ins Knödeln. Den Koloraturen fehlt jede Leichtigkeit. Wunderbar geführt ist dagegen der Sopran von Judith Van Wanroij, die die Idamante liebende Ilia näher kommen lässt. Agneta Eichenholz (Elettra) und Juan Francisco Gatell (Idamante) zeigen musikalisch ebenfalls mehr, als sie szenisch darstellen dürfen. Zum Happy End wird die Statue demontiert. Der Chor entledigt sich seiner Kutten und macht in bunten Klamotten eine Strandparty. Man spielt Frisbee und grillt Würstchen. Naja.

Weitere Vorstellungen: Mulhouse, La Sinne: 8.4., 20 Uhr, 10.4., 15 Uhr, Colmar, Théâtre  municipal: 17.4., 15 Uhr. Karten unter www.operanationaldurhin.eu#

Georg Rudiger

Entdeckungen und Meilensteine des Repertoire

Opéra du Rhin in Strasbourg

Opéra national du Rhin in Strasbourg

Die Straßburger Oper präsentiert eine attraktive Spielzeit 2014/15

Die Zahlen sind beeindruckend. 30 Prozent der Besucherinnen und Besucher der Operá national du Rhin mit den Spielstätten Straßburg, Mulhouse und Colmar sind unter 26 Jahre alt. Das Durchschnittsalter des Publikums liegt bei erstaunlichen 41 Jahren.
Rund ein Viertel der Besucher der Straßburger Oper kommt dabei aus Deutschland und der Schweiz – die deutschen Übertitel bei allen Vorstellungen sind ein willkommener Extraservice. In der neuen Spielzeit hat die Straßburger Oper unter ihrem Intendanten Marc Clémeur besonders viele Entdeckungen zu bieten. Die Saison startet mit der Uraufführung der Oper „Quai Ouest“ des französischen Komponisten Régis Campo. Dreißig Sequenzen gliedern das Libretto, das nach dem gleichnamigen Theaterstück von Bernard-Marie Koltès entstanden ist (Dirigent: Marcus Bosch, Regie: Kristian Frédric). Auch die Buffa-Opern „L‘Amico Fritz“ von Pietro Mascagni (Paolo Carignani/ Vincent Boussard), der mit seiner veristischen Kurzoper „Cavalleria rusticana“ in die Musikgeschichte eingegangen ist, und „La Vie Parisienne“ (Claude Schnitzler/Waut Koeken) von Jacques Offenbach sind nur selten auf der Bühne zu erleben. Gespannt sein darf man auch auf Paul Dukas‘ dreiaktige Oper „Ariane et Barbe-Bleue“, die vom französischen Starregisseur Olivier Py in Szene gesetzt wird (Premiere am 26.4.15). Das in Colmar angesiedelte Opernstudio stellt sich gleich mit zwei Produktionen vor, die ebenfalls eher unbekannten Werken gewidmet sind.

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