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Theater | September 2016 | von Redaktion

„Oper hat Harmonie zu schaffen“

Der Straßburger Intendant Marc Clémeur vor seiner letzten Saison an der Opéra national du Rhin

Eigentlich hatte Marc Clémeur seinen Abschied als Intendant der Straßburger Opéra national du Rhin für den Sommer 2016 geplant. Und dafür mit dem von Robert Carsen inszenierten „Don Carlo“ ein echtes Wunschstück ans Ende gesetzt. Damit in Ruhe ein Nachfolger gesucht werden konnte, hat sich der Belgier auf Bitten der Politik aber bereit erklärt, noch um eine Saison zu verlängern, ehe er sich dem Gesangsnachwuchs widmet. Inzwischen ist auch die Nachfolge geklärt: Eva Kleinitz, Operndirektorin an der Stuttgarter Staatsoper, wird am 1. September 2017 ihren Dienst als Generalintendantin in Straßburg antreten.

Peter Konwitschny inszeniert „La Juive“ Foto: Annemie Augustijns

Peter Konwitschny inszeniert „La Juive“
© Annemie Augustijns

In Clémeurs letzter Straßburger Saison 2016/17 finden sich viele der Regisseurinnen und Regisseure, die in den acht Jahren seiner Amtszeit regelmäßig zu Gast waren. An der flämischen Oper in Gent/Antwerpen hatte er mit Robert Carsen einst einen vielbeachteten Janácek-Zyklus begonnen, den der kanadische Regisseur in Straßburg auf hohem Niveau zu Ende führte. Sein „Schlaues Füchslein“, das 2013 Premiere hatte, ist ab 11. Dezember 2016 erneut in Straßburg zu sehen.
Olivier Py, dessen sinnliche, ästhetische Inszenierungen von Giacomo Meyerbeers „Les Huguenots“, Paul Dukas‘ „Ariane et Barbe-Bleue“ und Gabriel Faurés „Pénélope“ Höhepunkte der jeweiligen Spielzeiten waren, wird am 10. März 2017 Richard Strauss‘ Oper „Salome“ inszenieren. Schließlich ist mit Mariame Clément („La Calisto“ am 26. April 2017) die Regisseurin dabei, die vor wenigen Wochen in Straßburg Richard Wagners frühe Oper „Das Liebesverbot“ eindrucksvoll in Szene setzte und mit ihren virtuosen, humorvollen Inszenierungen von Jean-Philippe Rameaus „Platée“ und Jacques Offenbachs „La belle Hélène“ glänzte. Dass mit Peter Konwitschny einer der Hauptvertreter des deutschen Regietheaters in Straßburg sein Frankreichdebüt feiert („La Juive“ am 3. Febr. 2017), verwundert etwas, hatte doch Clémeur bei seinem Amtsantritt versprochen, an diesem Haus eine ästhetische Alternative dazu anbieten zu wollen. „Ich habe nichts gegen das Regietheater im Allgemeinen. Ich mag nur kein Musiktheater, das die Aggressivität und Hässlichkeit unterstreicht“, erklärt der Intendant auf Nachfrage. „Es gefallen mir auch nicht alle Arbeiten von Konwitschny. Aber sein Blick auf Fromental Halévys ‚La Juive‘, der bei dieser Koproduktion ja schon in Gent und in Mannheim zu erleben war, ist erhellend und auch ästhetisch ansprechend“.
Wie in den vergangenen Jahren hat Straßburg auch 2016/17 mit „Mririda“ von Ahmed Essyad eine Uraufführung im Programm (24. Sept. 2016). „Mririda ist eine Frau, die in den 1930er-Jahren im Atlasgebirge von Marokko als Dichterin und Prostituierte gelebt hat. Es gibt ein reales Vorbild. Dieser Mririda ist es gelungen, durch ihren Gesang und ihre Schönheit die verschiedenen Volksstämme miteinander auszusöhnen. Sie hat Harmonie geschaffen in einer aggressiven Welt – das ist ein schönes Symbol für die Oper.“ Mit Brittens „The Turn of the Screw“ (Patrick Davin/Robert Carsen: 21.Sept. 2016), Donizettis „L’Elisir d’amore“ (Julia Jones/Stefano Poda: 21. Okt. 2016) und der letzten Premiere mit Mascagnis „Cavalleria rusticana“ und Leoncavallos „Pagliacci“ (Daniele Callegari/Kristian Frédric: 3. Juni 2017) beendet Clémeur seine bemerkenswerte Amtszeit, die das internationale Renommee des Hauses verstärkt und erstaunlich viele junge Zuschauer (30 Prozent der Besucher unter 26 Jahren) angesprochen hat.

Infos: www.operanationaldurhin.eu

Georg Rudiger