Straußenführer 2019


Anzeigen

Architekturtage 2019


Festspiele Breisach 2019




Anzeige Circus Monti 2019 Rosentalanlage Basel



Rahmenladen



domani




Literatur | Juli 2019 | von Cornelia Frenkel

Was ist am Kapitalismus so unerträglich?

Jean Ziegler antwortet auf Fragen seiner Enkelin

Sein neues Buch verfasste der Schweizer Soziologe, Politiker und Kapitalismuskritiker Jean Ziegler als Dialog mit seiner Enkelin – und wendet sich so explizit an die Jugend. Eine Rezension.

© Hermance Triay

“Was ist so schlimm am Kapitalismus?” – fragt der Jean Ziegler in seinem neuen Buch.

Auch in seinem neuesten Buch nimmt Jean Ziegler die ganze Welt in den Blick und entdeckt kontinuierlich Unerträgliches, Ausbeutung und Hunger – auf einem Planeten, der „vor Reichtum überquillt“ – sowie Vertreibung von Bevölkerungen durch Profitgier, die zudem Böden, Flüsse und Meere vergiftet und das Klima beschädigt.

Für jeden der von ihm angeprangerten Skandale hat Jean Ziegler Beispiele parat, von Indien über den Kongo bis nach Guatemala. Der Soziologe, Schriftsteller, ehemals Abgeordneter im Schweizer Parlament und Mitarbeiter der UNO, ist als scharfer Kritiker des Finanzkapitals und der Allmacht von Großkonzernen bekannt.

Auch im hohen Alter glaubt er jedoch an die aktive Kraft des Gewissens, die ermögliche, dass immer mehr Menschen der „kannibalischen Weltordnung“ des Kapitalismus den Rücken kehren und eine breite Widerstandsfront formieren, die an seiner „Abschaffung“ arbeitet. Hoffnung verkörpert für ihn insbesondere die Zivilgesellschaft, in der sich zahlreiche Organisationen für humanitäre Ziele engagieren.

Über Zieglers Aktivitäten ließ sich Grundlegendes bereits aus dem Bericht „Der schmale Grat der Hoffnung. Meine gewonnenen und verlorenen Kämpfe und die, die wir gemeinsam gewinnen werden“ entnehmen. Sein neuestes Buch ist in Dialogform verfasst, als Gespräch mit einer Enkelin, und wendet sich so insbesondere an die jüngere Generation.

Manche Analysen scheinen deshalb vereinfacht und Vorschläge sind plakativ formuliert („den Oligarchen die Arme brechen“). Damit wird jedoch zu Zweifeln angeregt, vor allem wenn es um Strategien gegen ökonomische Fehlentwicklungen und Korruption geht, die nicht zuletzt „von den Eliten zahlreicher sogenannter Entwicklungsländer praktiziert wird“ und sich etwa in punkto Kinderarbeit als „gigantisches Mordkomplott“ erweist. Ziegler prangert immer wieder die 500 größten transnationalen Privatkonzerne an, die 52,8 Prozent des Weltbruttosozialproduktes beherrschen, selbst aber kaum der Kontrolle unterliegen.

Die Verantwortlichen zu bremsen, ist aber fast unmöglich, weshalb quasi nur die „Revolution“ bleibt! Wie es danach weitergehen soll, vermag er aber nicht vorauszusehen – das macht skeptisch. Doch legt diese Streitschrift den Finger in zahlreiche Wunden einer kurzsichtigen Ökonomie – und ermutigt zu einem konsequenteren Nachdenken.

Jean Ziegler. Was ist so schlimm am Kapitalismus? Antworten auf die Fragen meiner Enkelin. Aus dem Frz. von Hainer Kober. C. Bertelsmann 2019.