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Kunst | Juli 2019 | von Friederike Zimmermann

Die Kunsthalle Messmer in Riegel feiert mit einer André-Evard-Ausstellung ihr zehnjähriges Bestehen

André Evard war einer der ersten Vertreter des Konstruktivismus, aber nicht immer ein Publikumsliebling. Jürgen Messmer schwärmt dennoch so sehr von dem Schweizer Künstler, dass er ihm die Ausstellung zum zehnjährigen Jubiläum seiner Kunsthalle Messmer widmet.

© Sammlung Messmer

André Evard: Symphonia 4 (1924), Öl, 27x35cm.

Er ist ein Künstler, der schon zu Lebzeiten polarisierte: Der Schweizer Maler und Zeichner André Evard (1876-1972). Wiewohl einer der ersten, der sich von der figurativen Malerei ab- und dem Konstruktivismus zuwandte, und damit beim Publikum nicht immer auf Zuspruch stieß. Nach anfänglichen Erfolgen wurde Evard mehr und mehr an den Rand des Kunstbetriebs gedrängt.

Für ihn allerdings sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, schwärmt der Sammler und Hausherr Jürgen Messmer bei der Pressekonferenz, etwa als er die sogenannte Rosen-Serie für sich entdeckte. Doch dornig sind sie, die konstruktivistisch aufgefassten Rosen. Und nicht nur sie. Nicht jeder Ausstellungsbesucher könne mit Evards Werken etwas anfangen, gibt der Sammler unumwunden zu, auch wenn so mancher regelrecht entflammt würde und andere wiederum nach und nach zu dieser Kunst fänden.

Nachdem Messmer Ende der 70er Jahre den Nachlass des bislang relativ unentdeckten Künstlers erworben hatte, war er noch lange Jahre als Unternehmer tätig und konnte sich dessen Werk zunächst nicht im erforderlichen Maße zuwenden. Wie diesen Künstler an die Öffentlichkeit bringen und seine Bekanntheit steigern? „Ohne Evard würde es diese Kunsthalle nicht geben“, erklärt er. Ihm ganz und gar hat er diese großartige Bühne in Riegel gewidmet.

Natürlich hat es in den vergangenen zehn Jahren auch etliche andere Ausstellungen gegeben, darunter echte Hochkaräter wie Vasarely (2009), Dalí (2010), Chagall (2013), Hundertwasser (2014), Warhol (2015), Miró (2016), Picasso (2017), um nur einige zu nennen. Dennoch war es keine Frage, dass sich die Jubiläumsausstellung wieder ganz auf Evard fokussieren würde. „Ein Leben für die Kunst“ lautet ihr Titel, der – so Messmer – durchaus im doppelten Sinne zu verstehen sei, gelte diese Devise doch für den Künstler wie für ihn, den Sammler.

Die Ausstellung ist nicht chronologisch, sondern nach Motivserien geordnet; will vielmehr Einflüsse anderer großer Künstler auf Evard sichtbar machen, die im schriftlichen Nachlass bestätigt seien. Manche der Vergleiche wirken allerdings etwas bemüht. Allerdings wird deutlich, dass Evard nahezu alle Stile durchlief – wie es scheint ohne konsequente Weiterentwicklung, was wohl teilweise der Geldnot geschuldet war; ließ sich doch mit einem Blumen­stilleben mehr verdienen als mit konstruktiven Bildern.

Gezielt hatte er sich in den Künstlerzentren Europas inspirieren lassen. Das Ergebnis ist ein überaus vielseitiges Werk voller Überraschungen. Darunter regelrechte Farbexplosionen, etwa um 1950 „Kosmen“ und andere Kompositionen konstruktiver Art. Dann wieder folgen Stillleben à la Jugendstil; wobei immer schon eines im anderen inkludiert ist.

Wem es gelingt, sich einer persönlichen Ausstellungsführung Messmers anzuschließen, der kommt gar nicht umhin, sich von dessen Leidenschaft für diesen „seinen“ Künstler André Evard anstecken zu lassen. Und diese Ausstellung mit seinen Augen zu sehen.

 

Was: „10 Jahre Kunsthalle Messmer. Ein Leben für die Kunst“
Wann: bis 15. September 2019,  Di–So, 10-17 Uhr
Wo: Kunsthalle Messmer, Grossherzog-Leopold-Platz 1, 79359 Riegel
Web: www.kunsthallemessmer.de