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Kunst | Juli 2019 | von Friederike Zimmermann

Bauhaus: Erste monografische Oskar-Schlemmer-Ausstellung in Ostdeutschland

Das Bauhaus feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. Von Weimar zog die Kunstschule 1929 nach Dessau, doch auch Gotha war im Gespräch: Das entdeckte man im April in Briefen und Zeichnungen Oskar Schlemmers im Zuge der Vorbeitungen für die erste ostdeutsche Schlemmer-Ausstellung. Zentral darin: Schlemmers „Visiononen einer neuen Welt“.

© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/Paul-Ruben Mundthal

Ausstellungsansicht der Schlemmer-Ausstellung im Gothaer Schloss Friedenstein.

„Schlemmer wollte nach Gotha“, frohlockte man jüngst auf Schloss Friedenstein, seit man dort im April bei Inventarisierungsarbeiten zur derzeitigen Ausstellung „Oskar Schlemmer. Das Bauhaus und der Weg in die Moderne“ auf Zeichnungen und Briefe stieß, die einen regen Austausch zwischen Oskar Schlemmer (1888–1943) und dem damaligen Direktor des Herzoglichen Museums dokumentieren.

Kennengelernt hatte der Bauhaus-Meister das schöne Städtchen auf dem Weg von seiner Heimat­stadt Stuttgart nach Weimar. Offenbar plante er hier später ein Atelierhaus im Bauhaus-­Stil zu errichten. Doch bekanntlich sollte es anders kommen: Das Bauhaus wanderte 1926 nach Dessau ab, und mit ihm Meister Schlemmer.

Dass aber zeitgleich zu dieser sensationellen Entdeckung in Gotha die Vorbereitungen zur ersten monographischen Schlemmer-Ausstellung Ostdeutschlands liefen, fügte sich doch sehr trefflich. Mit ihr ist Kurator Timo Trümper, in Kooperation mit der Staatsgalerie Stuttgart, eine wirklich sehenswerte und gut konzipierte Schau gelungen. Mehr als 75 chrono­lo­gisch angeordnete Exponate bilden einen repräsentativen Querschnitt durch Schlemmers vielsei­tiges Werk: Gemälde, Wandbilder, Dokumente von Bühnen- und Tanzprojekten, ergänzt durch einzelne Werke von László Moholy-Nagy, Paul Klee oder Wassily Kandinsky.

Dabei wurde der Schwerpunkt auf die 20er und 30er Jahre gelegt; jene Zeit nämlich, die Schlemmer am Bauhaus wirkte, steht diese Schau doch im Kontext des 100-jährigen Bauhausjubiläums. Vor allem trifft man hier auf etliche (als Vorstudien zu den Ölbildern angefertigte) Aquarelle – darunter zahlreiche Leihgaben von der Staatsgalerie Stuttgart –, die Schlemmers durchgängiges Lebens­thema „Der Mensch im Raum“ durch die Aquarelltechnik um einiges subtiler, gewissermaßen mystischer zu vermitteln vermögen als die Ölbilder selbst. Etwa die sogenannten Tischgesellschaften, Treppen- und Geländer-Szenen, mithin Bildthemen, die sich für die Sichtbarmachung einer räumlichen Beziehung der Figuren zueinander oder zur sie umgebenden Raumarchitektur besonders gut eignen.

So rückt diese Ausstellung Schlemmers (häufig doch beliebig) zitierte Formel seiner „Zukunfts­vision einer neuen Welt“, in welcher der moderne Mensch in Harmonie mit der sich laufend verändernden Welt lebe, in einen wirklich erkennbaren Zusammenhang. Überhaupt ist in Gotha die intensive Nähe der Ausstellungsmacher zu Schlemmers Ideen und Werk deutlich spürbar. Auch ein gut durchdachtes Begleitprogramm trägt diesem Anspruch Rech­nung, etwa die Performance „Dancetronic Gotha“, in welcher die gestalteri­sche Auseinander­setzung des Bauhauses mit neuen technischen Möglichkeiten aufgegriffen und in die heutige Zeit transponiert wird.

Besondere Erwähnung verdient der etwa halbstündige Film über Oskar Schlemmer, der in Endlosschlaufe im Kellergeschoss zu sehen ist, und den die junge, mit Tut Schlemmer verwandte Juliane Tutein kürzlich als Abschlussarbeit präsentierte; angereichert mit vielen O-Tönen und Originalquellen, spürbar nah an den Interviewpartnern – ein echtes Juwel.


Was:
„Oskar Schlemmer – Das Bauhaus und der Weg in die Moderne“
Wann: bis 28. Juli 2019, täglich 10-17 Uhr
Wo: Herzogliches Museum Gotha, Schlossplatz 2, Gotha
Web: www.stiftung-friedenstein.de