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Morat-Institut: Dietrich Schöns Skulpturengarten

Am 29. Juli 2006 wurde auf dem seitlichen und rückwärtigen Grundstück der Morat-Hallen ein Skulpturengarten eröffnet – seitdem ist er Besucher*innen auf Nachfrage zugänglich gewesen. Der Künstler Dietrich Schön, seit Jahrzehnten arriviert, schuf seinen Namen besonders durch Gusseisen-Skulpturen. Franz Armin Morat erkannte deren Qualität und fand den geeigneten Präsentationsrahmen: Im Freigelände des Instituts legte er, keine Kosten scheuend, Tonnen von Splitt weißen Carrara-Marmors aus, auf dem die Arbeiten Schöns im Farbkontrast optimal zur Geltung kamen. Der Bildhauer schenkte im Zuge dessen alle dort gezeigten 33 Skulpturen der Morat-Stiftung. Vor wenigen Wochen erreichte ihn ein Schreiben des Stiftungsvorstands, das eine „Rückabwicklung der Schenkung“ nahelegt, da im Zuge des Besitzerwechsels des Grundstücks an die Stadt Freiburg dort nun Parkplätze entstehen sollen.
Man reibt sich irritiert die Augen: Bislang kam die gut besuchte Einrichtung stets ohne zusätzliche Pkw-Stellplätze aus, und gegenüber bietet der große Edeka-Supermarkt hinreichend davon. Wenn die Kommune als neuer Eigner hier aktiv wird und dadurch in rechtliche Nöte kommt, kann sie ohne Mühe Wege finden, durch die der angebliche Stellplatz-Zwang entfällt. Vor einigen Tagen kommt ein Email des Kulturamts an den Künstler, es müssten wohl nur vier Parkplätze sein. Warum dies indes überhaupt sein soll, entzieht sich jeder Logik. Unser Plädoyer: Dies Freiburger Kleinod soll unbedingt erhalten bleiben, auch wenn der Grund unterdessen nicht mehr ganz so weiß strahlt wie ehedem.

Der Hintergrund: 1983 wurde das Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft gegründet, seit 1987 ist es in der Lörracher Straße beheimatet – die wunderbar von indirektem Tageslicht durchfluteten Hallen boten seitdem in unzähligen Ausstellungen dem regionalen Publikum beträchtlichen kulturellen Mehrwert und vielen Künstler*innen auch durch Ankäufe die Basis des Lebensunterhalts. Der Stifter und Industriellensohn Franz Armin Morat beging unlängst seinen 80. Geburtstag. Er sieht sich nun nicht mehr in der Lage, den Betrieb weiterzuführen. Neben seiner Frau sitzen beide Söhne im Stiftungsvorstand, doch deren Interessen liegen anderswo. So kam die Frage der Nachfolgeregelung auf. Die Stadt Freiburg mag ihrerseits nicht auf den Kunst-Magnet verzichten und sucht zudem nach Räumen für die ehemalige Städtische Galerie, die behelfsweise seit 2004 im „L6“ in Zähringen untergebracht ist. Dort läuft der Mietvertrag, von Beginn an auf 20 Jahre geschlossen, im Sommer aus. Der Freiburger OB Martin Horn verkündete bei seiner Neujahrsansprache den neuen ‚Deal‘, am 22. Februar bekam der städtische Kulturausschuss davon Kenntnis: Mittels einer privaten Spende erwirbt die Stadt die Immobilie. Manche Details des Kontrakts müssen verständlicherweise noch ausgehandelt werden. Von der Druckwerkstatt und dem Skulpturengarten ist in der Verwaltungsvorlage allerdings nicht die Rede.

Bildquellen

  • Eisenskulpturen auf einst weißem Marmor-Grund: Foto: Dietrich Schön