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Kunst | Februar 2019 | von Cornelia Frenkel

„Le Monde de Tardi“: Eindringliche Ausstellung im Cartoonmuseum Basel

Es sind Bilder von überzeugender Qualität, jedes von ihnen könnte im Museum hängen, obwohl sie meist Teil einer Comic-Erzählung sind. Kreiert hat sie der französische Zeichner Jacques Tardi (*1946 Valence), dem das Cartoonmuseum Basel momentan eine Retrospektive widmet. Tardi gehört zu den einflussreichsten Vertretern seines Fachs.

© Edition Moderne

Jacques Tardi: Buchcover “Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im StalagIIB. Der lange Marsch durch Deutschland” (Ausschnitt), erschienen im Verlag Edition Moderne.

In ergreifender Weise hat er das Wüten der beiden Weltkriege visualisiert, etwa in der Serie „Stalag IIB“. Zudem adaptierte er verschiedene klassische Texte sowie Kriminalromane von Léo Malet, die in Pariser Quartiers der 1950er-Jahre angesiedelt sind. Seiner Erfindungsgabe entstammt des Weiteren die erfolgreiche Reihe „Adeles ungewöhnliche Abenteuer“, die in der Belle Époque spielt.

Die Ausstellung in Basel präsentiert über 200 Originalbilder aus allen Schaffensperioden; musikalische Elemente ergänzen die Schau, ebenso ein Animationsfilm, dessen Figuren Tardi entworfen hat. Gezeigt werden auch politische Plakate sowie erstmals Originale aus Band 3 von „Stalag IIB“, der demnächst publiziert wird. Jacques Tardi hat viele Zeichner geprägt und erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Grand Prix de la Ville d’Angoulême und den Eisner Award. Die Aufnahme in die französische Ehrenlegion lehnte er aber „mit größter Entschlossenheit“ ab.

Zentrale Werke von Jacques Tardi sind semidokumentarisch; oft in sprachlicher Kooperation mit Autoren sowie mit der Chansonsängerin Dominique Grange entstanden, schildern sie die erschreckenden Leiden der als Kanonenfutter missbrauchten einfachen Soldaten beider Weltkriege und protestieren dagegen. Die Comic-Alben „Grabenkrieg“, „Elender Krieg 1914-1919“ und „Der letzte Ansturm“ halten den Ersten Weltkrieg, der 17 Millionen Menschenleben kostete, eindringlich fest, wobei Tardi die Traumata seines Großvaters verarbeitet hat: Tag und Nacht lagen die Soldaten im Dreck der Schützengräben und waren Senfgasangriffen ausgesetzt. Seine Serie zum Zweiten Weltkrieg begann Tardi 2012 mit „Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB. Der lange Marsch durch Deutschland“; hier begleitet ein Kind seinen Vater durch dessen grauenhafte Erlebnisse während der NS-Kriegsgefangenschaft.

Jacques Tardi hat sich auch mit anderen historischen Themen auseinandergesetzt, etwa dem Scheitern der Pariser Kommune von 1871, mit den Menschenrechten und dem Nahostkonflikt. Sein unermüdlich kritisches Zwiegespräch mit dem gesellschaftlichen Leben und seine klare Position als Kriegsgegner und sozialer Denker zeigen sich des Weiteren in politischen Illustrationen, Karikaturen und Cartoons, die er in verschiedenen Satirezeitungen und Magazinen veröffentlicht. Tardi hat eine ganz persönliche und unverwechselbare Art der Darstellung entwickelt, die viele Comic-Künstler inspiriert hat.

Er gilt als Meister der kontrastreichen Schwarz-Weiß-Zeichnung, die mittels harter Schatten stilisiert, dabei aber locker, rund und mit gekonntem Strich aus der Hand zu fließen scheint. Stilisiert und oft karikiert werden vor allem Menschen, während der Bildhintergrund realistisch geprägt bleibt. Der Weg nach Basel sei dringend empfohlen, wer ihn aber diesmal nicht findet, kann das bewegende Werk auch durch ausgezeichnete Bücher kennen lernen, die in der Edition Moderne (www.editionmoderne.ch) erschienen sind.

 

Was: Comic-Ausstellung „Le Monde de Tardi“
Wann: bis 24. März 2019. Di-So 11-17 Uhr
Wo: Cartoonmuseum Basel, St. Alban-Vorstadt 28, 4052 Basel
Web: www.cartoonmuseum.ch