Kunst

Explodierende Augenblicke: Die Galerie Albert Baumgarten zeigt neue Arbeiten des Düsseldorfer Malers Jürgen Jansen

Wenn ein Großteil der Titel von Jürgen Jansens aktuellen Bildern von Songs stammt, muss das nicht heißen, dass der Düsseldorfer sie hörte als die Bilder entstanden. Oder dass sie überhaupt im Atelier liefen. Doch die Titelliste von Jansens Ausstellung in der Galerie Albert Baumgarten „Floating Points“ in Freiburg liest sich eben wie eine Playlist. Und die Musik trägt so nicht nur ein starkes atmosphärisches Moment bei – das bringen die Bilder selbst umfassend mit -, sondern auch eine ganz eigene Zeitlichkeit. Denkt man an einen Song wie „Bridge over troubled water“, „I hear the love chimes“ oder „Make me over“, dann denkt man auch an die zwei, drei oder vier Minuten, die er dauert. Und auch ein Bild hat ja eine zeitliche Dimension. Durch seine Existenz einerseits, aber auch andererseits durch den Prozess, den es brauchte, um es zu schaffen.
Jürgen Jansens Bilder wirken durch ihre extreme Farbigkeit erst einmal wie ein explodierender Augenblick. In den meisten von Jansens Bildern gibt es Farben wie etwa die verschiedenen Rottöne, die es in den Vordergrund drängt, während zartere Töne weniger dominant sind. Obgleich Jansens Bilder flach wirken, bestehen sie aus vielen Schichten. Bis zu dreißig Mal schüttet Jansen auf seine grundierten hölzernen Bildkörper sehr verdünnte Ölfarbe. Im Anschluss setzt er ein Druckluftgerät ein, das die Farbe verteilt. Ein bisschen sehen Jansens „Floating Points“ aus wie aufblühende Drusen im Gestein oder wie vegetabile Strukturen. Manchmal überwiegt die Abstraktion, manchmal sieht es aus wie Flechtwerk. Verlaufsspuren erweitern Jansens fließende Punkte, sie erweitern sich zu den umgebenden Farbflächen und schaffen überhaupt Mikro-Kompositionen, die mit vielen Details überraschen. Da Jansen die Oberfläche mit einem Industrie-Lack überzieht, sind die Farben von hoher Brillanz. Die glossy Oberfläche hat etwas verführerisch Dekoratives. Jansens „Floating Points“ machen Laune, wie viele der Songs, nach denen sie heißen; belasten sich zugleich nicht mit allzu viel intellektuellem Ballast.
Was nicht heißt, dass Jürgen Jansen nicht an grundsätzlichen Fragen der Repräsentationskraft von Malerei interessiert wäre. Jansen hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Per Kirkeby studiert, der in seinen Bildern immer wieder geologische Strukturen aufgreift. So wie der 1960 geborene Jansen zuerst Biologie studiert hat bevor er sich der Malerei zuwandte. Sein Studium beendete er an der Düsseldorfer Akademie. Dann war er frei, die Leinwand als Labor von Farbexperimenten zu begreifen.

Jürgen Jansen, Floating Points. Galerie Albert Baumgarten, Kartäuserstr. 32, Freiburg. Dienstag bis Freitag 15 bis 19 Uhr, Sa 11 bis 14 Uhr. Geschlossen vom 24. bis 31. Dezember. Bis 11.01.25. Zur Ausstellung ist ebenfalls ein Katalog erschienen, erhältlich in der Galerie.

Bildquellen

  • Jürgen Janses farbgewaltige Werke sind in der Galerie Baumgarten ausgestellt: © Jürgen Jansen/Galerie Baumgarten