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Kunst | Dezember 2018 | von Annette Hoffmann

Die Regionale 19 in Freiburg

Reden, nicht nur über das Wetter

Zum Jahresende rücken Kunsthäuser im Dreiländereck regionale Künstlerinnen und Künstler in den Fokus. In Freiburg, wo sich etwa der Kunstverein oder die Galerie für Gegenwartskunst im E-Werk beteiligen, sind die Ausstellungen noch bis zum 6. Januar 2019 zu sehen.

© Marc Doradzillo

Anna Schütten: „sono“, 2018, Galerie für Gegenwartskunst, E-Werk.

Kunstverein Freiburg

Hätte der Betrachter und Fabio Luks‘ Arbeit eine Beziehung, dann wäre die Kommunikation erheblich gestört. Um zu wissen, was das Gegenüber will, muss man sich bemühen, muss sich durch den Ausstellungsraum bewegen und die mal am Boden liegenden, mal halb aufrechtstehenden oder gar zwischen Trägern festgezurrten schwarzen Leinwandlettern vor sich hin buchstabieren. Bis sie dann das Wort Speak ergeben.

Überhaupt geht es in der Regionale-Ausstellung des Kunstverein Freiburgs „Talk to me“, die von Ann-Kathrin Harr und Maria Sitte kuratiert wurde, um die Kommunikation. Nun kann man auch ins Leere zielen, daher befasst sich ein Großteil der Arbeiten der elf Künstlerinnen und Künstler mit missglückten Dialogen, Monologen oder dem Grundrauschen von Kommunikationen.

Viele Künstlerinnen und Künstler sezieren kommunikative Prozesse geradezu. Anja Schwehr etwa lässt in ihrer Arbeit „Mein Name ist Anna. Ich bin eine deutsche Stimme“ von einer Computerstimme Sätze aus dem semantischen Feld der Angst sprechen. Nachdem sich Anna vorgestellt hat, dekliniert sie deprimieren durch, spricht von normal depressiv und Depression und wird dabei immer schneller.

Als Hörer würde man bei diesen Worten einen empathischen Unterton erwarten, fehlt er wie hier, reagiert man mit Aggression. Frédéric Pagace wiederum hat einen Bleistiftstrauch so verkabelt, dass, wenn man ihn anfasst, das Wort „every“ zu hören ist. In seiner gleichnamigen Installation hat er dieses Prinzip perfektioniert. So liegen auf einem großen runden Tisch verschiedene Samenstände, Schnecken oder Algenbüschel, die er mit Porzellan überzogen hat und deren Kabel zur Mitte des Tisches verlaufen. Berührt man die goldenen Partien dieser weißen Objekte, sind Worte oder kurze Beschreibungen zu hören.

Oft stellt sich die Frage nach dem Mehrgewinn von Kommunikationsakten. Maeva Rosset interessiert sich in ihrer Fotoserie „n“ für das Wesen von Düften. So visualisiert sie chemische Reaktionen von Opium oder dem Geruch der Artischocke. Die Formen, die die verschiedenen Aromen unter Zunahme von Nanostrukturen eines Polymers ausbilden, unterscheiden sich, doch was kommunizieren diese Strukturen? Und welche Erkenntnis ziehen wir daraus – „Talk to me“ zeigt eine ganze Bandbreite zwischen Kommunikation als Selbstzweck und gelungener Verständigung auf.

Was: Regionale 19 – Talk to me
Wann: bis 6. Januar. Di-So 12-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr.
Wo: Kunstverein Freiburg, Dreisamstr. 21, 79098 Freiburg
Web: www.kunstvereinfreiburg.de, www.regionale.org

Galerie für Gegenwartskunst, E-Werk

Das waren noch Zeiten, als ein Gespräch über das Wetter lediglich Smalltalk war. Unter dem Titel „Don’t talk about the weather forecast“ haben Heidi Brunnschweiler, Jana Spät und Ted Davis für die Galerie für Gegenwartskunst im E-Werk eine Gruppenschau kuratiert, die sich im weitesten Sinn mit Wetterphänomen befasst. Die Katastrophe ist da nie weit. Einzig Anna Schüttens sehenswerte Installation „sono“ in der Galerie 1, die aus mehreren bemalten Stoffbahnen besteht, die über die Rohre an der Decke fallen, ist von dieser thematischen Ausrichtung ausgenommen.

Und so fahren in Jacob Otts „Windy Image“-Serie Hurrikane durch Palmen und legen Häuser vor schwefelgelbem Himmel schief. Sehr sehenswert ist auch die Arbeit „Salvage“ von Dirk Koy. Koy hat Aufnahmen von Städten oder Landschaften derart mit einem Grafikprogramm bearbeitet, dass ständig neue abstrakte Renderings entstehen. Wände werden zu Flächen, dann zu Rastern und Schraffuren. Man hat den Eindruck, in die Struktur der verschiedenen Umgebungen zu schauen, zugleich wirkt die Oberfläche malerisch und stark rhythmisiert.

Die animierten Bilder korrelieren mit der Musik, die Koy vor einigen Jahren komponierte und nun für „Salvage“ verwendet hat. Koy ist mittlerweile Dozent an der HGK Basel, wo er selbst 2002 seinen Abschluss machte. Kunst und Wetter jedenfalls erweisen sich auf komplexe Weise für Smalltalk ungeeignet.

Was: Regionale 19 – Don’t talk about the weather forecast
Wann: bis 6. Januar. Do+Fr 17-20 Uhr, Sa 14-20 Uhr, So 14-18 Uhr
Wo: E-Werk, Galerie für Gegenwartskunst, Eschholzstr. 77, 79106 Freiburg
Web: www.gegenwartskunst-freiburg.de, www.regionale.org