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Musik | Juli 2019 | von Georg Rudiger

Das Freiburger Raschèr Saxophone Quartet feiert 50-jähriges Jubiläum

Jubiläumsjahr wird durch Tod von Ensemblemitglied überschattet

Seit über zehn Jahren ist das Raschèr Saxophone Quartet in Freiburg beheimatet, 2019 feiert das von Sigurd Raschèr gegründete Klassik-Ensemble sein 50-jähriges Bestehen – während die Ensemblemitglieder um ihren kürzlich verstorbenen Kollegen Kenneth Coon trauern.

© Felix Broede

Das Raschèr Saxophone Quartett: Elliot Riley, Christine Rall, der kürzlich verstorbene Kenneth Coon und Andreas van Zoelen.


Schon die ersten Töne des Altsaxofons lassen aufhorchen. Der Contrapunctus I, das bekannte Thema aus Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“, hat jede Bodenhaftung verloren. Es sind durchsichtige, leicht vibrierte, zärtlich geblasene Klänge, mit denen Elliot Riley den vielgehörten Pfundnoten große Sinnlichkeit verleiht. Auch wenn auf der CD aus dem Jahr 2011 Christine Rall mit dem Sopransaxofon und die beiden Kollegen Kenneth Coon und Bruce Weinberger am Bariton- und am Tenorsaxofon einsetzen und die Vierstimmigkeit des Raschèr Saxophone Quartet erreicht ist, bleibt die lichte Transparenz erhalten.

Der besondere Klang ist das Markenzeichen des Ensembles. „Schwebend, ausdrucksstark, delikat, homogen in allen Registern“, beschreibt Christine Rall (49), die seit 2002 im Ensemble spielt, den Sound der Formation. Das Klangideal hat viel mit dem Spiel des Ensemblegründers Sigurd Raschèr zu tun. „Als ich mit zwölf Jahren zum ersten Mal eine Aufnahme von ihm gehört habe, klang das, als würden drei Saxofone gleichzeitig spielen – so viele Farben, solch ein Reichtum!“, erzählt Elliot Riley (40) begeistert. Der 1907 in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal) geborene Raschèr war einer der wichtigsten Vertreter des klassischen Saxofonspiels und erweiterte mit dem sogenannten Altissimo-Register den Tonraum des Instruments nach oben.

1969 gründete der in die USA emigrierte Künstler gemeinsam mit seiner Tochter Carina und seinen Schülern Bruce Weinberger und Linda Bangs das Raschèr Saxophone Quartet. 1971 startete man mit einem roten VW-Bus zur ersten internationalen Tournee durch Süddeutschland und die Schweiz, nach Prag, Holland und Schweden. Einige Jahre später zog sich Sigurd Raschèr aus dem Ensemble zurück. Seine Nachfolge am Altsaxofon übernahm John Kelly (später dann Harry White und Elliot Riley), das Quartett verlegte seinen Sitz von den USA nach Tübingen im deutschen Südwesten und später nach Freiburg. 2014 ersetzte der Niederländer Andreas van Zoelen (40) das Gründungsmitglied Bruce Weinberger am Tenorsaxofon. Rund 300 Uraufführungen spielte das Ensemble, das viele zeitgenössische Komponisten inspirierte, bis heute.

Die schmerzhafteste Veränderung musste das Raschèr Saxophone Quartet vor zwei Monaten verkraften. Im Mai diesen Jahres verstarb der 52-jährige Kenneth Coon nach schwerer Krankheit. Für die Ensemblemitglieder bedeutet dies „unsagbare Trauer und Bestürzung“. Und einen „enormen emotionalen Spagat“, dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr, das mit viel Aufmerksamkeit verbunden ist, Ken nicht mehr dabei sein kann, erklärt Sopransaxofonistin Christine Rall. Die beiden Kollegen Noah Bedrin und Oscar Trompenaars springen abwechselnd ein, so dass das umfangreiche Konzertprogramm bewältigt werden kann.

Aber der Schmerz über den großen Verlust bleibt. „Als Mensch wie als Musiker hatte Ken sehr hohe Ideale und Wertvorstellungen. Er brannte für seine Überzeugung – im Leben wie auch in der Musik“, kennzeichnet Rall den langjährigen Freund. Und Andreas van Zoelen ergänzt: „Als wir letztes Jahr im neuen Arvo Pärt Centre im estnischen Laulasmaa gespielt haben, hat Nora Pärt in unser Programmheft geschrieben: 1+1+1+1=1. Das ist nicht nur ein sehr großes Kompliment, sondern es zeigt auch, wie schwer es jetzt für uns gerade ist – sowohl menschlich als auch musikalisch.“

Seit über zehn Jahren hat das Raschèr Saxophone Quartet seinen Sitz in Freiburg, wird aber in der Stadt nur wenig wahrgenommen. Das soll sich im Jubiläumsjahr ändern. Ein im letzten Herbst gegründeter Freundeskreis kümmert sich um eine eigene Konzertreihe in Freiburg und Umgebung. Höhepunkt des 50-jährigen Jubiläums ist das Festkonzert am 22. September 2019 um 19 Uhr im Freiburger Konzerthaus, das viele Facetten des Ensembles zeigt und mit der Mädchenkantorei am Freiburger Münster und einem Kammerorchester unter der Leitung von Dennis Russell Davies das Klangspektrum weiter auffächert.

Der Verein unterstützt auch die zahlreichen musikpädagogischen Aktivitäten des Ensembles wie die jährlich beim Oberbadischen Blasmusikverband Breisgau stattfindende Akademie, die sich speziell an Amateure wendet. Dazu passt auch, dass das Saxofon vom Landesmusikrat zum „Instrument des Jahres 2019“ gekürt wurde.

Was: 50 Jahre RSQ – Festkonzert
Wann: 22. September 2019, 19 Uhr
Wo: Konzerthaus Freiburg

Was: RSQ – Modern
Wann: 26. November 2019, 20 Uhr
Wo: Hochschule für Musik

Web: Ensemble: www.rsq-sax.com, Freundeskreis: www.freunde-rsq.de