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„Auftakt des Terrors. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“: Ausstellung in der Meckelhalle Freiburg

In aller Öffentlichkeit wurden sie verhaftet und gedemütigt, SA, SS und Gestapo verschleppten 1933 mehr als 80.000 Regimegegner; so schüchterte das NS-System mit demonstrativer Gewalt die Bevölkerung ein und zerschlug die Opposition. Damit befasst sich die dokumentarische Ausstellung „Auftakt des Terrors“, die seit März 2023 bundesweit gezeigt wird; sie beleuchtet mittels elf Themenstationen die Funktionsweise früher KZs, die an rund 90 Orten im Deutschen Reich Instrument waren, um Regimegegner zu beseitigen, Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter, aber auch rassisch oder religiös „Unerwünschte“. Ein Vorwand war der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933: folgenden Tags erließ Reichspräsident Hindenburg die „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“, setzte die Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft, schaltete die Länderregierungen gleich und führte die „Schutzhaft“ ein. Pseudolegale Verhaftungen folgten, jeder konnte nun ohne Anklage und Beweise inhaftiert und verschleppt werden, wozu vom Berliner Gestapo-Gefängnis über das KZ Oranienburg (wo etwa Erich Mühsam endete) bis zu Kasernen, Burgen, Schlössern und Fabriken jeder vakante Ort dienen konnte: „Was dann losging, war ungeheuerlich und ist heute oft von den späteren Dingen überblendet worden“, sagte Hannah Arendt. Vor Auschwitz und Buchenwald, bevor das KZ-System ab 1936 zentral der SS zugeordnet war, gab es Deportation, Kerker, Folter, Mord, Zwangsarbeit.
Eine Ausstellungstafel enthält diesbezügliche Informationen zum heutigen Baden-Württemberg; zu den ersten Lagern gehörte hier das KZ Heuberg auf der Schwäbischen Alb, eine Einrichtung des Stuttgarter Innenministeriums; im März 1933 waren zeitweilig über 2.000 Oppositionelle inhaftiert, darunter Kurt Schumacher und Fritz Bauer. Ab November 1933 verfrachtete man Häftlinge in die KZs Oberer Kuhberg in Ulm sowie nach Ankenbuck und Kislau, erstes KZ in Baden, für dessen Einrichtung die „Nußbaum-Affäre“ als Scheingrund diente. Ergänzend zu den elf Ausstellungsmodule gibt ein Faltblatt Auskünfte zu Freiburg: im Mai 1933 wurden die Politiker Stefan Meier, Philipp Martzloff, Franz Geiler, Georg Lechleiter und Jakob Treff­eisen nach Ankenbuck auf der Baar verbracht. Im Dezember 1933 „verschubte“ man dorthin Häftlinge aus dem aufgelösten KZ Heuberg; im März 1934 ging es von Ankenbuck weiter ins KZ Kislau. Danach folgten oft Flossenbürg, Dachau, Natzweiler. In Kislau ermordeten SS- und SA-Männer, beauftragt von Gauleiter Robert Wagner, im März 1934 den Sozialdemokraten Ludwig Marum. Die Universität Freiburg erkannte ihm 1938 die Ehrendoktorwürde ab (2007 widerrufen).
Erarbeitet wurde „Auftakt des Terrors“ von der überregionalen AG „Gedenkstätten an Orten früher Konzentrationslager“, vor einigen Jahren gegründet in Bad Urach und in der „Topographie des Terrors“ in Berlin. Als Kooperation mit dem Lernort Kislau, der von Anfang an beteiligt war, greift das DZNS Freiburg und dessen Förderverein, nun dieses vernachlässigte Thema auf. In Freiburg existieren kaum memoriale Markierungen für die Vorgänge; neben Biographien zur lokalen Situation, die den „Auftakt des Terrors“ ergänzen, wäre auch das Gefängnis vor Ort zu beleuchten. Eine Quelle zu den Ereignissen in Freiburg sind u.a. die Berichte der Journalistin Käthe Vordtriede, die 1933 in „Schutzhaft“ genommen und verfolgt wurde, bis ihr am 2. September 1939 die Flucht gelang …

Meckelhalle im Sparkassen Finanzzentrum Freiburg. Kaiser-Joseph-Str. 186-190, täglich zu den regulären Öffnungszeiten. www.nsdoku.freiburg.de, www.auftakt-des-terrors.de. Bis 12.09.2023

Bildquellen

  • : © Stadtarchiv Karlsruhe, 8/PBS oVI 558