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50 Jahre 1968

Foto-Ausstellung, Buchpräsentation und Filme im Centre Culturel Français und im Kommunalen Kino in Freiburg

Mehrere Veranstaltungen zum Thema Paris im Mai 68 laden im Centre Culturel Français Freiburg dazu ein, sich an die Akteure, Bilder und Slogans der Ereignisse zu erinnern, die vor nunmehr 50 Jahren in Paris, aber auch in Berlin, Freiburg und anderswo, die Gesellschaft erschütterten.

Eine Gruppe steigt auf die Statue „Lion de Belfort“ in Paris . ©Philippe Gras

Die damals entstandenen Fotografien von Philippe Gras (1942-2007) vermögen die Atmosphäre des Pariser Mai ebenso intensiv zu vermitteln wie der begleitend gezeigte Film „Petits rappels de mai 68“ des Regisseurs Dominique Beaux, der auch die historische Situation reflektiert, in der sich mittels Streiks und radikaler Parolen eine virulente Unzufriedenheit mit erstarrten sozialen und politischen Strukturen manifestiert und in gewalttätigen Auseinandersetzungen eskaliert: „Sous les pavés, la plage“.

Ein ganz besonders spannender Beitrag zum Thema ist das soeben auf Deutsch erschienene Buch von Anne Wiazemsky, „Paris, Mai ’68 – Ein Erinnerungsroman“ (Wagenbach Verlag 2018), das am 3. Mai im Gespräch mit dem Übersetzer Jan Rhein vorgestellt wird. Anne Wiazemsky (1947-2017) lebte damals im Pariser Quartier Latin und war seit Januar 1968 frisch mit Jean-Luc Godard verheiratet; er ist 37 Jahre alt, sie ist 20, bereits als Schauspielerin bekannt, aber noch relativ unpolitisch, als im Mai allerorts Revolten ausbrechen und sie in den Strudel der sich aufschaukelnden Ereignisse gerät.

Mit Jacques Brel steht sie vor der Kamera, Daniel Cohn-Bendit kennt sie aus ihrer Jugend, sie drehte mit Bresson und Pasolini, lernt Gilles Deleuze kennen, begegnet den Beatles und Rolling Stones. Sie genießt ihr Metier und entwickelt sich, entfremdet sich aber langsam von Jean-Luc Godard, der von einer Revolution des Kinos träumt, aber seiner Frau durch Eifersucht schwer zusetzt. Ein spannendes Buch, Zeitzeugnis, verrückte Liebe und Schlüssel zur Filmgeschichte.

Auch der Dokumentarist und Essayist Chris Marker taucht im Buch von Anne Wiazemsky auf; von ihm zeigt das Kommunale Kino am 14. Mai den Film „Le fond de l’air est rouge“, mit dem er 1977 eine Bilanz der politischen Linken zieht. Dabei geht es um Niederlagen in Lateinamerika, den Sieg der Vietcong in Vietnam und die politische Eiszeit in den Staaten des Warschauer Paktes zu Zeiten von Breschnew.

Mit politischer Ästhetik verknüpft Marker komplexe Tatbestände und Sachverhalte, wobei er sein visuelles Material, Fotografien, Dokumentarstrecken und Fernsehbilder, kritisch hinterfragt. À voir!

Cornelia Frenkel

Termine:

  • Bis 25. Mai: Ausstellung Fotografien von Philippe Gras + Film von Dominique Beaux. Centre Culturel Français Freiburg. Mo, Di, Do 9 – 13 Uhr, Mi 9 – 17 Uhr, Fr 9 – 14 Uhr.
  • 3. Mai, 19.30 Uhr: Anne Wiazemsky. Paris, Mai ’68 – Ein Erinnerungsroman. Gespräch mit dem Übersetzer Jan Rhein, Moderation Dr. Guillaume Plas. www.ccf-fr.de
  •  14. Mai, 19.30 Uhr: Ciné-club. Chris Marker. F 1977 (OmU). Le fond de l’air est rouge. Kommunales Kino Freiburg. www.koki-freiburg.de