Kunst

Zwischen Wunschvorstellung und Realität

„Familienbande“ – Fotografien von Katharina Mayer im Modo Verlag Freiburg

Jede Familie erzählt ihre ganz persönliche biographische Geschichte. Etwa durch ihre Interaktion, die Kulisse ihres Eigenheims, die Haustiere und Gegenstände, mit denen sie sich umgeben, ihre Kleidung und so weiter. Diese unsichtbaren Bande machte die Fotografin Katharina Mayer in ihren Bildern sichtbar, die derzeit im Freiburger Modo Verlag zu sehen sind.

Stets gehe es um die Essenz dieser schicksalhaften Beziehungen innerhalb eines Familiengefüges, äußert sich die Künstlerin und Becher-Schülerin im Katalog zu „Familienbande“, einer Unterkategorie ihrer langjährigen Serie „Familia“. Auch mit Heimat haben ihre Bilder zu tun, denn „Heimat ist für mich der Ort meiner Mutter“. Familie ist also auch ein Ort.

An diesen, nämlich in den Kreis unterschiedlichster Familien, begibt sich die Künstlerin für ihre Aufnahmen mehrere Stunden lang; wie hinter die Kulissen einer Bühne oder in das Innere eines Organismus, aus dem heraus sie die Strukturen dieser verbandelten Gemeinschaft befragt – so gut das eben aus der Sicht eines Unbeteiligten in dieser relativ kurzen Zeit geht. Wer selbst Familie hat, setzt sich automatisch in Bezug zum Bild.

Doch ist es gerade ihr von außen kommender Blick, der diese inhärenten Strukturen aufzuspüren vermag. Privates wird dadurch plötzlich öffentlich: Wie möchte man sich der Fotografin als Familie präsentieren? Diese innere Zerrissenheit zwischen Wunschvorstellung und Realität scheint die Künstlerin an diesem Thema besonders zu reizen. Charmant, ja fast liebevoll konterkariert sie diese Kluft, wie sie doch in jeder Familie zu finden ist.

Ab und an greift Katharina Mayer mit Minimalinszenierungen in die Aufstellungen ein und überspitzt dadurch die Szenerie. Etwa im Bild „Brothers in Arms“ durch die Farbzusammenstellung des rosa Vorhangs hinter einem knallroten Sofa, auf dem zwei Männer sitzen – Vater und Sohn? Zwei Brüder? – und jeweils eine Waffe in die Höhe recken: Der eine ein Gewehr, der andere eine E-Gitarre.

Oder indem die Mitglieder einer Familie so in die Architektur eines Brunnens hineindrapiert werden, als würden sie dieser entwachsen. Hier bestimmt die kompositorische Lust das Drehbuch, die Familienmitglieder sind nur mehr Darsteller von Bildgeschichten. Hunde inbegriffen, Stofftiere ebenso. Manche Szenerien haben ihre Vorbilder in der Kunstgeschichte, die von Katharina Mayer jedoch nicht einfach zitiert werden.

Vielmehr interpretiert sie sie neu, um zu irritieren. Sie geben Rätsel auf, ihre dramaturgisch ausgefeilten, witzigen, skurrilen oder ernsthaften Kompositionen. Manche wiederum erscheinen so natürlich wie ein Schnappschuss aus dem Familienalbum, fotografiert von oben oder von der Bodenkante aus, als befände sich der Betrachter inmitten der Gruppe. Sehender Teil der Familienbande.

Was: Ausstellung „Familienbande“ von Katharina Mayer
Wann: Bis 26. Oktober. Mo bis Do 10-16.30 Uhr, Fr 10-13 Uhr und nach Vereinbarung
Wo: Modo Verlag, Terlanerstr. 8, 79111 Freiburg
Web: www.modoverlag.de