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Kunst | Februar 2019 | von Erich Krieger

„Orientalismo? No!“ – Ausstellung im Kulturwerk T66

Die Alltagsästhetik des Orients

Widmen sich europäische Künstlerinnen und Künstler der Alltags­ästhetik orientalischer Länder, haftet ihrem Werk oftmals ein Hauch geheimnisvoller Exotik an. Dass es auch anders geht, zeigen Ulrike Weiss und Josep Pedro Ginestar in der laufenden Ausstellung „Orientalismo? No!“ im Kulturwerk T66 in Freiburg.

© Josep Pedros Ginestar

Josep Pedros Ginestar: „Tout et tous sont en moi“.

Ulrike Weiss (Freiburg) und Josep Pedro Ginestar (Gata de Gorgos, Spanien) hielten sich viele Jahre lang zu mehreren Arbeits- und Projektaufenthalten an Hochschulen, bei bildenden Künstler- und Theatergruppen aber auch Hilfs- und Nicht-Regierungsorganisationen in Nordafrika und dort vor allem in Marokko auf. Ulrike Weiss agierte dabei vor allem in Städten wie Casablanca oder Rabat, während sich Josep Pedro Ginestar vorwiegend in den Dörfern der Sahara-Vorwüste um Merzouga aufhält. Letzterer betätigt sich neben seiner künstlerischen Arbeit aktiv an der Arbeit der Altair Cooperation, einer NGO, die die Menschen in ländlichen Gebieten augenmedizinisch betreut und mit Brillen versorgt.

Ulrike Weiss focussiert ihren Blick in ihren Zeichnungen, Collagen und Objekten vor allem auf textile Farben, Formen und Muster aus der Welt der Frauen. Als Ausgangspunkte können Fotos aus marokkanischen Modezeitschriften dienen, oder sie orientiert sich an Kaftan-, Teppich- oder Bettbezugsmustern, die sie collagiert, dekonstruiert und coloriert.

Eindrucksvoll ihr aufgehängtes Kleid mit dem Titel „Desperate Housewife“, aus dem sie die ursprünglichen Blütenmuster herausgeschnitten hat, die wie befreit aus ihrem ehemaligen Gefängnis herauszufliegen scheinen. Sie lässt den ästhetischen Formen des orientalischen Frauenkosmos weitgehend ihre Natur, denn diese bergen vielfach lang tradierte Symbolik aus der täglich erfahrbaren weiblichen Lebenswelt.

Josep Pedro Ginestar hat sich in Marokko hauptsächlich Landart-Performances in dem von ihm bevorzugten Vorwüstengebiet Marokkos verschrieben, in denen die Verbindung zwischen Land, Menschen und Natur die dominierende Rolle spielen. Sein bevorzugtes Material ist dabei der vielfarbig nuancierte Saharasand. Davon zeugen in der Ausstellung Fotografien und eine Video-Installation.

Im Ausstellungsraum dominiert eine explosionsartig auseinanderdriftende Anordnung von mit Saharasand gefüllten Bienenwachshülsen, die Abdrücke seiner Finger sind und die mit „Tout et tous sont en moi“ (alles und alle sind in mir) tituliert ist. Auf seine Tätigkeit bei der Altair-Cooperation weist eine stilisierte Holztafel mit in Sehtests verwendeten Symbolen hin, auf deren Rückseite sich ein Gebet auf Ginestars Muttersprache Katalanisch befindet.

Wer orientalisch inspirierte Kunst nicht als exotisches Faszinosum betrachten möchte, sollte diese Ausstellung besuchen.

 

Was: Ausstellung “Orientalismo? No!”
Wann: bis 23. Februar 2019, Do-Sa, 14-18 Uhr oder nach Vereinbarung
Wo: Kulturwerk T66, Talstraße 66, 79102 Freiburg
Web: www.t66-kulturwerk.de