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Kunst | November 2018 | von Cornelia Frenkel

Nach der Zerstörung: Zeitenwende 1918/19

Grenzüberschreitende Ausstellungsreihe und zentrale Schau im Dreiländermuseum Lörrach

Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg wissen wir, dass der Friede ein zerbrechliches Glück ist, das uns von einem auf den anderen Tag genommen werden kann. Eine Ausstellungsreihe im Dreiländereck zeigt die tiefgreifenden Veränderungen, die der Krieg am Oberrhein hinterließ.

© Dreiländermuseum

Blick in die Ausstellung „Zeitenwende 1918/19“ im Dreiländermuseum Lörrach.

Die Oberrheinregion war vor dem Ersten Weltkrieg ein ökonomisch und kulturell offener Raum. Danach wurde dieser durch nationalstaatliche Grenzen abgeriegelt. Mit Konsequenzen für die Bevölkerung, die plötzlich  Pässe und Passagierscheine benötigte.

Millionen Menschen hatten auf den „Feldern der Ehre“ ihr Leben gelassen, waren verwundet, verstümmelt und fanden sich nun am Ende des Krieges mit Hunger und Zerstörung konfrontiert. Das hatten die fahrlässigen Konfliktparteien riskiert, als sie sich mit Risikobereitschaft und Fehleinschätzung in die Katastrophe dieses Weltkriegs katapultierten, der bis zur Erschöpfung ausgefochten wurde, nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und Afrika.

Die Zeit danach prägen Wirtschaftskrisen, aber auch soziale Errungenschaften wie Demokratie und Frauenwahlrecht; in kultureller und künstlerischer Hinsicht findet international ein Aufbruch statt, doch Armut, Elend und Gewalt prägten weiterhin das zivile Zusammenleben nach einem labilen Friedensschluss, der die nächste aggressive Explosion nicht verhindern konnte.

Die Sonderausstellung Zeitenwende 1918/19 im Dreiländermuseum Lörrach beleuchtet 100 Jahre nach diesem mörderischen Krieg die Zäsur, die sich danach in der Oberrheinregion ergeben hat. Drei Veränderungen sind zentral: das Elsass kehrt zu Frankreich zurück, die Schweiz wird zum europäischen Sonderfall und Deutschland wandelt sich zur Republik.

Durch die nun kontrollierten Grenzen entstehen neue Sprachgrenzen und es kommt zu einer Entfremdung der Kontakte über den Rhein hinweg. Diese Zusammenhänge thematisiert eine zentrale Überblicksausstellung im Dreiländermuseum Lörrach, indem sie sich der Situation in den drei Ländern vergleichend nähert.

Ergänzend dazu wird die „Zeitenwende 1918/19“ in weiteren 30 Museen der Region, von Basel über Müllheim bis Straßburg aus verschiedenen Perspektiven analysiert: In Stuttgart und Karlsruhe wird das Thema Revolution aufgerollt, in Colmar sind die Folgen der brutalen Kampfhandlungen für die Natur in den Vogesen Thema, in Weil am Rhein wird die wechselvolle Geschichte der badisch-elsässischen Nachbarschaft sowie die Vertreibung von bis zu 150.000 Reichsdeutschen aus dem Elsass vergegenwärtigt, das Kunstmuseum Bern beleuchtet Paul Klees Weg in die Abstraktion als Folge seiner Rolle im Krieg, in Biel beschäftigt man sich mit dem Schweizer Landesstreik von 1918.

Bewegende Ausstellungen werden des Weiteren auf dem Hartmannswillerkopf und auf dem Lingekopf gezeigt sowie im Musée Serret in Saint-Amarin. Die zahlreichen Ausstellungen wurden über Jahre hinweg in gemeinsamer intellektueller Planung des grenzüberschreitenden „Netzwerks Museen“ aufeinander abgestimmt. So wurde die Möglichkeit geschaffen, die damalige Situation in den drei unterschiedlichen Ländern kennenzulernen. Ein übersichtliches Faltblatt sowie ein Katalog bieten zusätzliche Information zu Themen und Ausstellungsorten.

Was: Ausstellung: Zeitenwende 1918/19 / Le tournant 1918/19
Wann: bis 3. Februar 2019, Di-So 11-18 Uhr
Wo: Dreiländermuseum / Musée des troi pays, Basler Str. 143, 79540 Lörrach
Web: www.dreilaendermuseum.eu , www.netzwerk-museen.eu