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Film | September 2018 | von Fabian Lutz

Liebe, Lust und freies Kino

Das Luststreifen Film Festival 2018 bringt Basel ein breites Film- und Festprogramm zu Sex, Gender, Identität und Verlangen

Vor elf Jahren trat ein kleines schwules Filmwochenende in die Kulturlandschaft Basels, heute ist es eine echte Institution: Das Luststreifen Film Festival. Vom 26. bis 30. September werden Vielfalt und Offenheit in Kunst, Kino und der Gesellschaft gefeiert, aber auch diskutiert.

Das Basler Luststreifen Film Festival.© Luststreifen

Das Basler Luststreifen Film Festival.

Impulse für eine liberalere, sozialere und demokratischere Welt mit mehr Selbstverantwortung und Gemeinsinn wollen die Organisatoren geben. Dafür setzen sie auf ein abwechslungsreiches internationales Filmprogramm, viel Diskussionsraum und ein lebendiges Rahmenprogramm bringen fünf Tage gelebte Freiheit und Kreativität.

Der Eröffnungsabend am Mittwoch bringt um 20.30 Uhr den Dokumentarfilm Bixa Travesty über die brasilianische transgender Sängerin Linn da Quebrada (auch 28.09, 21 Uhr), zuvor ein Meet and Greet beim Apéro. Am Donnerstag, 19 Uhr kommt mit Fallen Flowers, Thick Leaves eine Dokumentation über eine chinesische Sexologin, ihre Patientinnen und die Erwartungen einer Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne.

Kurzfilmfreunde kommen bei den Queer Shorts um 20.30 Uhr auf ihre Kosten, kurze Begegnungen mit Sex, Liebe und Alltag in all ihren Unwägbarkeiten (auch 29.09., 22 Uhr). Mit Matangi/Maya/M.I.A. folgt um 21 Uhr das Portrait der radikalen srilankischen Künstlerin M.I.A. Radikal und ein besonderes Highlight ist Der Ornithologe um 22 Uhr. Wir begleiten einen Vogelforscher auf sonderbaren Abwegen. Zwischen Heiligen, Kastration und weiteren Symbolismen verschränken sich hier Abenteuerfilm, Fantastisches und natürlich Sexuelles kunstvoll miteinander.

Freitags beginnt das Filmprogramm bereits um 17 Uhr mit Aria, der weniger queere Jugendliche als queere Eltern zeigt, spannende Konstellationen garantiert! Um 18 Uhr heißt es Vibrancy of Silence: A Discussion with my Sisters. Thematisiert wird die Exilsituation von vier Künstlerinnen aus Kamerun, erzählt wird das Problem von Identität. Genderbende um 19.45 Uhr zeigt Menschen zwischen Frau/Mann-Zuordnungen und ihrem individuellen Blick aufs Leben.

Spritzig und nur für Erwachsene gibt es um 22 Uhr die Porn Shorts – der Name spricht für sich (auch 29.09., 15 Uhr). Eine Alternative dazu bieten um 22.15 Uhr die poetische Dokumentation Obscuro Baracco über die brasilianische Transgender-Ikone Luana Muniz oder der fantastische Film Thelma über lesbische Liebe und übernatürliche Fähigkeiten.

Der prall gefüllte Samstag beginnt um 13.15 Uhr mit Lunàdigas und der Welt kinderloser Frauen in Italien. Von ihnen gibt es schließlich immer mehr. Zeit, den Trend genauer zu untersuchen. Auch um 16.45 Uhr geht es um nonkonformistische Menschen. In He Loves Me sind es zwei Männer, die jenseits der Großstadt und am Rande ihrer Beziehung noch einmal ihr natürliches Wesen erkennen wollen. Überraschend kommt L’Eau Sacrée daher. Die Dokumentation um 18.15 Uhr zeigt die Suche nach dem freien weiblichen Orgasmus in Ruanda.

Tinta Bruta um 19.15 Uhr wirft den Blick auf eine homophobe brasilianische Gesellschaft und einen schwulen Mann, der darin zu existieren versucht. Para Aduma (21.15 Uhr) zeigt die Lage in Israel auf. Auch hier gibt es das Patriarchat und auch hier einen jungen Mann, der mit seiner Liebe an deren Grenzen stößt. Zum Abschluss des Tages gibt es den Dokumentarfilm Shakedown zu sehen (22.15 Uhr). Er enführt in eine ungewöhnliche Underground Stripshow in Los Angeles, eine von und für Frauen!

Der Sonntag, letzter Tag des Festivals, fängt um 12:15 Uhr die Welt queerer Migranten ein. Die Queer Migrant Shorts nehmen sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven an. The Ugly Doll um 14.45 Uhr präsentiert dagegen den ungewöhnlichen Rückzugsort einiger Sexarbeiterinnen aus Mexiko-City. Eine Suche nach Geborgenheit und Zusammenhalt. Körperpolitik bietet My Body, My Rules (16.15 Uhr) über die transformierende Beziehung von acht Menschen zu ihrem Körper, über Vielfalt und Verlangen.

Eine echte Ikone der Gesellschaftsforschung, Donna Haraway ist schließlich Gegenstand des letzten Films, Donna Haraway: Storytelling for Earthly Survival (17.30 Uhr). Das Portrait einer unnachgiebigen, offenen Denkerin entgegen festgeglaubten Strukturen. Das Festival schließt mit der Verleihung der vier „Lust-Awards“ um 18 Uhr, ein Apéro mit Musikprogramm von Musikerin Anna Vogt runden den Abend ab.

Überhaupt besteht das Luststreifen Film Festival längst nicht nur aus Film. Artist Talks und Fragerunden werden jeweils nach den Filmvorführungen abgehalten. Zwei Ausstellungen diverser Medien wie Fotografie, Malerei, Grafik oder Installationen stehen ebenso auf dem Programm wie Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen und Workshops. Ein queer-feministischer Blick auf Kindergeschichten, wilde Party-Beats und Pornografie als Empowerment-Strategie on stage zeigen den enormen Facettenreichtum eines Festivals, das es zu entdecken gilt.

Was: Luststreifen Film Festival Basel 2018
Wann: 26.-30. September 2018
Wo: Verschiedene Kinos in Basel
Web: www.luststreifen.ch