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Kunst | Juni 2019 | von Erich Krieger

Legendäre Globussegmentkarte von Martin Waldseemüller wird in Offenburg ausgestellt

Amerikas Name beruht auf einem Irrtum

Das Offenburger Museum im Ritterhaus stellt derzeit eine überaus kostbare, in Segmente aufgeteilte Weltkarte aus dem Jahre 1507 aus. Der Südbadener Martin Waldseemüller ist dafür verantworlich, dass der damals neuentdeckte Erdteil den Namen Amerika trägt und nicht etwa Columbia heißt.

© Erich Krieger

Das Original der Globussegmentkarte von Martin Waldseemüller ist aktuell im Ritterhaus in Offenburg zu sehen.

Martin Waldseemüller, zwischen 1470 und 1475 in Wolfenweiler geboren, studierte nachweislich um 1490 an der Freiburger Universität Mathematik und Geografie. Näheres über ihn weiß man erst wieder ab 1507, als er nach Saint Dié umgesiedelt war und sich einem dort agierenden humanistisch gesinnten Gelehrtenzirkel um den Mäzen Herzog René II. von Lothringen angeschlossen hatte.

Heute würde man dieses „Gymnasium Vosagense“ genannte Institut mit seinen unterschiedlichen Spezialisten wohl einen Think Tank nennen. Ein wesentlicher Bestandteil seiner wissenschaftlichen Praxis bestand in der Herausgabe von geografischen Schriften und Karten. Kein Wunder, war es nicht das Zeitalter großer Seefahrer und Entdecker. Waldseemüller schuf 1507 eine große Weltkarte, die in den Umrissen von Europa, Asien und Afrika schon verblüffend genau war.

In ein weiteres, aus heutiger Sicht viel zu klein geratenes Gebiet, schrieb er erstmals den Namen America. Er stützte sich dabei auf die Berichte des Entdeckers Amerigo Vespucci über dessen Reisen in die Karibik und an Südamerikas Küste, die im Jahre 1501 veröffentlicht worden waren. Darin sprach der Seemann von der Entdeckung eines neuen, fabelhaften Kontinents.

Waldseemüller notierte damals, dass es nicht einzusehen sei, „warum jemand es verbieten sollte, das neue Land Amerige, Land des Americus, zu nennen, nach seinem Entdecker Americus, oder America, da sowohl Europa als auch Asia ihre Namen von Frauen haben“. Dass Christopher Columbus schon 15 Jahre früher seinen Fuß dorthin gesetzt hatte, war nicht allgemein bekannt, denn dieser selbst glaubte bis zu seinem Tod, dass er in Indien gewesen sei.

Waldseemüllers große Weltkarte machte Furore und somit war der eigentlich inkorrekte Name in der Welt und dabei sollte es auch bleiben, da alle Kartografen diesen Irrtum übernommen haben. Heute gibt es nur noch ein Exemplar dieser Karte und sie ist in der Bibliothek des amerikanischen Kongresses zu besichtigen.

Den Gelehrten in Saint Dié stand auch eine Druckerei zur Verfügung und sie erwiesen sich als geschickte Marketingleute. Sie vermarkteten die große Weltkarte zusammen mit einer von Waldseemüller modifizierten Segmentkarte, deren einzelne Teile man ausschneiden konnte, um sie auf eine Holzkugel zu kleben und so erhielt man einen Globus.

Von dieser Globussegmentkarte existieren weltweit nur noch vier Original-Exemplare und eines davon gehört als dessen wertvollster Besitz dem Offenburger Museum im Ritterhaus. Sie ist nur durch einen Zufall entdeckt worden. Die Bibliothekarin Vera Sack fand den kartografischen Schatz bei Katalogisierungsarbeiten, eingenäht in eine historische Ausgabe der Nikomachischen Ethik von Aristoteles aus dem Jahr 1541.

Das kartografische Kleinod ist nun in einem inszenierten Bibliotheksraum als Mittelpunkt einer größeren Ausstellung mit vielen alten Karten, darunter die ebenfalls von Waldseemüller stammende erste Darstellung des Ober­rheingrabens mitsamt Schwarzwald.

 

Was: Globussegmentkarte von Martin Waldseemüller
Wann: bis 13.10.2019. Di-So 10-17 Uhr
Wo: Museum im Ritterhaus, Ritterstr. 10, 77652 Offenburg
Web: www.museum-offenburg.de