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Kultur | Oktober 2011 | von redaktion

Künstler in der globalisierten Welt

“The Global Contemporary.  Kunstwelten nach 1989”- Ausstellung im ZKM in Karlsruhe

Kunst ist nicht exklusiv Europa und den USA vorbehalten. Auch in Asien und Afrika gibt es längst eine lebendige Szene. In der Ausstellung „The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989“ gibt das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ab morgen einen umfassenden Einblick in das Kunstschaffen rund um den Erdball. Wie das so ist mit den Künstlern in der globalisierten Welt zeigt Matthias Gommel in seiner eigens für diese Ausstellung entworfenen Arbeit. „Untitled (Passage)“ erinnert fatal an die Leitsysteme, in denen man Fluggäste zum Anstehen in langen gewundenen Schlangenlinien zwingt. Reisende Künstler werden vom Anstehen nicht ausgenommen.
Dabei stellen sich Gefühle ein, wie sie auf den Uhren der indischen Künstlergruppe Raqs Media Collective angezeigt werden: statt auf fünf vor zwölf stehen die Zeiger auf Erschöpfung, Angst oder gar Panik. Was am Ende der Reise übrig bleibt, präsentiert Kader Attia. Er klebte bunte Plastiktüten aus aller Welt auf weiße Sockel. Und schon hat der Besucher den Themenbereich „Weltzeit“ passiert und ist in den „Lebenswelten & Bilderwelten“ gelandet. Das ZKM hat die Fülle der 138 ausgewählten Kunstwerke in sieben Themenbereiche gegliedert, die nahtlos ineinander übergehen.
Manche harmlos wirkende Installation verbirgt Abgründe. Der indonesische Künstler Jim Supangkat stellt ein hübsches traditionelles Schlafzimmer aus. Aber warum haben alle Möbel ein Gitter? Auf der Rückseite des Schranks hängt ein Paar weiblicher Füße an Ketten – Symbol für die Unterdrückung von Frauen im patriarchalisch geprägten Indonesien. Der Bereich „Weltkunst“ hat auch sonst wenig mit Ethno oder Folklore zu tun. Christian Jankowski greift das Problem auf, dass in China alles kopiert wird, was sich zu Geld machen lässt. Selbst klassische europäische Kunstwerke werden kopiert, der Ort Dafen in China lebt davon. Passenderweise wird dort gerade ein Museum gebaut. Jankowski fragte die chinesischen Maler, was sie denn gern in diesem Museum sehen würden. In „The China Painters“ sind die Wände des Museums-Rohbaus zu sehen, darauf die perfekte Kopie eines barocken niederländischen Blumenbildes, aber auch großformatig in Gemälde verwandelte Familienfotos und sogar Polit-Propaganda. „An China kann man viel zeigen“, sagt Andrea Buddensieg, Kuratorin der Ausstellung.
Hintersinnige Kunstwerke finden sich auch im Obergeschoss. Die afrikanische Künstlerin Anawana Haloba Hobol hat einen Marktstand aufgebaut. Im Angebot unter anderem philippinische Hausmädchen. Die Künstlerin spricht auf witzige Weise ein ernstes Problem der Globalisierung an, nämlich den Export von billigen Arbeitskräften und Rohstoffen aus den armen Ländern, die auf diese Weise arm bleiben werden.
Dass viele Künstler selbst, ganz globalisiert, zwischen Kontinenten und Kulturen pendeln, verrät der Themenbereich „Lost in Translation. Neue Künstlerbiografien“. Der Blick in den als Zeitung gestalteten Führer durch die Ausstellung sagt dasselbe: nur wenige der 104 ausgestellten Künstler leben noch in ihrem Heimatland. So richtig deutlich macht das eine Arbeit des serbischen Künstlers Mladen Stilinovic. Der Titel ist auch schon der Inhalt: „An artist who cannot speak english ist no artist“. Selbst für Besucher von „The Global Contemporary“ sind Englischkenntnisse von Vorteil.
Vom 17. September bis zum 5. Februar kann man in die „Kunstwelten nach 1989“ im ZKM eintauchen, von Mittwoch bis Sonntag. Im Lauf der Ausstellung wird sie um weitere Kunstwerke ergänzt, die direkt vor Ort geschaffen werden. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Workshops und Perfomances begleitet die Ausstellung.
N.L