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Kultour | November 2018 | von Nike Luber

Im Zentrum der Mumienforschung

„Mumien – Geheimnisse des Lebens“ in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim

Die Mumien sind zurück: Die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim ergründen in der Ausstellung „Mumien – Geheimnisse des Lebens“ mit neuesten wissenschaftlichen Methoden alles, was Mumien über das Leben und Sterben in vergangenen Zeiten verraten.

© rem / Stephanie Zesch

Wissenschaftler bei der Untersuchung einer Mumie aus Südamerika.

Die Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen umfassen zwar auch die bekannten, altägyptischen Mumien. Doch den Anfang machen Dachbodenfunde aus neuerer Zeit: Mumifizierte Eichhörnchen, Vögelchen, Mäuschen, eine Katze, verunfallt oder eines natürlichen Todes gestorben und dank einer trockenen Umgebung bestens erhalten. Ähnliches trifft auf so manche Kloster- und Kirchengruft zu.

Natürlich erhaltene verstorbene Nonnen erzählen vom Klosterleben im 18. Jahrhundert. Wie hoch früher das Risiko war, während oder nach der Geburt eines Kindes zu sterben, macht der mumifizierte Leichnam einer jungen Frau mit ihrem Neugeborenen auf tragische Weise deutlich.

Ältere Funde sind für allerlei Überraschungen gut. 1904 wurden im Bourtanger Moor in den Niederlanden zwei Leichen aus der Eisenzeit gefunden. Liebevoll hält der eine Leichnam den anderen umschlungen, weshalb sie lange als Mann und Frau galten. Neue Untersuchungen verraten: das Paar besteht aus zwei Männern. Wie und weshalb sie starben, bleibt nach wie vor ein Rätsel.

Bei der berühmtesten natürlichen Mumie Europas weiß man mittlerweile vieles, aber nicht alles. „Ötzi“ ist zwar nicht leibhaftig präsent, aber die detailgetreue Darstellung mit interaktiven Elementen vermittelt den Besuchern den aktuellen Forschungsstand: wir wissen, was Ötzi gegessen hat, an welchen Krankheiten er litt, und dass er von einem Pfeil getroffen wurde. Nur die Identität und das Motiv des Täters bleiben im Dunkeln.

Das gilt auch für eine junge Frau aus dem Ägypten der Römerzeit. Nur ihr Kopf blieb erhalten. Unter dem rötlichen Haar fanden die Wissenschaftler eine massive Fraktur, die von einem Schlag mit einem stumpfen Gegenstand herrührt. Mord, eindeutig. Warum und durch wen, werden wir leider nie erfahren.

Viele Schicksale werden dank modernster Technik wie Computertomografie, Biopsie und Endoskopie nachvollziehbar, zum Beispiel das der Mutter, die zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert nach Christus vermutlich im nördlichen Chile gelebt hat und an Parasitenbefall litt. Sie wurde, ebenso wie ihr kleines Kind, auf natürliche Weise mumifiziert. Das zweite Kleinkind auf dem Bauch der Frau ist aber gar nicht ihres, sondern wurde ihr posthum, vermutlich im 19. Jahrhundert, beigelegt.

Moderne Technik macht vieles anschaulich, nicht nur Todesursachen und Krankheiten, sondern auch wie der vor Jahrhunderten gestorbene Mensch aussah. Schritt für Schritt zeigt eine 3D-Animation, wie das Gesicht digital rekonstruiert wird. Überhaupt sind die Einblicke in die Arbeitsweise der Forscher ebenso spannend wie das, was sie herausfinden.

Mannheim ist ein Zentrum der Mumienforschung, seit 2004 bei der Neuordnung der Depots überraschend 19 Mumien wiedergefunden wurden. Seitdem haben Wissenschaftler im „German Mummy Project“ mehr als 100 Mumien aus verschiedenen internationalen Sammlungen untersucht, um mehr über die Lebensumstände in früheren Epochen und anderen Erdteilen zu erfahren.

In der Präsentation sind die Reiss-Engelhorn-Museen sehr darauf bedacht, keine Sensationslust zu befeuern, sondern echtes Interesse an den über 100 Exponaten zu wecken.

Was: Ausstellung: „Mumien – Geheimnisse des Lebens“
Wann: bis 31. März 2019. Di-So 11-18 Uhr
Wo: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Museum Zeughaus C5, C5, 68159 Mannheim
Web: www.rem-mannheim.de