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Musik | November 2018 | von Fabian Lutz

Indie-Rock statt Achterbahn

Das Rolling Stone Park Festival im Europa-Park

The Decemberists, The Flaming Lips oder Element of Crime: Das Rolling Stone Park Festival präsentierte am 16. und 17. November erstmals ein hochkarätiges Konzertprogramm im Europa-Park.

© Promo

Headliner des Rolling Stone Park Festival 2018 im Europa-Park: The Flaming Lips.

Erst einmal ist es eine eigenartige Kombination. Der familienfreundliche Europa Park mit seinen DJ Bobos und Marc Terenzis und ein Indie-Musikfestival. Überhaupt: Ein Musikfestival in einem Freizeitpark?

Tatsächlich ruhen die Fahrgeschäfte an diesem Wochenende. Das Rolling Stone Park Festival, der südliche Gegenentwurf zum Rolling Stone Weekender in Schlesweig Holstein, belegt die Veranstaltungshallen des Parks mit seinen vier Bühnen.

Ein bisschen fremd fühlt es sich aber dennoch an, in den förmlichen bis fantasievollen Räumlichkeiten von Konzert zu Konzert zu tingeln. Aber es geht ja um die Musik und die bringt schließlich die Atmosphäre. Gut, dass so viele spannende Künstler vor Ort waren.

Großes Highlight am späten Abend des 16. November waren natürlich die Flaming Lips, die mit Konfettikanonen, aufblasbaren Riesenrobotern und skurrilen Kostümierungen Breitwandpsychedelik zelebrierten. Das Publikum war begeistert, auch wenn die Musik, etwa mit einem Cover von David Bowies Major Tom, eher brav poppig blieb. Hier ging es vor allem um Charisma und Bühnenpräsenz und davon gab es viel.

Ganz schlicht hingegen, aber nicht minder psychedelisch war Ryley Walker, der am 17. November seine eigensinnige Mischung aus Singer-Songwriter-Melancholie, komplexem Jazz und Psychedelic Rock präsentierte. Vor weit kleinerem Publikum und in ständigem Understatement, aber von vergleichbarer Begeisterung umgeben.

Ein Understatement schienen auch die deutschen Post-Punker von Friends of Gas konstatieren zu wollen. Mit krachenden Gitarren, monotonen Rhythmen und schräger Singstimme ging es tief in düstere Befindlichkeiten. Das Publikum wurde überrollt und der Kontrast zur lieblich-märchenhaften Umgebung eines Freizeitparks geriet umso deutlicher. Das blieb aber nicht immer so.

Nada Surf spielten träumerischen College Rock in bester 90er-Tradition, viel Raum zum Tanzen und Schwelgen. Gleiches galt für Kettcar, die deutschen Befindlichkeitspop in sympathischer Pose und mit großer Videopräsentation auf die Bühne brachten. The Decemberists kamen mit breiter akustischer Instrumentierung und sorgten vor einem dankbaren Publikum für Seemannsflair.

Zwischen Lärm und Freundlichkeit gab es aber auch Raum für Zweifel und Melancholie. Der Polit-Folker Father John Misty nahm seine Sonnenbrille erst gar nicht ab und ließ auch mal ein „Fuck You“ gen Publikum gehen. Vor seiner routiniert theatralischen Performance konnte man wirklich nicht wissen, wo Show und wo Privatmensch waren oder wie viele Father John Mistys es eigentlich überhaupt gab.

Cass McCombs kam mit träumerischen Gitarrenmelodien hingegen ganz nah an die Unsicherheiten des Lebens heran und spottete sogar liebevoll über die pompösen Räumlichkeiten des Europa-Parks.

Schließlich war es eben ein Festival für die Musik und ein solches blieb es auch im großen Freizeitpark. Gut so.