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Theater | Februar 2019 | von Friederike Zimmermann

Gewohnt unerbittlich: Die Immoralisten zeigen „Dorian Gray“ von Oscar Wilde

Narzissmus als Lebensprinzip

„Narzissmus als Lebensprinzip“ überschrieb Manuel Kreitmeier, der Oscar Wildes Roman „Dorian Gray“ adaptiert hat und mit den Immoralisten auf die Bühne bringt, seinen Saaltext. Damit meint der Regisseur nicht etwa die dekadente Gesellschaft des Viktorianismus um 1900, um die es in diesem Stück ja eigentlich geht, sondern uns – die Heutigen.

© Die Immoralisten

Chris Meiser als Dorian Gray.

Kreitmeier geht vor wie einer, der jemanden auf der Straße anrempelt – und am Ende ist es der Angerempelte, der sich bei ihm entschuldigt. Was für ein (Regie-)Talent! Kaum ein Theater unter den freien, das so unerbittlich an der Kante zum Abgrund entlangschrammt wie die Immoralisten und doch immer obenauf bleibt. Das verheißt Tiefe und Oberfläche zugleich: Ein Theater, genau wie man es sich wünscht und wie man es braucht.

Das Stück beginnt mit einem Kunstwerk, dem Bildnis des Dorian Gray besser gesagt. Doch zuvor – also noch vor dem Vorhang, den es ausnahmsweise gibt – erfährt man in einem Prolog, dass es für die Kunst keine moralischen Maßstäbe gebe. Laster und Tugend seien für den Künstler lediglich das Material seiner Kunst. „Den Beschauer und nicht das Leben spiegelt die Kunst in Wahrheit“. Damit mochte sich Wilde im Vorhinein als Autor schützen, zugleich katapultiert er jedoch den „Beschauer“ mit diesem Satz mitten ins Stück; vielmehr in die karge Szenerie eines Fotostudios.

Basil (im Original ein Maler, hier ein Fotograf; feinnervig gespielt von Jochen Kruß) steht vor dem Bildnis, das er vom schönen Jüngling Dorian Gray geschaffen hat (herausragend: Chris Meiser). Er – Künstler und Beschauer zugleich – erkennt, dass er es niemals ausstellen, niemandem zeigen können wird, da es in erster Linie ihn selbst und seine Emotionen ­wi­der­spiegelt. Zu viel verrate es über ihn…

Als Dorian das Bild erblickt, ist er wie vom Donner gerührt. Unter dem Einfluss des skrupellosen Lord Henry – grandios und überaus facettenreich verkörpert von Markus Schlüter – verkauft er schließlich seine Seele, um für immer so jung und schön zu bleiben wie auf dem Bild, das an seiner statt altert und zerfällt. Währenddessen begeht er all jene widerwärtigen Sünden, zu denen der Lord zu feige ist. Dorian selbst wird zur Projektion, sein Bildnis dafür zum Abbild der Realität. Dessen Schöpfer, der Künstler Basil, wird als erster – lange vor Dorian selbst – an diesem Bildnis zugrunde gehen.

Insgesamt bleiben die Immoralisten in der Umsetzung des Stoffes weitgehend abstrakt, was eine tolle Wirkung zeitigt. Dabei sind sie mit den Ein- und Überblendungen des an die Wand geworfenen (photogeshopten) Porträts in Großformat, welches sich dadurch wie in der Romanvorlage laufend zu verändern imstande ist, so technisch wie noch nie.

Die psyche­delisch-interpretative Musik stammt aus der Feder Florian Wetters, direkt erzeugt an einer Art Keyboard. Außer den genannten Akteuren treten auch Christina Beer als Sibyl Vane und Antonio Denscheilmann als deren Bruder James auf – beide gleichsam in ihrer Rolle mitreißend und virtuos. Alles in allem ein wirklich lohnender Theaterabend.

 

Was: Schauspiel “Dorian Gray” nach dem Roman von Oscar Wilde
Wann: bis 30. März, jeweils Do, Fr, Sa um 20 Uhr
Wo: Theater der Immoralisten, Ferdinand-Weiß-Straße 9-11, 79106 Freiburg
Web: www.immoralisten.de