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Musik | Juni 2018 | von Marion Klötzer

Fortsetzung der Revue „Die Frisösen“ auf der Alemannischen Bühne Freiburg

Fetziges Medley auf Alemannisch

„Wir sind die Frisösen, heiß wie die Fritösen!“ schmettert das Team vom Salon Diva und rockt gleich noch ein kerniges „We will cut you“ frei nach Queen hinterher. Friede, Freude, Eierkuchen? Von wegen – die Kacke ist am Dampfen: Mit seinen Monster-Trockenhauben, Stofftapeten und altertümlichen Drehsessels hat der Laden zwar den Charme der 70er, damit aber eindeutig schon bessere Zeiten gesehen.

Das exzentrische Salon-Personal kauderwelscht und trällert in allen möglichen Sprachen. ©Alemannische Bühne

Seit längerem bleibt die Kundschaft aus und das rosafarbene Plüsch-Telefon klingelt zwar im Minutentakt, am anderen Ende aber drohen nur Finanzamt, Badenova und Gerichtsvollzieher. Höchste Zeit für eine konzertierte Rettungsaktion – und um die dreht sich die Fortsetzung der musikalischen Revue „Die Frisösen“, die jetzt unter dem Titel „Le Grand Retour“ in der Freiburger Alemannischen Bühne zu sehen ist.

2015 feierte der erste Teil hier erfolgreich Premiere, jetzt hat Stückeschreiberin, Mundartübersetzerin und Geschäftsführerin Claudia Sütterlin (Buch und Regie) noch einmal nachgelegt und für ihre Frisösen Nachwuchskünstler aus der Musicalszene gewonnen. Mit im Boot ist erstmals auch Mihai Grigoriu als musikalischer Leiter und Pianist; man kennt ihn vom Freiburger Musiktheater „Die Schönen“.

Natürlich sind viele der pfiffigen Dialoge in Alemannisch, das exzentrische Salon-Personal kauderwelscht und trällert aber auch in allen möglichen Sprachen. Ansonsten hat diese musikalische Revue alles, was ein lustiger Abend braucht: eine turbulente Story samt Zickenkrieg, Liebelei und Verwechslungen, schräge Charaktere, witzige Regieideen und tolle Ohrwürmer zwischen Klassik, Rock und Schlager. Vor allem aber ein vor Energie strotzendes Ensemble, das mit komplexen Gesangsarrangements und fantastischen Choreografien (Jenna Benos) beeindruckt.

Natürlich wimmelt es im Salon Diva vor geballten Klischees, die allerdings immer wieder frech gegen den Strich gebürstet werden: Klar, tänzelt der französische Frisör Jean Luc (Lukas Baßler) im Rosenhemdchen herum und ist eine echte Zicke, sein italienischer Konkurrent Luigi (Nico Alesi) dagegen schnulzt sich als heißblütiger Lover mit Macho-Allüren in die Herzen.

Von ihm infiziert ist auch Kollegin Chantal (Jenna Benos), ein schriller Feger mit viel Mutterwitz. Haare auf den Zähnen und das Zepter in den lackierten Fingernägeln hat ihre resolute Chefin (Claudia Sütterlin), die sich ihr Urlaubsmitbringsel Luigi auf keinen Fall ausspannen lassen will. Und weil man sich in solch angespannt finanzieller Lage sein Personal nicht aussuchen kann, zetert und rebelliert die russische Putzfrau (Maria Lelchuk) völlig ungehemmt.

Dann tauchen noch Mauerblümchen Marlies (Michelle Natascha Baumer) und eine echte Operndiva (Melita Miculs) auf. Trotz viel Tohuwabohu rauft man sich zusammen und will sich als singender Haarsalon samt Internetauftritt neu vermarkten. So gibt es jede Menge Songs mit eigenem Text samt Verballhornungen: Da wird aus Leonard Cohens Song ein „Haarleluja“, zu Brahms „Ungarischem Tanz Nr. 5“ gibt es eine urkomische Rasiernummer und Daliah Lavis Schmachtlied „Wann kommst du“ ist auf Alemannisch eine Wucht.

Das Ensemble präsentiert fetzige Medleys mit eigenen Texten, Tango- und Stepptanz-Nummern und vierhändiges Klavierspiel. Beste Unterhaltung! Ein prima Appetizer ist da der Trailer „Frisösen 2“ auf youtube.

Marion Klötzer

Weitere Vorstellungen: 10. Juni; 21./28. Oktober, 4./25. November sowie am 9. Dezember, jeweils 19 Uhr.
Alemannische Bühne, Freiburg. Einlass und Bewirtung ab 17.30 Uhr.
www.alemannische-buehne.de