Straußenführer 2018


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„Ausverkauft“ – Ausstellung von Betty Beier in der Katholischen Akademie

Dokumentation topographischer Umwälzungen

Was charakterisiert Landschaften? Wie werden sie künstlich produziert? Welche Auswirkungen ergeben sich dabei für Mensch und Tier? Solche Fragen beschäftigen Betty Beier und brachten die Künstlerin dazu, Großbaustellen in Berlin und Stuttgart, in Island und China und neuerdings im Amazonasgebiet Brasiliens zu bezeugen.

Der Belo Monte-Staudamm in Brasilien. ©Betty Beier

„Erdschollen-Archiv“ (erdschollen-archiv.de) nennt die 1965 geborene Künstlerin ihr entsprechendes Kunstkonzept. Es umfasst einerseits fotografische Serien, die topographische Umwälzungen dokumentieren und andererseits „Erdschollen“, d.h. bildlich verarbeitete In-Situ-Materialien einer Landschaftsveränderung oder eines Urbanisierungsvorgangs.

Eine „Erdscholle“ von Betty Beier besteht aus mindestens einem Quadratmeter authentischer Bodenfläche, die in Acryl oder Kunstharz dauerhaft fixiert wurde. Am jeweiligen Ort wird zunächst ein Gipsabdruck gefertigt, danach im Atelier ein quadratischer Rahmen erstellt, der Spuren von dort Vorhandenem in sich birgt, von Lehm und Löss, Algen, Blüten, Stengeln, Früchten, Reifenabdrücken, Scherben u.a.. Eine haptisch ansprechende Oberfläche aus divergierenden Elementen kontrastiert ästhetisch mit der geometrisch geordneten Form des Reliefbildes.

Die derzeit in der Katholischen Akademie gezeigte Ausstellung setzt sich mit Vorgängen und technischen Eingriffen im Zuge der Erstellung des Belo Monte-Staudamms im Amazonasgebiet Brasiliens auseinander, die horrende Auswirkungen auf Ackerland, Regenwald und Bevölkerung haben: Dörfer wurden umgesiedelt, riesige Flächen zerstört und der Fluss Xingu aufgestaut. Dabei gingen verschiedene Flussschleifen verloren, womit der indigenen Bevölkerung quasi das Wasser abgegraben und der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, also das Lebensnotwendige.

Betty Beier war vor Ort und legt mit ihren „Erdschollen“ ein Zeugnis dieser Prozesse ab; damit weist sie auf einen Teil unseres Globus hin, der ökologisch und sozial in Gefahr ist, indem er einem rücksichtslosen Ausverkauf unterliegt, der nicht zuletzt unabänderliche Auswirkungen auf den weltweiten Klimawandel hat.

Cornelia Frenkel

Betty Beier. „Ausverkauft“. Erdschollen – Spurensicherung einer Zerstörung im Amazonasgebiet. Katholische Akademie. Wintererstr. 1., Freiburg. Mo-Do 8.30-18.15. Fr. 8.30-15.30 und während Veranstaltungen. Bis 6. Juli 2018