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Kunst | Januar 2020 | von Erich Krieger

Försterhaus in Reute wurde zum Mehrzweck-Kulturzentrum

Gemeinde erwarb historisches Privatanwesen und investierte Millionenbetrag in Umbau

Die 3000-Einwohner Gemeinde Reute im Landkreis Emmendingen besitzt seit kurzem ein veritables Kulturhaus, in dem Kunstgalerie, Museum und Veranstaltungsräume ein breit gefächertes Kulturprogramm mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Kleinkunst, aber auch Festlichkeiten oder Tagungen ermöglicht. All dies kann nach einem umfangreichen Umbau im historischen Försterhaus-Anwesen im Ortskern stattfinden. Das Ensemble ist heute im Besitz der Gemeinde und wird programmatisch vom „Verein Kultur im Försterhaus“ mit Leben erfüllt.

© Erich Krieger

Das Försterhaus in Reute

Die Historie
Mitte des 18. Jahrhunderts siedelte die herrschaftliche Familie derer von Harsch nach dem Brand ihres Schlosses von Reute in ihr zweites Schloss nach Holzhausen über. Der Förster der Adelsfamilie wurde zum Stellvertreter der Herrschaft in Reute ernannt und in dieser Zeit entstand das heute noch erhaltene Fachwerkhaus mit Scheune und firmierte seitdem allgemein unter dem Namen Försterhaus. Anfang des 19. Jahrhunderts ging das Försterhaus mit Scheune in Privatbesitz über. Später, Mitte des 20. Jahrhunderts, wurde noch ein Tabakschopf angebaut. Auch dieser ist heute noch erhalten und zeugt als einzig verbliebenes Relikt von dem in früheren Zeiten emsig betriebenen Tabakanbau auf Reutener Gemarkung.

Die Chance der Gemeinde
2011 wurde das Försterhaus vom Besitzer völlig überraschend der Gemeinde zum Kauf angeboten. Bürgermeister Michael Schlegel berichtet von fieberhafter Eile, mit der im Gemeinderat die klare Entscheidung gefällt wurde, das Anwesen auch unter Inkaufnahme von Risiken zu erwerben und es einem öffentlichen Zweck zuzuführen. Diverse finanzielle Fördermöglichkeiten erleichterten das Votum. Der Architekt Peter Pietsch erstellte eine Machbarkeitsstudie und die Architektin Susanne Pietsch entwickelte zusammen mit einem Arbeitskreis von Bürgerinnen und Bürgern ein Konzept für die Identität, Nutzung und Betrieb des Projekts.

© Erich Krieger

Der Umbau
Eine Architekten-Arbeitsgemeinschaft wurde gebildet und diese verfolgte als oberstes Ziel, unter möglichst weitgehendem Erhalt und teilweiser wieder Sichtbarmachung der historischen Bausubstanz die angestrebte neue Nutzung im Rahmen der heutigen baurechtlichen Vorschriften zu ermöglichen. Dies konnte in einer gewollten und gelungenen Verbindung von betont moderner Bauweise und Materialisierung mit den historischen Gebäudeteilen realisiert werden. Die Bautätigkeiten wurden 2019 abgeschlossen und am 22. September konnte mit einem Festprogramm die Eröffnung gefeiert werden.

Die Konzeption
2015 gründete sich aus dem Arbeitskreis der Bürger der Verein „Kultur im Försterhaus“, der die bisherige konzeptionelle Arbeit weiterführte. Dabei kristallisierten sich drei tragende Säulen heraus: Im Kunstraum, der „Galerie“, wird in wechselnden Ausstellungen vor allem das Werk des bis zu seinem Tode in Reute ansässigen Malers Reiner Strub präsentiert. Sein Nachlass besteht aus mehreren tausend Bildern, Zeichnungen und Collagen von hoher Qualität. Von Zeit zu Zeit werden auch andere Künstler ausgestellt.Das Puppen- und Spielzeugmuseum basiert auf der umfangreichen Sammlung der bis vor kurzem in Reute wohnhaften Hiltrud Münker. Die Sammlerin hat einen bedeutenden Teil ihrer 500 Puppen, 70 Puppenstuben und Kaufläden und vielen Spielzeugen als langfristige Leihgaben zur Verfügung gestellt, die in mehreren Räumen untergebracht sind. Im Tabakschopf, der nicht beheizt werden kann, sind unempfindliche Teile des Bestands des Heimatmuseums in der alten Schule zu sehen, wie landwirtschaftliche Gerätschaften, Beförderungsmittel und eine komplette alte Schuhmacherwerkstatt.
Der Verein mit seinen 90 Mitgliedern organisiert die Ausstellungen und stellt die personelle Betreuung an den Öffnungstagen. Die betriebswirtschaftliche Führung und die Vermietung des Veranstaltungsraums obliegen der Gemeinde.
Försterhaus, Hauptstraße 4, Reute. Öffnungszeiten: Jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat von 12 bis 16 Uhr.
Weitere Infos: www.kultur-im-försterhaus.de

Erich Krieger