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Kunst | Januar 2020 | von Annette Hoffmann

In Freiburg ist die Regionale 20 an vier verschiedenen Orten zu entdecken

Die Region in der Stadt

E-Werk
Man hat die Galerie für Gegenwartskunst noch nicht einmal betreten und schon die erste Arbeit der Regionale gesehen. Es ist eine großformatige Fotografie von Sanna Reitz vor dem E-Werk, die Abgrenzungen in Gärten dokumentiert hat. Es ist eines von zwei Projekten, die anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Regionale in Auftrag gegeben wurden. In der Gemeinschaftsarbeit von Hannah Kindler und Nika Timashkova „Soft Violence in Mimicry. Textile Histories of the Past and the Future“ wird der geografische Raum der Regionale als historischer Wirtschaftsraum betrachtet. In ihm sind Stoffmuster nicht mehr das Eigentum von Regionen, sondern Teil einer globalen Wertschöpfungskette.

© promo

E-Werk – Max Frischknecht “Black White On Off Dead Alive”, 2019

Der zweite Teil der Ausstellung schaut auf die technische Entwicklung der letzten zwanzig Jahre zurück. Neben der beeindruckenden Videoinstallation von Katrin Niedermeier und der Raum- und Soundarbeit „Daemon“ von Andreas Lutz, die sich mit Künstlicher Intelligenz befasst, zeigt die Ausstellung „I and the Machine“, wie gegenwärtige Technologien eine neue Form kinetischer Kunst hervorgebracht haben. So zeigt Lutz im E-Werk auch eine Arbeit, die auf den Signalen von Bildstörungen basiert. Für den Betrachter hat sich die Maschine längst von ihrem Macher verselbstständigt.
Bis 5. Januar 2020.

Kunstverein Freiburg
Dass Außerirdische im Kunstverein Freiburg die Botschaften von Anina Müllers „Pioneer Plaques“ lesen werden, ist in etwa so wahrscheinlich wie dass sich diese über die Piktogramme Gedanken gemacht haben, die 1972 mit der Pioneer ins All geschickt wurden. Was heißt schon Außerirdische und würden diese wirklich Fragen nach Selbstsucht und anderen Befindlichkeiten beantworten wollen? Die Regionale im Kunstverein Freiburg „The Sun to come“ jedenfalls hat eine Welt im Blick, der das Irdische manchmal zu wenig ist. Der Titel leitet sich von einer Arbeit der 1993 geborenen französischen Künstlerin Anouk Moyaux ab, die in ihrem Video ein altes Hippie-Paar beobachtet, das in Florida die perfekte Lebensumgebung gefunden hat. In mehreren Stufen scheint sich der Alltag der beiden auf eine bevorstehende Sonnenfinsternis auszurichten. Doch vielleicht setzt auch nur die
Aufbrüche, denen ja oft etwas Utopisches innewohnt, thematisieren viele der neun künstlerischen Positionen dieser Regionale. Auf der Galerie oben sind Dorothee Hase und Pablo Zinser in ihrer Videoarbeit „Der Fuchs im Bau“ rückwärtsgewandten Tendenzen in der Gesellschaft nachgegangen und haben Kommentare von Jägern oder Preppern mit Bildern von Eigenheimen und Gärten mit viel Nippes gegenübergestellt. Über alles jedoch legt sich Mirjam Plattners Raumarbeit „Drehung“, die als dunkle Wolke für eine eigentümliche Lichtatmosphäre sorgt.
Bis 5. Januar 2020.

Kunsthaus L6
Das Konzept der Regionale „Lokale 01“ im Kunsthaus L6 erinnert ein bisschen an das der Sammlung Grässlin, die sich in St. Georgen im Schwarzwald Ladengeschäfte zunutze gemacht hat. Nur, Zähringen ist nicht St. Georgen. Die Kunst mag hier immer noch ein bisschen fremd sein und sich in die Mitte der Stadt wünschen, doch Zähringen ist ein funktionierender Stadtteil. Leer stehende Geschäfte sucht man hier glücklicherweise vergebens. Ausgestattet mit einer Karte, die man sich im Kunsthaus L6 abholen kann, ist man für eine Entdeckungstour dies- und jenseits der Zähringer Straße bereit. Ziemlich viele Restaurants und Imbisse sind unter den Orten, die temporär Kunst aufgenommen haben. So ist eine Arbeit von Nils Weiligmann in einer Pizzeria zu entdecken, während auf der Vernissage Yanik Miro Septet & Samuel Tiere vertont haben. Man kann sich den Eindruck jedoch nicht erwehren, dass jeder, der hier Kunst zufällig entdeckt, es besser hat, als derjenige, der sie sucht. So ganz geht das Konzept nicht auf. Zurück in der Garage im Hinterhof des L6 versteht man angesichts der Schwarzweiß-Aufnahmen von Jonathan Mink das Konzept als eine Art inszenierte Authentizität. Am 7. Dezember und 4. Januar bieten die Kuratoren Kriz Olbricht und Jacob Ott jeweils um 17 Uhr Führungen mit anschließendem Kneipenabend an.
Bis 5. Januar 2020.
www.regionale.org

Annette Hoffmann