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Kids | November 2018 | von Friederike Zimmermann

Es ist bereits kurz vor Zwölf

Familienausstellung „Mensch Biene!“ im Freiburger Museum Natur und Mensch

Für viele bereits ausgestorbene Bienenarten kommt die Öffentlichkeit für das (Wild-) Bienensterben schon zu spät. Die Familienausstellung „Mensch Biene!“ widmet sich dem ernsten Thema auf liebevolle und lehrreiche Weise.

© Städtische Museen Freiburg, Marco Sepulveda

Geschäftiges Treiben: Das Leben der Bienen ist streng durchorganisiert.

Wie ein großes Stofftier sitzt sie da und taucht ihren Rüssel in einen flüssigen Klecks ‚irgendwas’. Wunderschön ist sie, die Honigbiene. Mit einem richtigen Pelz um die Beine und den Oberkörper, den man am liebsten streicheln möchte. Ja, Ausstellungsvermittlung wird heute großgeschrieben – diese Biene sticht einem beim Betreten dieser Ausstellung sofort ins Auge. Wenn auch nur visuell, denn hierbei handelt es sich um eine große Nachbildung, die hinter Glas in einer gelben Holzwabe sitzt.

Jeder kennt die Geschichte von den Bienchen und den Blümchen. Doch die wenigsten wissen über ihren beträchtlichen Einfluss auf das Leben der Menschen Bescheid. Manche allerdings schon längst und trotzdem haben sie es soweit kommen lassen. Nun bedroht das große Bienensterben auch unser Leben. Schon Albert Einstein sagte 1949: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Im Grunde ist das also harter Tobak, mit dem sich diese Ausstellung hier befasst. Doch tut sie es auf derart liebe- und fantasievolle Weise, dass der Besuch eine reine Freude ist. Und man lernt eine ganze Menge dabei. Zum Beispiel über die ethnologischen Gebräuche rund um die Honigerzeugung und Bienenhaltung von der Antike bis heute.

Und natürlich gibt es hier auch echte Bienen. „Vorsichtig öffnen!“ steht auf einem Holzkasten, der an ein schmales Nachttischchen erinnert. Darin wuselt es hinter Glas – ein überaus geschäftiges Treiben. Welches genau, ist den ansprechend gestalteten und akribisch recherchierten Texttafeln zu entnehmen.

Demnach ist das Bienenleben streng durchorganisiert, verschiedene Funktionen werden von der Königin über die Arbeiterin, Hebamme usw. bis hin zur Drohne übernommen. Unwillkürlich fragt man sich: Haben die auch ein bisschen Spaß im Leben? Doch. Bestimmt genießen sie es, wenn ihnen die Sonne auf den Pelz brennt oder sie in den Duftkreis einer Blume geraten. Eines aber ist sicher: Der Mensch, will heißen, die Landwirtschaft macht ihnen das Leben ganz schön zur Hölle.
Sogar aus der Perspektive der Bienen vermag diese Ausstellung zu vermitteln.

Etwa nach welchen Kriterien sie Pollen sammeln, welche nicht und warum. Und natürlich geht es viel um die Absurdität der intensiven Landwirtschaft mit ihren Umweltgiften, verschiedene Bienenarten und ihre Feinde. Schade, dass der Mensch erst dann Interesse für diese unsere Zeitgenossen zeigt, wenn es schon kurz vor Zwölf ist.

Für etliche Arten, die bereits ausgestorben sind, kommt die zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit bereits zu spät. Auf dem Boden des Raumes tanzt eine Biene per Projektion einen Bienentanz. Was sie uns wohl sagen will?

Was: Familienausstellung „Mensch Biene!“
Wann: bis 10. Februar 2019. Di-So, 10-15 Uhr. Sonderregelungen an Feiertagen
Wo: Museum Natur und Mensch, Gerberau 32, 79098 Freiburg
Web: www.freiburg.de