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Elisabeth-Schneider-Stiftung zeigt Fotografien von Amin El Dib

Intimität des Augenblicks

Hoch ragen die Grashalme bis zur Bildmitte auf, ein Trampelpfad führt aus der Schattenzone heraus ins Licht. Wohin das Auge auch blickt: Wiese, mit gelben Einsprengseln von Blumen malerisch durchsetzt. Es ist ein stimmungsvoller Mikrokosmos, der sich in der Ausstellung von Amin El Dib in der Elisabeth-Schneider-Stiftung  auftut. Für einen Moment glaubt man sich mit der Natur eins.

Amin El Dib: Fotografie aus der Serie „Under Skies of Blue And Grey“

Es ist die erste Ausstellung des in der Schweiz lebenden Künstlers Amin El Dib in Freiburg mit Farbfotografien aus seiner großen Serie „Under Skies of Blue and Grey“ (2007-2014), allesamt aufgenommen in der Umgegend seiner Heimat Basel. Kuratiert wurde die Schau von Susanne Meier-Faust, die längst zur Fachfrau für Fotokunst avancierte.

Was hier zu sehen ist, sind Landschaftsausschnitte, die sich zuweilen auf nur wenigen Metern vor der Kameralinse ausbreiten. Der in der Nahsicht festgehaltene Bildsektor – sei es auf einen Baumwurzel-Wall oder auf einen gerölligen Gelände-Abrutsch – birgt zwangsläufig eine gewisse Intimität; der scheinbar unscheinbare, visuelle Moment wird zum privaten Erlebnis. Nahezu überall finden sich Zeichen der Zivilisation: Ob ein Absperrband, eine blaue Schnur, ein Zaun, ein Gerüst oder die Mauer einer Hütte am Bildrand. Ja, auch die (vermeintliche) Natur, wie wir sie vor uns sehen, ist Kultur und von der Zivilisation gestaltet. Die unberührte Natur ist hier jedenfalls nicht das Thema. „Landschaft entsteht durch den betrachtenden und dabei deutenden Blick, der Landschaft nur als kulturell definiert wahrnehmen kann“, erläuterte die Kuratorin bei ihrer Einführung treffend.

Manchmal hat auch Naturgewalt das Bild dramatisch inszeniert. Etwa indem sie zersplitterte Bäume eindrucksvoll in Szene setzte. Oder wo sich dunkles Laub mit hellen Lichteinsprengseln über zwei überkreuzten Wiesenpfaden förmlich zu ergießen scheint. Horizontale Licht- und Schattenfelder verleihen den Aufnahmen abstrakte Elemente und spielen damit stark ins Malerische. Dies ist großenteils der Piezo-Pigmentdruck-Technik geschuldet, einer Digitaldrucktechnik, die randscharfe Linien und Kanten generiert, zugleich aber auch zarte Hell-Dunkel-Übergänge ermöglicht. Dabei mag es beim Betrachten der Details dieser tiefenscharfen Bilder fast scheinen, als trage man eine Brille auf der Nase, die sich nicht mehr absetzen lässt. Ein flirrendes Augenmanöver zwischen Nähe und Distanz mit zum Teil irritierender Wirkung.

Sämtliche Bilder erscheinen wie Zufallsinszenierungen, manchmal zeigt sich die Landschaft auch wie auf einer erleuchteten Bühne; das hat fast schon mystischen Charakter. Überaus eindrücklich prägte sich ein Bild ein, auf dem ein zerstückelter Baumstamm seine blutroten Anschnitte gen Betrachter richtet. Inmitten mehrerer Kreise aus Schneespuren, die der Traktor in die Erde gezeichnet hat, liegt er da wie hingestreckt. Hier erscheint der Verweis auf das ‚Opferritual’ fast evident, keine zufällige Assoziation. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Gerade hierin liegt der besondere Reiz dieser Bilder: Man weiß es nicht.

Noch bis 21. September, Elisabeth-Schneider-Stiftung, Wilhelmstraße 17 A, Freiburg, geöffnet Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr. ; 12. Juli, 18.30 Uhr Künstlergespräch.

Friederike Zimmermann