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Theater | März 2019 | von Georg Rudiger

Die Straßburger Oper zeigt Giovanni Legrenzis Oper „La Divisione del Mondo“

Es menschelt bei den Göttern

Geschacher um Kompetenzen gibt es nicht nur in Politik und Wirtschaft, sondern auch bei den Göttern. Davon erzählt Giovanni Legrenzis Barockoper „La Divisione del Mondo“ (Die Teilung der Welt), die an der Straßburger Oper Premiere feierte und nun in Colmar und Mulhouse zu sehen ist.

© Klara Beck

Szene aus “La Divisione del Mondo” an der Straßburger Rheinoper.

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Jupiter hat gerade die Titanen besiegt und fordert seine Brüder Neptun und Pluto auf, ihren Vater Saturn zu befreien. Venus verdreht nicht nur Mars den Kopf, sondern wird auch von Jupiter angebaggert, was seine Gattin Juno zur Weißglut bringt. Außerdem sind Neptun und Pluto Venus verfallen, was die schüchterne, in Pluto verliebte Cintia unglücklich macht. Der steife Apollo wehrt sich letztendlich erfolgreich gegenüber den Annäherungsversuchen der draufgängerischen Venus.

„La Divisione de Mondo“ (Die Teilung der Welt) von Giovanni Legrenzi heißt die frühe Barockoper, die Thomas Hengelbrock bei den Schwetzinger Festspielen im Jahr 2000 mit seinem Balthasar Neumann Ensemble ausgegraben hatte. An der Straßburger Oper sitzt das französische Orchester Les Talens Lyriques unter Christope Rousset im Orchestergraben und bietet allein schon in der Continuogruppe mit drei Theorben, einer Barockharfe und zwei Cembali einen musikalischen Reichtum, der beglückt.

Die vielen Rezitative werden auf immer neue Weise begleitet, unterschiedlich gefärbt und emotionalisiert. Aus der verworrenen und handlungsarmen Geschichte macht die Regisseurin Jetske Mijnssen eine einzige große Beziehungskiste, die unterhält, aber auch in einigen Momenten tiefer geht, wenn die Verletzungen der Figuren spürbar werden. Es menschelt sehr in diesem Götterclan, den Bühnenbildner Herbert Murauer in einer feudalen Villa platziert. Obwohl die Regisseurin die Charaktere zuspitzt und auch karikiert, wird es an diesem leichten, humorvollen Abend nie zu platt, zumal Dirigent Christophe Rousset gerade auch die tragischen Momente auskostet.

Mit blauem Anzug, gegeltem Haar und etwas zu viel Vibrato in der Stimme ist Carlo Allemano als Jupiter ein sich immer noch jung fühlendes Familienoberhaupt, dessen bessere Zeiten schon lange vorbei sind (Kostüme: Julia Katharina Berndt). Aus Neptun (mit hellem Tenor: Stuart Jackson) und Pluto (mit markantem Bariton: André Morsch) macht die Regie ein echtes Nerd-Brüderpaar mit Zauselbart und altbackenen Klamotten.

Und wenn Neptun zum Rendezvous mit Cintia (glockenhell: Soraya Mafi) einen Goldfisch im Wasserglas mitbringt, ist das eines der vielen charmanten Regie-Details an diesem Abend. Der als noch rüstiger Rentner gezeichnete Saturn (Arnaud Richard) hat auch seine stumme Gattin dabei, die im Rollstuhl sitzt und raucht – Komik und Tragik halten sich die Balance.

Auch die drei Countertenöre Jake Arditti (Apollo), Rupert Enticknap (Merkur) und Mars (Christopher Lowrey) bestechen nicht nur musikalisch, sondern bieten auch darstellerisch eine große Bandbreite an – zwischen zügelloser Leidenschaft, gelangweilter Coolness und verklemmter Intellektualität. Amor (Ada Elodie Tuca) und Discordia (Alberto Miguélez Rouco) sind Zwillinge in Schuluniformen, die für noch mehr Verwirrung sorgen.

Im Mittelpunkt des Treibens steht Sophie Junker als von allen begehrte Venus. Die belgische Sopranistin ergreift jede Chance zum Espressivo und sorgt gemeinsam mit den wunderbar begleitenden Les Talens Lyriques für Ruhepunkte, die berühren. Am Ende zieht Jupiter Amor und Discordia an den Ohren und teilt die Welt zwischen den Brüdern auf: Neptun bekommt das Meer und Pluto die Unterwelt. Und auch die richtigen Paare finden zu einander. Nur der Göttervater muss schauen, wie seine Ehe mit seinem eifersüchtigen Luxusweibchen Juno (Julie Boulianne) noch zu retten ist.

Was: Oper „La Divisione del Mondo“ von Giovanni Legrenzi
Wann: Mulhouse: 1. März., 20 Uhr; 3. März, 15 Uhr; Colmar: 9. März, 20 Uhr
Wo: Théâtre de la Sinne, 39 Rue de la Sinne, 68100 Mulhouse / Théâtre municipal de Colmar, 3 Rue des Unterlinden, 68000 Colmar
Web: www.operanationaldurhin.eu