Der weiblichen Kunst eigene Räume geben: Frauenmuseen in Deutschland

Seit über hundert Jahren wird am 8. März der Internationale Frauentag gefeiert. Zu den üblichen Demonstrationen und Empfängen wird es in diesem Jahr nicht kommen. Stattdessen gibt es in vielen Städten und Gemeinden Online-Angebote zu Themen wie „gleiche Bezahlung“, „Mädchen stärken“, „Migrantinnen-Schicksale“ und „Frauen in Führungspositionen“ (Instagram: @kulturjoker für Veranstaltungstipps). Alles noch immer aktuelle Themen, obwohl sich in Sachen Gleichberechtigung zum Glück schon viel verändert hat.
Auch in der Kunst herrscht keine Gleichheit zwischen den Geschlechtern. Der Kunstmarkt boomt, die bestgehandelten Kunstwerke sind von Männern. Aus diesem Grund haben sich vor vierzig Jahren die ersten Frauenmuseen gegründet. Man wollte Abhilfe schaffen und der weiblichen Kunst eigene Räume zur freien Entfaltung geben. Wikipedia listet allein in Deutschland sieben Frauenmuseen auf. In Berlin, das als einziges Bundesland den 8. März vor zwei Jahren zum gesetzlichen Feiertag erklärte, gibt es sogar zwei. Die Frauenmuseen sind fast immer auf Vereinsbasis organisiert, zwar unterstützt von Stadt oder Land, dennoch mit sogeringem Etat, dass sie angewiesen sind auf Ehrenamt und Geldakquise. Da können keine großen Sprünge gemacht werden.
Als 1981 in Bonn das erste Frauenmuseum gegründet wurde, wollte man hier Künstlerinnen zeigen, die bisher kaum Ausstellungsmöglichkeiten hatten. Sie sollten sichtbar werden und sich die Tür zum Kunstmarkt öffnen. Auch der renommierte Gabriele-Münter-Preis ist aus einer Initiative des Bonner Museums hervorgegangen. Er ist der erste Kunstpreis für Künstlerinnen, die älter sind als vierzig Jahre. Das war und ist ein kulturpolitisches Zeichen. Zu den Preisträgerinnen gehören Valie Export, Rune Mields, Cornelia Schleime und Ulrike Rosenbach. Weitere Museumsgründungen folgten in Wiesbaden, Berlin, Bremen und in Fürth. Meist geht es darum, die Lebenswelten und Lebensbedingungen von Frauen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vorzustellen. Entsprechend ausgerichtet ist die Sammlung des Frauenmuseums in Wiesbaden. Angefangen bei antiken Frauen- und Göttinnen-Figuren aus aller Welt wird der Bogen geschlagen zu Objekten der Alltags- und Stadtgeschichte und weiter zu Dokumenten der neueren Frauenbewegung. Im Januar 2020 wurde das Museum von der hessischen Kunst- und Kulturministerin ausgezeichnet und gelobt für das unermüdliche Engagement, damit gerade die kulturhistorischen Errungenschaften von Frauen nicht vergessen werden.
Anerkennung verdient auch das „Verborgene Museum“ in Berlin. Versteckt liegt es in einem ruhigen Charlottenburger Hinterhof und widmet sich seit vierzig Jahren Künstlerinnen, die in Vergessenheit geraten sind. Gerade die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geborene Generation wurde durch die NS-Diktatur auf ganzer Linie ausgebremst. Viele Künstlerinnen mussten emigrieren und ihre Ambitionen aufgeben. Wenn es um’s nackte Überleben geht, bleibt die Kunst auf der Strecke. Nach dem Krieg konnten die Künstlerinnen sehr häufig nicht mehr an die Vorkriegsära anknüpfen und gerieten in Vergessenheit. Das „Verborgene Museum“ konnte annähernd hundert Lebenswerke ausgegraben und zeigen. Zu den aus der Versenkung Hervorgeholten gehören Fotografinnen wie Lotte Jacobi, Marianne Breslauer, Gisèle Freund oder Ré Soupault. Auch die mittlerweile wie ein Phoenix aus der Asche aufgestiegene, unter den Nazis ins schwedische Exil geflohene, Malerin Lotte Laserstein, die vor zwei Jahren groß im Frankfurter Städel-Museum zu sehen war, wurde hier, in den kleinen Räumen im Hinterhof, 2003 mit einer Ausstellung gewürdigt.
Frauenmuseen sind keine verstaubten Einrichtungen, sie haben auch heute noch ihre Funktion. Seit 2008 gibt es den Internationalen Verein der Frauenmuseen (IAWM / International Association of Women’s Museums). Die Koordinierungsstelle ist das „Museo delle Donne“ in Meran und die Schirmherrin des Vereins ist die iranische Friedensnobelpreisträgerin und ehemalige Richterin Shirin Ebadi.  Auch dieses Jahr finden unter Corona Auflagen Veranstaltungen statt. Das Motto der Vereinten Nationen für diesen Tag lautet: „Women in leadership. Achieving an equal future in an Covid 19 world“.

Bildquellen

  • Portrait Valie Export: © Lukas Beck