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Der neue Intendant Benedikt von Peter mit einem düsteren „Saint François d‘Assise“ am Theater Basel

Olivier Messiaens einzige Oper „Saint François d‘Assise“ verfolgt laut Komponist nur das Ziel, „die fortschreitenden Stadien der Gnade in der Seele des heiligen Franziskus zu schildern. Alles, was keine Farben, keine Wunder, keine Vögel, keine Frömmigkeit und keinen Glauben enthielt, habe ich ausgespart.“ Am Theater Basel gibt es keine Farben, keine Wunder, keine Vögel, keine Frömmigkeit und keinen Glauben. Der neue Intendant Benedikt von Peter hat die Geschichte vom Italien des 13. Jahrhunderts in eine düstere Zukunft verlegt. Márton Ághs Bühnenbild umfasst den gesamten Theaterraum. Drei Strommasten mit schlaffen Kabeln sind Relikte der Zivilisation. Eine Supermarkt-Baracke und zerfetzte Plakatwände erinnern an vergangene Normalität. Alles ist kaputt und unbehaust. Selbst die Vögel, von denen so viele in der Partitur zu hören sind, haben nicht überlebt, sondern müssen von Franziskus aus Papier gefaltet werden. Einige Sitze sind im Parkett herausgerissen, viele Bereiche mit Flatterband abgesperrt. Die Isolation des Publikums, die bereits Bestandteil der vor zwei Jahren konzipierten Bühnenkonzeption war, hat durch die coronabedingten Auflagen eine neue Bedeutung erhalten. Szenisch musste deshalb gar nichts verändert werden. Nur das Orchester wurde auf ein Drittel der Besetzung reduziert. Diese reduzierte Orchesterfassung fertigte der argentinische Komponist Oscar Strasnoy innerhalb weniger Monate an, indem er gerade bei den Bläsern die Zahl der Instrumente minimierte und beispielsweise statt sieben Flöten und Klarinetten jeweils nur zwei verwendete. Die instrumentalen Farben dagegen blieben weitgehend unverändert, so dass das auf der Bühne postierte Sinfonieorchester Basel unter der präzisen Leitung von Clemens Heil dem vielschichtigen Messiaenschen Klangkosmos sensibel nachspüren konnte. Die inklusive Pause knapp vierstündige Schweizer Erstaufführung des Werkes wird so auch zur Uraufführung der reduzierten Orchesterfassung.
Die Streicher entfalten trotz ihrer kleinen Besetzung seidigen Glanz. Die Blechbläser verlieren nichts von ihrer Schärfe. Der ständige Wechsel zwischen weichen, lyrischen und nervösen, scharf akzentuierten Passagen gelingt kontrastreich. Regisseur Benedikt von Peter bricht die allmähliche innere Erleuchtung des heiligen Franziskus auf eine freudlose und spannungsarme Geschichte im Obdachlosenmilieu herunter. Selbst der Engel, den Messiaen musikalisch entrückt, kocht sich seine Tomatensuppe auf dem Gaskocher. Zumindest musikalisch kann Alfheiour Erla Guomundsdóttir mit ihrem schlackenlosen Sopran und dem wunderbaren Legato ein wenig Licht verbreiten. Nathan Berg ist als heiliger Franziskus in seinem blutgetränkten Oberteil (Kostüme: Márton Ágh) ein echter Schmerzensmann, dem jedes Lachen aus dem schmutzigen Gesicht verschwunden ist. Von Peter erzählt an der Hauptfigur eine Geschichte des Niedergangs, bis Franziskus am Ende im Müll verreckt. Die Wärme, die die Regie negiert, liegt in Bergs Stimme, wenn er etwa im sechsten Bild die im Orchester gespielten Vogelstimmen beschwört. Die finale Erlösung findet nur in der Musik statt durch das vom unsichtbaren, in der Galerie des Theaterturms aufgestellten Basler Opernchors (Chorleitung: Michael Clark) intonierte Halleluja. Die Mönche sind in Benedikt von Peters Inszenierung heruntergekommene Saufbrüder, die ihre Zeit totschlagen, Dosenbier trinken und zusammen abhängen. Am Ende ist Franziskus tot. Und die Welt bleibt so trostlos, wie sie war.
Weitere Infos: www.theater-basel.ch

Bildquellen

  • Nathan Berg in Saint François d’Assise: ® Ingo Hoehn