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Theater | April 2019 | von Marion Klötzer

Das Theater Harrys Depot zeigt „Großstadtgeschichten“ nach Woody Allen

Geistreiche Mixtur aus Komik und Tragik

Zwei Eintakter von Woody Allen verknüpft Regisseur und Schauspieler Martin Mayer unter dem Titel “Großstadtgeschichten” zu einem unterhaltsamen Theaterabend – absurde Situationskomik und schillernde Schauspielkunst inklusive.

© Theater Harrys Depot

Die Schauspieler Dominik Berberich und Max Färber.

Auf der Bühne des Theaters Harrys Depot in der Spechtpassage steht nichts als eine Parkbank vor einem Prospekt mit stilisierter Skyline. Hier sitzt ein Mann und wartet sichtlich nervös, er ist ein erfolgreicher Drehbuchautor, Vater von Zwillingen und Ehebrecher in Not. All das wird das Publikum aber erst nach und nach erfahren. Deutlich abgerissener, mit Mantel, Karohemd und Mütze, ist der Typ, der sich nun zu ihm gesellt: „Nasser Tag heute“, so beginnt er eine Konversation und plaudert hartnäckig weiter über das Wetter, während Mann Eins zunehmend genervt auf diesen aufdringlichen Fremden reagiert. Ganz offensichtlich ist das Ganze eine Alltagssituation, aus der sich gerade eine Zufallsbekanntschaft entwickelt – aber nicht so bei Woody Allen.

Zwei seiner Einakter inszeniert Regisseur und Schauspieler Martin Mayer jetzt mit Dominik Berberich und Max Färber. Es ist Mayers erste Regiearbeit für Barbara Zimmermanns Ensemble „Harry, hol schon mal den Wagen“, mit dem er seit Jahren auf der Bühne steht. Dabei verknüpft er „Riverside Drive“ und das sehr viel kürzere Stück „Der Tod klopft“ unter dem Titel „Großstadtgeschichten“ zu einem schwarzhumorigen, spritzigen Theaterabend.

Dank pointierter Dialoge, absurder Situationskomik und schillernder Schauspielkunst gibt es von Anfang an viel zu lachen: Mit breitem Grinsen outet sich der Fremde (Max Färber) erst als Stalker, dann als unberechenbarer und gemeingefährlicher Psychopath, um schließlich seine Dienste als Auftragskiller anzubieten. Rasant und mit vielen Überraschungen entwickelt sich so ein ganzes Gespinst existentieller Probleme, bei dem sich die Machtverhältnisse minütlich ändern und die Story sich spannungsreich Stück für Stück zusammen puzzelt: Der arbeitslose Literaturwissenschaftler Fred beschattet Jim (Dominik Berberich) nämlich seit Monaten und behauptet, dieser hätte nicht nur seine Idee, sondern sein ganzes Leben für dessen erfolgreichen Film „The Journey“ geklaut.

Jetzt will Fred Tantiemen, Jims Schreibpartner werden und überhaupt ein Stück vom Kuchen. Dass er dazu noch Botschaften von der Spitze des Empire State Buildings empfängt und vielleicht schon mehrere Morde auf dem Gewissen hat, macht die Sache noch grotesker. Sätze wie „Meine DNA leuchtet im Dunkeln!“ meint der größenwahnsinnige Spinner ernst. Autor begegnet seiner eigenen, abgründigen Figur – das ist ein Albtraum, der hier in einer geistreichen Mixtur aus Komik und Tragik leichtfüßig auf die Bühne kommt. Genauso wie das gleich im Anschluss gespielte Stück „Der Tod klopft“, bei dem jener Jim noch einmal auf den durchgeknallten Fred trifft.

Doch dieses Mal ist Letzterer der Tod, der bei seiner Klettertour an der Regenrinne im Efeu hängengeblieben ist und nun mit eingerissenem Cape und verletztem Bein erst einmal ein Glas Wasser braucht. Ein Trottel, mit dem Jim nun um sein Leben Karten spielt. Sehenswert!

 

Was: Schauspiel „Großstadtgeschichten“ nach Woody Allen
Wann: bis 28. April
Wo: Theater Harrys Depot, Spechtpassage, Wilhelmstraße 15/2, 79098 Freiburg
Web: www.ensemble-harry.de