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Kunst | April 2019 | von Friederike Zimmermann

Konkrete Kunst hoch drei: „Max Bill, Jakob Bill, David Bill” in der Kunsthalle Messmer

Für das Geistige in der Konkreten Kunst

„Drei Generationen im Vergleich“, lautet der Untertitel der Ausstellung, die die Kunsthalle Messmer in Riegel anlässlich des 100. Bauhaus-Jubiläums den Schweizer Künstlern Max, Jakob und David Bill widmet. Mit dem Bauhaus indes hatte nur Großvater Max direkte Berührung. Seinen künstlerischen Fortgang sollte es nachhaltig prägen.

© Steven van Veen

David Bill: „Komposition Nr. 56, 2010“.

Max Bill wurde zum Pionier der Konkreten Kunst. Hierbei trieb ihn stets das Ziel, „Gegenstände für den geistigen Gebrauch zu entwickeln, ähnlich wie der Mensch sich Gegenstände schafft für den materiellen Gebrauch“. Diese intellektuelle Schaffenslust kam fast schon einem „Hunger“ nach dem Konkreten gleich. Und diesen, so scheint es, verspürten auch die beiden nachfolgenden Bills – Sohn Jakob und Enkel David –, die dieses Mahl durch je einen weiteren Gang zu garnieren verstanden.

Für Max Bill (1908-1994) war es das strukturierte Denken, das es ermöglicht, „Gefühlswerte in einer Weise zu ordnen, dass daraus Kunstwerke entstehen.“ Um dieses Geistige im Konkreten auch dem Betrachter verständlich zu machen, verfasste er Kunstschriften. Denkenderweise er­schließe sich die Bildidee ganz von selbst, heißt es da unter anderem. Ein zweifellos demokratischer Aspekt dieser Kunstrichtung: Kunst für alle, zusammen­geschrumpft auf einen allgemeingültigen Nenner, der mittels Logik jedem zugänglich ist; ohne Interpretationsspielraum oder vage Erklärungen, die dem einen vielleicht einleuchten mögen, dem anderen aber den Weg verbauen.

Jakob Bill (*1942), Sohn von Max und Binia Bill, wuchs in deren von Künstlern aller Sparten reich frequentierten Atelierhaus in Höngg (CH) auf. So war für ihn das „Künstler(da)sein“ seit jeher die größte Selbstverständlichkeit der Welt. Ebenso natürlich schien es ihm, selbst (konkreter) Künstler zu werden. Doch führte er das väterliche Erbe auf seine ihm eigene Art fort. „Ich glaube, ich habe mit meiner Malerei etwas gefunden, das diese Tradition würdig fortführt und die Menschen ganz allgemein anzusprechen vermag, nicht nur die Spezialisten.“ Er vereinfachte die Form, reicherte seine Werke aber zugleich durch – über die Norm der Konkreten Kunst hinausweisende – Farbverläufe an. Dadurch erreichte er eine Akzent­verschiebung vom Rationalen hin zur Emotion. Das Werk erklärt sich dadurch unmittelbarer, intuitiver.

David Bill (1976-2018) wiederum – Enkel von Max bzw. Sohn von Jakob Bill – sieht die „Weiterentwicklung meines Werkes darin, dass ich die Thematiken der Konkreten, Kinetischen und Konstruktiven mische. Durch die Kenntnis dieser Thematiken bleibt mir die Möglichkeit, weg von der Fläche in den Raum zu greifen.“ Die (farbliche) Reduktion des (zuvor erweiterten) väterlichen Erbes einerseits und die Ausdehnung in den Raum andererseits vollzog auch er – wie schon der Großvater – einzig und allein, wie er es nannte, „für den Geist“. Der Kreis schließt sich so auf wundersame Weise – und ermöglichte dem Enkel dennoch seine ganz eigene Bildsprache, wie schon dem Vater und dem Großvater.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog mit großartigen Texten von Katrin Heidt.

 

Was: Ausstellung: 100 Jahre Bauhaus:
Wann: bis 14. Juni 2019, Di-So 10-17 Uhr
Wo: Kunsthalle Messmer, Großherzog-Leopold-Platz 1, 79359 Riegel
Web: www.kunsthallemessmer.de