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Kunst | September 2019 | von Cornelia Frenkel

Das Augustinermuseum Freiburg erzählt “Schwarzwald-Geschichten”

Und ewig lockt der schwarze Wald

Unter dem Titel „Schwarzwald-Geschichten. #blackforeststories“ zeigt das Freiburger Augustinermuseum Schwarzwald-Gemälde aus dem 19. und 20. Jahrhundert, etwa von Hans Thoma, Franz Xaver Winterhalter oder Hermann Goebel. Eine digitale Brücke in die Gegenwart schlägt das Museum dabei auch: mit Instagram.

© Axel Kilian

Wilhelm Hasemann: Schwarzwaldhaus, ca. 1900.

Die siebzig Gemälde aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die derzeit im Augustinermuseum gezeigt werden, befassen sich mit Landschaft, Porträt, Gesellschaft und beziehen sich oft auf die Atmosphäre der Jahreszeiten, die im Schwarzwald prägnant, ja dramatisch ausfallen können, verschneite Wälder, blumenübersäte Frühlings- und Sommerwiesen, stürmische Herbsttage, regennasse Felder. Die einzelnen Ausstellungsräume beziehen sich darauf mit Überschriften, etwa „Weitblick und Panorama“, „Düsternis und Melancholie“ oder „Alltag und Arbeit“.

Der Mensch ist in diesen Bildern präsent, einsam oder in Gesellschaft, beim Hochzeiten, eigentümlich gekleidet, umgeben von Haustieren, in der Uhrmacherwerkstatt, in der Schmiede, am Kaffeetisch – und natürlich in der Nähe seiner Schwarzwaldbehausung, in der sich Architektur und Natur auf charakteristische Weise verbinden. Die Gemälde verweisen auf das Spezifische der Region, auf Tradition und Glauben, erzählen von Landwirtschaft und Handwerk, von Abgeschiedenheit und Armut. Kritik wird jedoch kaum intendiert, sondern eine realistisch gegenständliche Darstellung, die ästhetisch anspricht.

Von den 34 vertretenen Künstlern, darunter eine Malerin, sind uns vor allem Hans Thoma, Emil Lugo, Wilhelm Hasemann und Franz Xaver Winterhalter bekannt; doch andere erregen ebenfalls Aufmerksamkeit, etwa Michael Dilger, Hermann Dischler, Franz Grässel, Karl Hauptmann, Julius Heffner, Friedrich Kallmorgen, Max Lieber, Fritz Reiss, Karl Roux, Paul Segisser oder Hermann Goebel, von dem das kleine Meisterwerk „Rosenbeet“ zu bewundern ist.

Dass es sich beim Schwarzwald um eine Kulturlandschaft handelt, die stetig durch Menschenhand verändert wurde (z.B. folgte einem lange betriebenen Kahlschlag die Aufforstung), ergibt sich aus mehreren Bildern. Auch die bekannten Schwarzwald-Klischees tauchen auf, an denen Künstler schließlich mitgewirkt haben, etwa Hasemann und Liebich aus der Malerkolonie Gutach, deren Werke durch Reproduktion weltweit Verbreitung fanden.

Bei beiden finden sich bereits Grundsätze des Impressionismus, sie arbeiten mit Licht- und Farbeffekten und einem lockeren Pinselstrich. Dennoch bleiben sie dem für die Kunstentwicklung in Baden typischen Realismus verpflichtet, der konservativ romantisierend war; all dies analysieren Texte im Ausstellungskatalog. Florierten seit den 1920er Jahren mit der „Badischen Secession“ stilistisch moderne Entwicklungen, dann entfiel der Schwarzwald als Sujet.

Doch der Mythos Schwarzwald ist lebendig (auf Instagram gibt es rund 1,2 Millionen Foto-Beiträge mit dem Hashtag #blackforest), weshalb die Ausstellungsmacher auch die sozialen Medien einbeziehen und mit einer Instagram Wall eine Brücke in die digitale Gegenwart schlagen: Unter dem Hashtag #blackforeststories lassen sich eigene Schwarzwald-Fotos posten – und tolle Preise gewinnen.

 

Was: “Schwarzwald-Geschichten. #blackforeststories”
Wann: bis 6. Oktober 2019, Di–So 10–17 Uhr
Wo: Augustinermuseum, Augustinerplatz, 79098 Freiburg
Web: www.freiburg.de/augustinermuseum