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Kunst | August 2018 | von Cornelia Frenkel

„Dalí – Der Zauber des Genies“: Ausstellung in der Kunsthalle Messmer in Riegel

Ein Meister surrealer Phantasien

Seine surreale Phantasie hat sich dem Publikum eingeprägt, Salvador Dalí (1904-1989) gehört zu den bekanntesten Künstlern des 20. Jahrhunderts, auch weil sich viele Geschichten um ihn ranken, denn er liebte bekanntlich den Klamauk. Rund 140 Werke vermitteln derzeit in der Kunsthalle Messmer in Riegel einen Einblick in seine Produktion; gezeigt werden Grafiken, Farbholzschnitte und einige Skulpturen.

© messmer foundation

Salvador Dalí: Saturnische Giraffe, 1974, Kaltnadelradierung auf Farblithografie mit Prägung, 100 x 70 cm (Ausschnitt).

Den Beginn des Ausstellungsparcours bilden Exponate aus Dalís Frühzeit, zart-feine Illustrationen (1934) zu Lautréamonts „Les Chants de Maldoror“; mit Ausnahme von einigen 1956 geschaffenen Lithografien zu „Don Quijote“ folgen sodann Werke aus den 1960er und -70er Jahren. Hier lassen sich überall typische Dalí-Motive finden, darunter verformte Uhren, weiche Steine, Spiegeleier, entflammte Giraffen, abgetrennte Gliedmaßen sowie menschliche Gestalten, die Löcher, Fenster und Schubladen aufweisen.

Von 1940-48 lebte Dalí in den USA, war Mitarbeiter bei Lifestyle-Zeitschriften und entwarf für die Modedesignerin Elsa Schiaparelli Parfums, Schmuck und andere Accessoires; damals erhielt er den Beinamen Avida Dollars (gierig nach Dollars). 1948 kehrte er nach Spanien zurück, wendet sich alsbald religiösen und mythologischen Themen sowie skurrilen Naturstudien zu und illustriert Texte der Weltliteratur, z.B. Dantes „Göttliche Komödie“.

In der Folgezeit greift er Motive anderer Künstler auf und verfremdet etwa Goyas „Los Caprichos“; ab Ende der 1960er Jahre folgen Arbeiten zu Goethes „Faust“, Ronsards „Amouren für Cassandra“, Rabelais‘ Romanzyklus „Gargantua und Pantagruel“ oder zum „Hohen Lied“ aus dem Alten Testament. Exponate aus all diesen Zyklen sind in Riegel zu sehen; deren Auflagenzahl ist allerdings selten ersichtlich, ebenso wenig ihre Leihgeber.

Für seine Holzschnitte, Kaltnadelradierungen und Lithografien hatte Dalí oft durch Zeichnungen die Vorlage geschaffen, Graveure setzten diese dann auf Druckplatten um. Er selbst gab gerne schauspielernd Anleitungen im weißen Kittel, zwirbelte an seinem Antennenbärtchen und schleuderte mit Prophetenblick Farbbeutel von sich. Mittels seiner sogenannten „paranoisch-kritischen Methode“, zwischen Skandal und inszenierter Liebe zu seiner Muse Gala, stilisierte er sich selbstherrlich zum Autokraten.

Von Kind an habe sein „Ehrgeiz ständig zugenommen“, sagte er von sich; so wurde ihm das Malen ebenso zum Vehikel seiner exhibitionistischen Zwänge wie das Glasieren seiner Haare und das Auflösen von Geldscheinen im Whiskyglas. Zu seiner Zeit musste die schnöde Wirklichkeit schließlich dringend aufgemischt werden, wozu jeder Superlativ willkommen war.

Cornelia Frenkel

Was: Dalí – der Zauber des Genies
Wann: bis 14. Oktober 2018, Di-So 10-17 Uhr
Wo: Kunsthalle Messmer, Grossherzog-Leopold-Platz 1, Riegel a.K.
Web: www.kunsthallemessmer.de