Kunst

Cohiba und Rugrats: Die Pop-Art-Maler Mel Ramos und Erró in der Kunsthalle Messmer in Riegel

Mel Ramos: „Peek A Boo Marilyn 2“, 2002 © the estate of Mel Ramos courtesy Galerie Ernst Hilger, Vienna

In der Kunsthalle Messmer wird bis November der amerikanische Künstler Mel Ramos gezeigt, der 2018 hochbetagt verstorben ist, zusammen mit dem aus Island gebürtigen, heute 89-jährigen Erró (GuǒmundurGuǒmundson). Beide zählen zu den bekannten Pop-Art Künstlern der ersten Generation, deren Werke immer wieder heftige Diskussionen hervorgerufen haben. Bei der Eröffnung in Riegel ging es ruhig zu: keine feministischen Proteste, wie noch 2013 anlässlich einer Ausstellung in Leipzig, als Mel Ramos lautstark Sexismus vorgeworfen wurde. Am Kaiserstuhl äußerten Besucher lediglich Irritationen über „so viele Nackte“. Rund 100 Werke werden dort gezeigt. Es sind Leihgaben der Galerien Geuer aus Düsseldorf und Hilger aus Wien und so verwundert es nicht, dass einige der gezeigten Werke rote Punkte tragen. Die Kunst darf gekauft werden. Was in Museumsausstellungen nicht geht, lässt sich in der Kunsthalle Messmer machen.
Mel Ramos und Erró verbinden in ihren Werken Trivialkultur mit Hochkultur und eine weitere Gemeinsamkeit, beide sind bei aller Offenheit für künstlerische Techniken, treue Anhänger der guten alten Öl- oder Acrylmalerei auf Leinwand. Die Motive des aus Sacramento stammenden Kaliforniers Mel Ramos sind überwiegend nackte Frauen, künstliche 60er Jahre Schönheiten, die als Objekte der Begierde nie alleine sind. Immer befinden sie sich in der Gesellschaft vonKonsumartikeln. Gemäß dem aus der Werbung stammenden Motto „Sex sells“,blieb der Künstler, wie auch sein Publikum, ein Malerleben lang fasziniert von den immer gleichen Bildmotiven. Berühmt wurde Mel Ramos schon zu Beginn seiner Laufbahn mit den Pin-up Ladies, die sich auf Zigarren räkeln, aus Schokoriegeln emporsteigen und sich an Flaschen schmiegen. Auch in enger Verbindung mit großen Tieren sind sie zu sehen. Mel Ramos technisches Spektrum reicht von lebensgroßen Plastikobjekten, Ölgemälden, Druckgrafiken, bis hin zu Lichtkästen und Collagen. Zwei Raritäten erwarten die Besucher am Ausstellungsende: eine zarte Bleistiftzeichnung und ein unfertiges Aquarell. Nach all der kühlen Glätte der perfekten Oberflächen, zeugen diese beiden von wahrer Meisterschaft.
Erró, der nach vielen Jahren in Paris, heute wieder in sein Geburtsland Island zurückgekehrt ist, bespielt zwei Räume in der Ausstellung mit knapp dreißig Werken. Fast alle sind überraschend kleinformatig und zeigen Errós besondere Auffassung der Pop-Art. Seine Faszination gilt weniger weiblicher Nacktheit, sondern Comiczeichnungen und der klassischen Bildenden Kunst. Im comicaffinen Frankreich wurde und wird er sehr für seine Kunst bewundert und erhielt 2010 den französischen Verdienstorden der Ehrenlegion. Er kopiert Werke der großen Malerkollegen Fernand Léger und Pablo Picasso und kombiniert die Ausschnitte mit Figuren aus Comicheftchen. So sieht man Légers Bauarbeiter auf einem Gerüst, damit beschäftigt ein Gebäude zu errichten, während eine Gruppe kindlicher Comic-Helden sich im wilden Chaos ihres Kinderzimmers aalen. Nach dem frechen Rotschopf in der Bildmitte, der sich mit Mamas Lippenstift ein Zick-Zack-Muster auf die Backen malt, ist das im letzten Jahr entstandene Bild betitelt: „The Red Head“. Wer in den 90er Jahren Comics gelesen hat, kennt die Rasselbande, es sind die Rugrats, die Teppichratten. Auch andere Comic-Figuren kann man benennen, genauso wie die verwendeten Gemälde der klassischen Moderne sich identifizieren lassen. Eine gewisse Kennerschaft und Rätselfreude gehört dazu. Erró verbindet in seinen Bildern beide Welten. Häufig spiegelt sich das in seiner bevorzugten Technik, der Collage. Das Zusammenkleben von Teilen, die nicht zusammengehören, schafft Neues. Verblüffende Kombinationen mit Witz und Hintersinn entstehen. Die Pop-Art ist 60 Jahre alt, es lebe die Pop-Art!

„Mel Ramos & Erró: Legenden der Pop Art“, Kunsthalle Messmer, Riegel a.K. Bis 28.11.2021.

Bildquellen

  • © the estate of Mel Ramos courtesy Galerie Ernst Hilger, Vienna: © the estate of Mel Ramos courtesy Galerie Ernst Hilger, Vienna