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Kunst | Februar 2019 | von Nike Luber

Ausstellung: „Die Brücke 1905-1914“ im Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Im Rausch der Farben

Blaue Körper, gelbe Gesichter, leuchtend rote Häuser: Die Künstler des Expressionismus liebten die Farbe, die sie mit kraftvollen Pinselstrichen in flächigen Formen verwendeten. Die anhaltende Wirkung der Arbeiten der expressionistischen Künstlergruppe „Die Brücke“ um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Emil Nolde ist derzeit in Baden-Baden zu erleben.

Blühende Landschaften verwandeln sich auf den Gemälden der Brücke-Künstler in glühende Landschaften, die Intensität der Farben lässt Wiesen, Bäume und Häuser fast schon unwirklich erscheinen. Wenn sich Menschen in diesen Landschaften tummeln, dann meist nackt, befreit von Kleidung und von Zwängen. Darin kommt eine Sehnsucht nach einem paradiesischen Urzustand zum Ausdruck, der so ganz anders ist als die hochgeschlossene, nach strengen Regeln funktionierende Gesellschaft des Kaiserreichs bis zum Ersten Weltkrieg. Nicht zufällig endet die Auswahl der gezeigten Kunstwerke 1914, dem Jahr, in dem der Erste Weltkrieg begann.

In dem knappen Jahrzehnt von 1905 bis 1914 müssen diese Bilder ungeheuer schockierend gewirkt haben. Aktgemälde, die nackte Menschen in freier Natur zeigen, deren Haut blau oder grün oder gelb gemalt wurde. Oder das Porträt einer Frau mit einer gelben Maske, die in gezieltem Kontrast steht zum Gesicht in verschiedenen Grautönen. Es muss eine echte Provokation gewesen sein. Diesen Rausch an Farben versteht man erst ganz, wenn man vor der wandgroßen Fotografie eines Ateliers im Obergeschoss ankommt. Ein kleiner Kohleofen, die Kohleschütte vor der selbstgezimmerten Bücherwand aus Brettern, ärmlichste Verhältnisse, könnte man meinen. Wären nicht einige Gemälde zu sehen und ein nackter Mann, der mitten durchs Atelier tanzt.

Neben der Natur malten die Brücke-Künstler gern das Nachtleben in der Großstadt. Artistinnen in gelb-schwarzen Trikots, Tänzerinnen, Prostituierte, der künstlerische Blick auf die Stadt bei Nacht war definitiv nicht staatstragend. Aber aufschlussreich. Die Künstler reagierten auf die Moderne, auf den Amüsierbetrieb ebenso wie auf die Fabriken mit den rauchenden Schloten. Industrialisierung, Mobilität, technischer Fortschritt, das löste zu Beginn des 20. Jahrhunderts keineswegs nur Euphorie aus. Eine Modekrankheit dieser Zeit hieß Nervosität. Und viele der Dargestellten in den Gemälden der Brücke-Künstler blicken recht skeptisch aus übergroßen dunklen Augen.

Die Kunst, nicht realistisch aber ausdrucksstark zu malen, zeigt sich besonders im Selbstporträt von Ernst Ludwig Kirchner von 1914. Düstere Farben, die Gesichtszüge betont durch dicke schwarze Pinselstriche, der dunkle Blick – man braucht weder besondere Sensibilität noch überbordende Fantasie um zu erkennen, dass es sich um einen zutiefst unglücklichen Menschen handelt. Kirchners ebenfalls 1914 gemalten „Segelboote bei Grünau“ wirken gespenstisch. Die schwarzen menschlichen Silhouetten, die weißen Boote, es sieht weniger nach Sonntagsvergnügen als nach einem Übergang ins Jenseits aus.

Das Diesseits hatte für die Künstler der Brücke durchaus seine Reize. Die Fülle der gemalten und gezeichneten Akte spricht für sich. Badende, liegende, lesende, tanzende Frauen in halb oder ganz unbekleidetem Zustand nehmen in ihrem Schaffen einen breiten Raum ein. In der Schau wird dieses Motiv weiter geführt, indem ausgewählte Aktdarstellungen aus Frieder Burdas Sammlung den Expressionisten gegenüber gestellt werden. Einen besonderen Reiz entfaltet in diesem Zusammenhang das bewusst sterile, konstruierte Museums­ambiente auf dem großformatigen Werk des Fotografen Andreas Gursky. Wächsern bleich und kalt erscheinen die Aktfiguren auf diesem Bild, den einzigen Farbklecks bildet die Blutlache im Vordergrund. Beim Publikum kommt diese Ausstellung bestens an.

 

Was: Ausstellung „Die Brücke 1905-1914“
Wann: bis 24. März 2019. Di-So 10-18 Uhr
Wo: Museum Frieder Burda, Lichtentaler Allee 8b, 76530 Baden-Baden
Web: www.museum-frieder-burda.de