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Auf einen Jib mit Fresh Life Records: Ein Gespräch über Raves, Freiflächen und Raumnot in Freiburg

„Wenn man sich nur mit einer Bluetooth-Box in eine Unterführung stellt und das ‚Rave‘ nennt, dann ist das schade.“ Tim / „Fallen Timez“ schaut in die Runde, die sich im Innenhof des ArTik versammelt hat, schiebt dann nach: „Es ist schade, weil sich andere den Aufwand machen, gutes Equipment zu holen und ein richtigesLine-up mit verschiedenen DJs zusammenzustellen.“ Michi, Künstlername „Zulito“, kontert: „Wobei die Minibox schon die Kernidee des Raves ist.“ Für Jerry /„Lunatiq“ bleibt Rave „Underground, ohne viel Promo“. Niclas / „Neat“ führt weiter aus: „Ich finde es schade, wenn Raves auf einem Privatgelände laufen und hohe Eintritte verlangt werden. Ein Rave sollte öffentlich zugänglich sein und nicht die Hürden haben, die ein Clubevent hat – weder für die Leute, die kommen, noch für die Veranstalter*innen.“
Das passiert während des Gesprächs mit der Crew von Fresh Life Records häufiger: Das Thema „Rave“ wird politisch. Niclas, Freiburger und „seit 17 auf Drum and Bass“, ist Teil der IG Subkultur und Mitwirkender beim Projekt „Freifläche“ oder: „Legal Raves“. Nach eineinhalb Jahren Corona scheint die Stadt Freiburg plötzlich motiviert, Partyflächen freizustellen. Die Menschen innerhalb der Szene sind skeptisch. Den Rave aus dem Underground herauszuholen und mit Bauzaun, Toiletten und Brandschutz zu garnieren, bedeutet, dem Rave seinen unkommerziellen, freien Charakter zu nehmen. Andererseits sehen die vier Musiker angesichts des Clubsterbens keine vergleichbar schnelle Alternative zu den Legal Raves. Niclas: „Wir wissen nicht, wohin sonst mit der Clubkultur. Selbst die Polizei versteht das.“ Überhaupt sind Polizist*innen weniger das Problem. Die seien in Freiburg „super kulant“, bestätigen die vier. Problem sei die Raumnot. Neben dem ArTik, mit dem alle vier Musiker eng verbunden sind, gäbe es quasi keine Locations für den harten, schnellen Drum and Bass und Dubstep der Fresh-Life-Crew.
Es ist kalt, es hat geregnet, Spätsommer. Während des Gesprächs rauscht Wasser von einer Markise. „Oh, fuck! Da steht ein Paket.“ Jerry springt auf, rennt los, kommt aber gleich wieder zurück, grinsend: „Nur eine leere Schachtel.“ In diesem Sommer schüttelte sich Freiburg aus seinem coronatiefen Dauerschlaf. Bei der Gaskugel, in der Unterführung beim Dietenbachpark, auf dem Schlossberg oder auf dem Platz der Alten Synagoge wurde gefeiert – nicht selten mit Bluetooth-Box. Die Bilder eines vermüllten Freiburgs gingen durch die Medien. Auch soll es Aggressionen gegenüber Polizist*innen gegeben haben. Jerry glaubt, dass die Stadt deshalb und so plötzlich Freiflächen in Aussicht stellt – und damit die Möglichkeit einer kontrollierten Partysituation. Aber funktioniert das? Als es endgültig herbstlich wird und die Fresh-Life-Crew in den vertrauten Räumen des ArTik verschwindet, bleiben Michis Worte in der Luft: „Rave, für mich ist das ein Kreis von Menschen, die einen Spirit teilen.“

Fresh Life Records ist ein im August 2021 gegründetes Drum&Bass und Dubstep Label mit Sitz in Freiburg. Über das Label veröffentlichen unter anderem die vier Gründer Lunatiq, Neat, Fallen Timez und Zulito. Demos sind willkommen: demo@freshliferecords.de / Weitere Infos: www.freshliferecords.de

 

 

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Bildquellen

  • Die Crew von „Fresh Life Records“ im Bunker: Foto: Fresh Life Records