Straußenführer 2019


Anzeigen



Waldhof Freiburg



Südbadens größtes Musikhaus


Rahmenladen



domani




Kunst | Januar 2019 | von Annette Hoffmann

Zwei Ausstellungen im Augustinermuseum befassen sich mit der Faszination Norwegen

Hauptsache Norden

Fjorde mit dramatischen Gebirgen und Gletscherzungen, tiefe Gewässer von unergründlichem Blau: „Faszination Norwegen. Landschaftsmalerei von der Romantik bis zur Moderne“ heißt die Ausstellung, die nach der Übernahme vom Museum Kunst der Westküste in Alkserum auf Föhr im Augustinermuseum zu sehen ist.

© Museum Kunst der Westküste, Alkersum, Föhr / Lukas Spörl

Georg Anton Rasmussen: Ein norwegischer Fjord im Sommer, ohne Datum.

Mit Johan Christian Dahl, der von 1788 bis 1857 lebte, fing die Norwegenfaszination der Maler überhaupt an. Junge Norweger, die sich für Malerei interessierten, mussten im Ausland studieren. Dahl ging nach Dresden, wo er mit Caspar David Friedrich zusammenwohnte. Von Dresden aus zog es ihn immer wieder in seine Heimat und er steckte andere mit seiner Begeisterung für die nordische Landschaft an.

In Freiburg ist von ihm nun eine Darstellung der „Fjell-Landschaft am Lusterfjord“ aus dem Jahr 1849 zu sehen. Einzig anheimelnder Punkt ist der Rauch, der aus einer einfachen Holzhütte aufsteigt. Über ihr ragen schwarze Wälder, die in Berge und Gletscher übergehen. Die Küste des Fjordes ist steil und es bleibt fraglich, wo die Herde Ziegen hier überhaupt Nahrung findet. Ein weiteres, zwei Jahre zuvor entstandenes Werk demonstriert noch stärker die Übermacht der Natur. Ein Schiffswrack ist an der Küste Finnmarks ein Opfer der Stürme geworden.
Im Vergleich zu heute – in Zeiten des Kreuzfahrttourismus ‒ hatten es die Maler des 19. Jahrhunderts schwer.

Zwar gab es zwischen Kopenhagen und Christiania eine Dampfschiffverbindung, doch dann ging es mit Pferden und Kutschen weiter. Die Romantik einer archaischen Landschaft war mit vielen Beschwernissen erkauft. Trotz des intensiven Naturerlebnisses entstanden die Landschaftsbilder später im Atelier. Es wird also nicht alles, was wir sehen, naturalistisch sein.

Einzig bei Frits Thaulow, der von 1847 bis 1906 lebte, zeigt sich etwas vom modernen, industrialisierten Norwegen. Auf einigen seiner Bilder erkennt man Fabrikgebäude. Ansonsten scheinen die Bilder der Zeit enthoben, archaisch. 1843/44 ist das Bild Peder Balkes „Strand im Mondschein“ entstanden, ein Abend am Strand, eine Gruppe von Menschen hat sich dort in der Nähe eines Bootes zusammengefunden. Links ist eine Felsküste zu erkennen und rechts begrenzt den Bildraum ein schroffer, senkrecht abfallender Klotz. Über allem lagert Dunkelheit. Der Mond wirkt grotesk und hat die Form eines lang gezogenen Schädels.

Die Ausstellung will nicht mehr sein als „Faszination Norwegen“. Die politischen und kulturgeschichtlichen Diskurse, die hinter diesen Landschaften stehen, sind nicht Teil der Darstellungen. So als nähme dieses Wissen der Naturkulisse etwas von ihrer beeindruckenden Schönheit.

© Museum Kunst der Westküste Alkersum/Föhr. Foto: Lukas Spörl

Edvard Munch: Die Wolke, 1908/1909.

Die Präsentation von Werken Munchs, auch sie geht auf das Museum Kunst der Westküste zurück, öffnet sich dann Themen wie Abschied, Tod und der Beziehung zwischen Männern und Frauen. Zwei Bilder, die Darstellungen eines Fischers und einer Sommerfrische fungieren als Scharnier zwischen den beiden Schauen. 1908/09 entsteht so seine Lithografien-Mappe „Alpha und Omega“, die 22 Blätter erzählen von einem eigentlich idyllischen Leben auf einer einsamen Insel.

Ist am Anfang noch alles gut zwischen Alpha und Omega, so wächst bei dieser immer stärker der Wunsch, sich mit den Tieren der Inseln zu vereinen. Die Nachkommenschaft dieser Liaisons sind Mischwesen, denen Munch Studien im Zoo, aber auch Porträts seiner Feinde zugrunde legte. Es geht nicht gut aus, Omega, ganz verantwortungsloses Frauenzimmer, flieht die Insel, während Alpha sich nicht in der Lage sieht, sich um die Mischwesen zu kümmern. Als sie zurückkommt, bringt er sie um, nur um im nächsten Moment von Omegas Kindern getötet zu werden. Der Weg in das Haus der Graphischen Sammlung lohnt sich allein wegen dieser grotesk-ironischen Grafikmappe.

Das Jahr 1909 war tatsächlich ein Krisenjahr Munchs, mehrere Monate verbrachte er im Sanatorium, nachdem seine Alkoholabhängigkeit immer destruktiver wird. Diese kleine Schau stellt wesentliche Themen und Motive seines Werks vor. Krankheit und Tod sind nach dem Verlust der Mutter und der Schwester, die beide an Tuberkulose starben, ein wiederkehrendes Thema in seinem Werk. Die heiteren Genreszenen in der Hauptausstellung scheinen da lange hinter ihm zu liegen.

 

Was: Ausstellungen “Faszination Norwegen. Landschaftsmalerei von der Romantik bis zur Moderne” und “Edvard Munch”
Wann: bis 17. März 2019. Di-So 10-17 Uhr.
Wo: Augustinermuseum & Haus der Graphischen Sammlung, Augustinerplatz / Salzstr. 32, 79098 Freiburg
Web: www.freiburg.de