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Theater | Oktober 2018 | von Georg Rudiger

Das Theater Basel eröffnet die Spielzeit mit einem großartigen „King Arthur“

„Es gibt nur uns – und uns ist alle“

„Alles ist Illusion“, sagt Zauberer Merlin in Henry Purcells „King Arthur“ – und gibt damit schon die Überschrift für den Abend vor. Stephan Kimmigs spartenübergreifende Produktion, mit der das Theater Basel in die neue Spielzeit startet, begeistert auf ganzer Linie.

© Sandra Then

Purcells Semiopera aus dem Jahr 1691 nach einem Libretto von John Dryden über den siegreichen Kampf der Briten gegen die Sachsen ist wegen ihrer speziellen Mischung aus gesprochenen Texten, Gesang und Tanz und dem häufigen Wechsel zwischen Realität und Fiktion nicht leicht auf die Bühne zu bringen.

Am Freiburger Theater machte Regisseur Robert Schuster daraus vor einigen Jahren ein brutal überzogenes, völlig unmusikalisches Drama. 2016 karikierte Herbert Fritsch am Züricher Opernhaus den Stoff à la Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuss“. Stephan Kimmig hingegen macht bei dieser spartenübergreifenden Produktion zur Eröffnung der Basler Saison das Theater und seine Imaginationskraft selbst zum Gegenstand.

Die Bühne von Katja Haß besteht allein aus schweren roten Vorhängen, die diesen Spielraum begrenzen und auch mal unterteilen. Kimmig setzt ganz auf die kreativen Kostüme von Anja Rabes, die hochemotionale Musik von Henry Purcell und das grandiose, körperliche Spiel der Akteure. Vor allem aber vertraut er der Sprache.

Der Basler Hausautor und Dramaturg Ewald Palmetshofer hat eine großartige Neudichtung des Stoffes geschrieben, die nicht nur wunderbar rhythmisiert ist, sondern den Figuren mehr Profil und Nuancen verleiht. Lange Monologe zeigen wie bei den großmäuligen Kontrahenten König Arthur (Elias Eilinghoff) und dem Sachsenkönig Oswald (Michael Wächter) den weichen Kern der rauen Charaktere.

Der von beiden begehrten, anfangs blinden Emmeline verleiht Lisa Stiegler Ecken und Kanten. Der Abend erzählt von menschlichen Abgründen, wenn drei Männern im ersten Akt die Kehle durchgeschnitten wird, um die Götter günstig zu stimmen oder Oswald seine Annäherungsversuche fast bis zur Vergewaltigung forciert. Die vier Tänzer (Frank Fannar Pedersen, Javier Rodríguez Cobos, Mirko Campigotto und die enorm präsente Raquel Rey Ramos), die auch Sprechrollen übernehmen, erzählen in ihrer drastischen Körpersprache von Gewaltexzessen.

Trotzdem besitzt der umjubelte Abend eine Leichtigkeit, die verzaubert. Besonders Carina Braunschmidt als kindlich-tapsiger Luftgeist Philidel mit Ingrid- Steeger-Frisur und Reibeisenstimme ist ein echtes Erlebnis. Aber auch Max Mayer als Zauberer Guillamar mit Zöpfen und flackerndem Blick und Vincent Glander als fieser Erdgeist Grimbald brechen immer wieder genüsslich den hohen Ton.

Musikalisch ist der Abend ebenfalls eine Wucht. Das La Cetra Barockorchester Basel unter der Leitung von Christopher Moulds befeuert das Geschehen mit markigen Trommelschlägen und starken Akzenten, gibt aber auch den verinnerlichten Momenten den notwendigen Raum. Sarah Brady besticht nicht nur in der Frost-Szene mit reichen Farben und darstellerischer Präsenz.

Auch Leela Subramaniam (Sopran), Kristina Stanek (Mezzosopran), Hyunjai Marco Lee (Tenor) und der italienische Bass Riccardo Fassi (Bariton) singen und spielen in diesem Gesamtkunstwerk in den verschiedensten Rollen auf hohem Niveau – ob auf Rollschuhen oder einem Karussellpferd. Der Chor (Leitung: Michael Clark) ist ähnlich wandlungsfähig und gibt auch auf der Tanzfläche alles.

Die Polarität zwischen den Briten und den Sachsen kulminiert am Ende im Zweikampf zwischen Arthur und Oswald. Die beiden duellieren sich erbittert mit Kunstblut, das sie dem Gegner, tragisch und komisch zugleich, mit dem Mund entgegenspritzen. Mit den Worten „Es gibt nur uns – und uns ist alle ohne Unterschied“, ruft am Ende Merlin zur Versöhnung auf und umarmt seinen noch zögerlichen Widersacher Guillamar.

Selbst der auf Krawall gebürstete Grimbald reicht dem zur anderen Seite übergelaufenen Philidel die Hand. Liebe ist stärker als Hass, Gemeinsamkeiten entdecken schöner als Gegensätze heraufbeschwören, lautet die Botschaft des Theaters an die Wutbürger und Nationalisten.

Was: “King Arthur” von Henry Purcell
Wann: 1./6./13./18./21./23. Oktober 2018; 1./3./7./18./23. November 2018; 16. Dezember 2018
Wo: Theater Basel
Web: www.theater-basel.ch