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Musik | Mai 2018 | von Marion Klötzer

The Shoo-Shoos mit „Black Forest Swing“ im E-Werk Freiburg

Musikalische Reise durch die halbe Welt

Gewohnt stimmgewaltig und virtuos, aber anders als frühere Produktionen der Shoo-Shoos: Statt Geschichten, Tanz und Slapstick gibt es bei der Songrevue „Black Forest Swing“  im Musiktheater im E-Werk einen bunten, locker zusammengestellten Liederabend zu erleben.

Die Swing Comedy Truppe The Shoo-Shoos. ©Felix Groteloh

Die Bühnenwände im Musiktheater der „Schönen“ im Freiburger E-Werk sind mit schwarz-grünen Stoffbahnen ausgekleidet, passend dazu trällern die drei Damen das Volkslied „Schittli spalte“ in bestem Alemannisch und komplexem Satzgesang mit viel „Schubaduba“ im Refrain. In ihren aufwendig ondulierten Steckfrisuren im Stil der 30er und 40er Jahre tragen sie Schwarzwaldmädel-Bommeln und auch die raffiniert abgewandelten Folklore-Trachten zieren Borten mit den leuchtend roten Wollkugeln. Im Hintergrund stehen Philipp Kailer (Gitarre), Michael Tiefenbeck (Kontrabass) und Beni Reimann (Schlagzeug) – mit Westen und grauen Filzhüten als handfeste Naturburschen kostümiert. Willkommen zu „Black Forest Swing“, dem vierten Programm der Freiburger Swing Comedy Truppe The Shoo-Shoos.

Eine Songrevue rund um ihre Wahlheimat hat das Sextett dieses Mal arrangiert, mit den turbulenten Musikkomödien „On Air“, „Jailhouse Show“ und „Trouble in Moose Lake“ hat das aber wenig zu tun: Geschichte, Charaktere, Tanz, Slapstick und Szenenwechsel gibt es hier nicht, vielmehr ist „Black Forest Swing“ ein bunter, locker zusammengestellter Liederabend mit kleinen Anmoderationen und relativ reduziertem Bühnengeschehen und sparsamer Choreografie.

Ihre in den letzten Jahren mit detaillierten Biografien eingeführten Figuren streifen Anna Boethius, Juliane Hollerbach und Dina Salák nur in Ansätzen. Und auch der rote Faden zerfasert bisweilen in Beliebigkeit, trägt das Thema Schwarzwald doch nicht besonders weit: Ruckzuck ist man mit Songs wie „Azurro“ von Paulo Conte oder „Vuelvo al Sur“ von Astor Piazolla und Fernando E. Solanas in ganz anderen Sehnsuchtsgefilden und am Meer gelandet.

Auch nicht schlimm, denn Spaß macht dieses Potpourri trotzdem und das liegt neben der hohen musikalischen Qualität des Sextetts vor allem an der starken Bühnenpräsenz der so unterschiedlichen Shoo-Shoo-Ladys: Quirlig, lausbübisch und mit viel komödiantischem Talent agiert Juliane Hollerbach, kühl-charmant gibt sich Dina Salák, brav bis rotzig die blonde Anna Boethius.

Alle drei sind nicht nur Profis mit ausgebildeten Stimmen, sondern auch echte Hingucker. Beeindruckend ist auch Gitarrist Philipp Kailer, so virtuos bespielt er eine Bandbreite von Country über Blues bis zu Swing und Jazz. Überhaupt präsentiert das Ensemble wieder eine ebenso vielfältige wie kurzweilige Song-Auswahl, wenn man sich auch ein paar große Ohrwürmer mehr gewünscht hätte. Und so wird über achtzig Minuten lang im typischen Shoo Shoo-Stil stimmgewaltig geswingt und gejazzt, immer mit harmonisch-dichten Gesangsarrangements in nostalgischem Flair und originellen, augenzwinkernden Neuinterpretationen von Volksliedern und Klassikern.

Da gibt es „Schön ist die Welt“, „Der Mond ist aufgegangen“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „O Schwarzwald, o Heimat“ mal völlig anders zu hören, aber auch tolle Jodler und Hits wie „Blues in The Night“, „Begin the Beguine“, „My Heart Belongs to Daddy“ oder den Dschungelbuch-Song „I Wanna Be Like You“. Was King Louie mit Tannen, Bommels und Bergen zu tun hat? Eigentlich gar nichts, trotzdem wippt man vergnügt mit den Füßen mit und freut sich über diese musikalische Reise durch die halbe Welt, deren Dreh- und Angelpunkt das Wandern ist, mal ganz konkret, meist aber im übertragenen und sehr weit gefassten Sinne.

Marion Klötzer

Bis zum 5. Mai jeden Freitag und Samstag um 20 Uhr im Musiktheater „Die Schönen“ im E-Werk, Freiburg. www.ewerk-freiburg.de