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Nachhaltig | November 2019 | von Elisabeth Jockers

Holz als nachhaltiger und moderner Bauwerkstoff

Die grünen Lungen Deutschlands

In Mitteleuropa ist Deutschland mit einer Waldfläche von 11,4 Mio. Hektar das waldreichste Land. Knapp ein Drittel unseres Landes besteht aus Wäldern, man könnte sie auch die grünen Lungen Deutschlands nennen. Trotz einer intensiven wirtschaftlichen Nutzung hat die Waldfläche seit dem 2. Weltkrieg stetig zugenommen.

© Pollmeier Massivholz

Baubuche Projektbeispiel, Ski- und Snowboardschule Courmayeur

Das Bundeswaldgesetz beziehungsweise das Gesetz zur Erhaltung des Waldes und zur Förderung der Forstwirtschaft hat 1975 das Fundament dieser nachhaltigen Bewirtschaftung gesetzt und sorgte unter anderem dafür, dass in den letzten 4 Jahrzehnten die Waldfläche in Deutschland um mehr als 1,5 Mio. Hektar gewachsen ist. Zu verdanken hat man diesen wünschenswerten Zuwachs außerdem dem sogenannten Waldumbau, der in den 1980er Jahren begann und noch heute verfolgt wird. Ziel des Waldumbaus ist es, den deutschen Wald wieder so natürlich wie möglich zu gestalten und dabei wirtschaftlich rentabel und nachhaltig sinnvoll zu agieren.

Warum muss der deutsche Wald umgebaut werden? Ein Großteil der 11,4 Millionen Hektar Waldfläche wird von Nadelhölzern dominiert. 25 Prozent unserer Wälder gehören zur Gemeinen Fichte (Picea abies) und weitere 23 Prozentwerden von der Waldkiefer (Pinus sylvestris) bedeckt. Der natürliche Baumbestand wäre jedoch in Deutschland vielerorts eher von Laubbäumen dominiert, insbesondere der Rotbuche (Fagus sylvatica), die heute wieder 15 Prozent der Waldfläche ausmacht. Noch bis ins 19. Jahrhundert wurden viele Wälder in Deutschland geradezu kahlgeschlagen, sodass viele dieser devastierten Wälder im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft mit den Baumarten Fichte und Waldkiefer wiederaufgeforstet wurden und die natürliche Vielfalt der Laubbäume verloren ging. Dass die fahrlässige Nutzung und Ausnutzung der Natur durch den Menschen nachhaltige Folgen mit sich zieht, sollte mittlerweile jedem ein Begriff sein. Dass aber auch unser Wald in den letzten Jahrhunderten schwer leiden musste, ist den meisten, durch die starke Präsenz der dominierenden Nadelhölzer, eher unbekannt.
Mittlerweile sind wieder rund 25 Prozent der Wälder in Deutschland mit Laubbäumen bepflanzt, Tendenz steigend. Im sogenannten konstruktiven Holzbau, das heißt beim Errichten von Wohn- und auch Gewerbenutzungsfläche, werden immer noch bis zu 99 Prozent der Produkte aus Nadelholz gefertigt. Wer aufgepasst hat, erkennt das Problem. Zwar setzt die Wirtschaft noch immer traditionell auf Nadelholz, der Bestand dieser Baumart wird jedoch aus nachhaltigen Gründen reduziert, sodass Industrie und Wirtschaft nach neuen Lösungswegen suchen müssen. Auch im Thünen Report 9, der im Dezember 2013 durch das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, kurz Johann Heinrich von Thünen-Institut, veröffentlicht wurde, wird auf diese Problematik hingewiesen. In einem Resumé schreibt das Institut folgendes: „Der vermehrte Anfall von Laubholz und die begrenzten Verwendungsmöglichkeiten in Form von Produkten mit höherer Wertschöpfung sind noch immer ein Problem der Holzverwendung. Das Laubholz spielt im konstruktiven Bereich (Außenwand, Dach, Fassade) nach wie vor eine geringe Rolle“ (Thünen Report 9, 2013, Seite 67).
Dieser geringen Nutzung versucht man heute entgegenzuwirken. Bei dem Symposium „Holz – Mensch – Raum“, veranstaltet durch proHolz Schwarzwald und Holzkette Schwarzwald e.V. in Titisee-Neustadt, hielten Vertreterinnen und Vertreter aus der Bau-, und Holzbranche sowie der Wissenschaft, Vorträge zur Zukunft des Holzes, insbesondere in Bezug auf nachhaltiges und zukunftsträchtiges Bauen und Wohnen. Demnach kann eine Holzart der Zukunft für den konstruktiven Holzbau wohl die Buche sein, die gemeinsam mit der Eiche mittlerweile zu den meist verbreitetsten Baumarten in Deutschland gehört. Furnierschichtholz aus Buche kann bereits heute hergestellt werden. Diese eleganten und meist auch schlankeren Tragwerke bieten schon heute große Spannweiten, sodass sich dieses Holz mittlerweile auch für Planer im Stadtbau eignet, wie ein Forschungsprojekt der TUM.Wood aus München beweist, das aus Baubuche ein Parkhaus konstruierte und somit Holz als nachhaltigen und modernen Bauwerkstoff im öffentlichen Raum etabliert hat.
Nachhaltig erzeugtes Holz ist Teil eines gesunden und funktionierenden CO2–Kreislaufs. Indem Bäume beim Wachsen das CO2 in sich aufnehmen und in Form von Kohlenstoff binden, werden sie zu natürlichen CO2-Speichern, wie uns schon unser Biologielehrer in der Mittelstufe lehrte. Was das mit uns als Endverbraucher zu tun hat? Viel. Nachhaltig produzierte Produkte aus Holz sind einer von vielen individuellen Schritten, dem Klimawandel durch nachhaltiges Bauen oder auch dem Kauf zertifizierter Holzmöbel in den eigenen vier Wänden entgegenzuwirken und die natürlichen CO2-Speicher unserer grünen Lungen in Deutschland zu fördern.

Elisabeth Jockers