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Literatur | November 2018 | von Annette Hoffmann

Herta Müller eröffnet das 32. Freiburger Literaturgespräch

Viel Worthunger

Vom 8. bis 11. November findet die 32. Ausgabe des Freiburger Literaturfestival statt. Eröffnet wird das Festival von Herta Müller, Trägerin des Literaturnobelpreises 2009.

© Stephanie von Becker

Herta Müller: Die deutsch-rumänische Autorin eröffnet das 32. Freiburger Literaturgespräch am 8. November im Neuen Rathaus.

So ganz kann sich das Freiburger Literaturgespräch anscheinend nicht von seinem angestammten Veranstaltungsort trennen. Auch die 32. Ausgabe wird im Ratssaal des Neuen Rathauses eröffnet.

Herta Müller wird diese Aufgabe am 8. November übernehmen und das diesjährige Motto „Lebensangst und Worthunger“ stammt auch aus einem Gesprächsband der deutsch-rumänischen Autorin mit Michael Lentz. Es ist ein vieldeutiges und spielerisches Motto, dürften Autoren doch gleichermaßen den Lebenshunger und die Wortangst kennen.

Nach der Eröffnung zieht das 32. Freiburger Literaturgespräch ins Literaturhaus, bis Sonntag wird es jedoch noch zwei Abstecher geben. Die Lesung von Michael Köhlmeier aus seinem Familienroman „Bruder und Schwester Lenobel“ wird im Winterer-Foyer des Theater Freiburg stattfinden und Katharina Adler aus ihrem Debütroman „Ida“ in der Uni-Bibliothek lesen. Kein unbedachter Ortswechsel, geht es doch in Adlers Text um Ida Bauer, besser bekannt als Freuds Fall Dora, an dem dieser seine Vorstellung der Hysterie entwickelte. Und um Adlers eigene Urgroßmutter. Ihr Roman ist einerseits Familiengeschichte, andererseits Wissenschaftsgeschichte.

Wenn Franz Hohler den Auftakt im Literaturhaus mit einer Lesung aus „Am liebsten aß der Hamster Hugo Spaghetti mit Tomatensugo“ gestaltet, würdigt dies auch die jüngsten Leser. Beim Literaturgespräch denkt man – und die 32. Ausgabe gibt dazu Anlass – in Generationen. Insgesamt sind die Lesungen und anschließenden Gespräche kompakter konzipiert geworden und am abschließenden Sonntag wird es mit den Lesungen von Maria Stepanova und Vladimir Sorokin sogar einen kleinen Russland-Schwerpunkt geben.

Ansonsten wurde gut gemischt, mit Elke Erb und Jan Wagner findet sich Lyrik zwischen Romanschwergewichten wie Michael Lentz‘ Requiem für seinen Vater „Schattenfroh“ und María Cecilia Barbettas Roman „Nachtleuchten“ über ein Viertel in Buenos Aires 1972 oder Karen Duves literarische Aneignung der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff als (scheiternde) Emanzipationsgeschichte in „Fräulein Nettes kurzer Sommer“.

Auf ihre Lesung am Samstag folgt um 17 Uhr der serbische Autor Bora Ćosić, der sein Buch „Im Zustand stiller Auflösung“ vorstellen wird – eine ironische Hommage an Marcel Proust und eine Selbstvergewisserung als Autor. Der Titel von Brigitta Falkner „Strategien der Wirtsfindung“ klingt in seiner schlackenlosen Nüchternheit wie ein zeitgenössischer Lyrikband. Tatsächlich ist er das, was er verspricht: ein Sachbuch.

Falkners 2017 in der Naturkunden-Reihe des Verlags Matthes & Seitz erschienener Band klärt über Zecken und ähnliche Parasiten in der Manier der Graphic Novel auf und zeigt wie auch die Poesiefilme, ebenfalls am Samstag, die Bandbreite dieses Leseherbstes auf.

Was: 32. Freiburger Literaturgespräch
Wann: 8.-11. November 2018
Wo: Neues Rathaus, Literaturhaus Freiburg, Theater Freiburg, Universitätsbibliothek Freiburg
Web: www.literaturhaus-freiburg.de