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Kunst | November 2018 | von Annette Hoffmann

Heinrich Füsslis Faszination für das Theater

Auf dem Höhepunkt

Das Kunstmuseum Basel widmet dem schweizerisch-englischen Maler Heinrich Füssli alias Henry Fuseli eine monographische Ausstellung. Im Mittelpunkt steht Füsslis Faszination für das Dramatische und das Theater.

© Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler

Heinrich Füssli: Ruhender Frauenakt und Klavierspielerin, 1799/1800.

Vielleicht muss man über Heinrich Füssli gar nicht mehr wissen als dies: Salomon Geßner, der Schweizer Dichter und Maler von Idyllen, war sein Taufpate, Johann Caspar Lavater ein guter Freund. Jener Lavater, auf den die Physiognomie zurückgeht, die Lehre von der Identität zwischen Aussehen und Charakter.

Zwischen diesen Polen, einem ausgeprägten Interesse an der Literatur und Malerei sowie exaltierten Seelenzuständen bewegt sich das Werk von Füssli, der 1741 in Zürich geboren wurde und 1825 in London stirbt. Seit Ende der 1770er Jahre lebt der Maler mit Unterbrechungen in England.

Es kommt dem Schweizer zugute, dass es dort in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gefördert wird, wenn sich Maler mit literarischen Sujets befassen. Bereits in Zürich eignet sich Füssli europäische Literatur an, in England wird er sich auch mit dem Volksglauben befassen. Seine Shakespeare-Adaptionen sind in London in Literaturgalerien zu sehen, er selbst wird später eine Milton-Galerie eröffnen und sich ausgiebig mit seinem Epos „Paradise lost“ und der Biografie John Miltons auseinandersetzen. Viel Stoff also für die Ausstellung „Füssli. Drama und Theater“ im Kunstmuseum Basel.

Nicht zuletzt sind es die inneren Dramen, die Füssli so bekannt werden ließen und die ihn als Vorreiter einer schwarzen Romantik erscheinen lassen. Sein „Nachtmahr“ ist weithin bekannt, 1782 sollte er mit diesem Motiv, von dem es vier Varianten gibt, schlagartig in London berühmt werden. Und wirklich ist die Komposition ja kühn.

Der auf einem Diwan oder Bett hingestreckte Frauenkörper, das Pferd und der Affe vor dem rötlichen Vorhang. Wer wollte da die Zusammenhänge erkunden. „Der Nachtmahr“, in Basel ist eine Bearbeitung des Motivs aus dem Jahr 1810 zu sehen, hat keine literarischen Vorbilder.

© Julian Salinas

Ausstellungsansicht mit Füsslis Werken „Dido“ von 1781 (Mitte) und „Thetis bittet Hephaistos um die Waffen für Achilleus“ von 1803.

Das ist selten, geht die Ausstellung doch den Zusammenhängen zwischen Bild und Text nach anhand Füsslis Auseinandersetzung mit Homer, Shakespeare, den Nibelungen, Milton und auch dem Lyriker William Cowper. „Die wahnsinnige Kate“ von 1806/7 greift dessen Gedicht „The Task“ auf, das von einer jungen Frau erzählt, die in einen Seemann verliebt war und die nach dessen Tod den Verstand verliert und am Meer hin und her irrt.

Füssli setzt sie auf eine Klippe, das Kleid ist zerrissen und lässt bessere Tage erahnen, sie ist barfuß. Mit starrem Blick ignoriert sie den aufziehenden Sturm, der nicht nur die Wellen aufpeitscht, sondern auch ihren Umhang mitreißt. Innen und außen sind identisch.

Gut 70 Werke hat das Kunstmuseum Basel für diese gleichermaßen theatralische wie fundierte Ausstellung zusammengetragen, sieben kommen aus der eigenen Sammlung. Der Spannungsbogen ist der einer ständigen Exaltiertheit.

Selten sind die Figuren Füsslis in sich gekehrt und wenn, möchte man ihr Innenleben nicht kennen, meist sind die Glieder gestreckt oder hingebungsvoll angewinkelt, immer weisen die Körper über sich selbst hinaus.

Füssli geht es dabei nicht um anatomisch korrekte Darstellungen, sondern um die leidenschaftliche Erregung. Bevor er sich endgültig in London niederließ, reiste er nach Italien und studierte in Rom antike heroische Darstellungen, aber auch den Manierismus und den Spätbarock. Seine Körperdarstellungen sind davon gezeichnet. Und oft glaubt man im Ton der Haut noch den Marmor zu erkennen.

Die effektvollen Hell-Dunkel-Kontraste gehen dann ganz auf die Lichtregie des Theatralischen zurück. Und damit die Aufmerksamkeit bei diesem Reigen dramatischer Höhepunkte nicht erschlafft, ist nach der Hälfte eine Videoinstallation des Basler Hausregisseurs Thom Luz zu sehen, der mit dem Ensemble lebende Bilder nachstellte und so die dramatischen Posen ironisiert. In seinem Beitrag für den gleichermaßen lesenswerten Katalog spricht der Regisseur von Tableaus und Raumchoreografien Füsslis.

Und manchmal sind wir mit im Bild, wenn etwa das schlechte Gewissen Lady Macbeth schlafwandeln lässt. Das Erstaunen ist dem Arzt und der Zofe ins Gesicht geschrieben, während Lady Macbeth durch die Nacht geistert. Die Kerze, die sie mit sich trägt, ist keine Fackel der Aufklärung. Und das macht den Reiz dieser Bilder aus.

Was: Ausstellung „Füssli. Drama und Theater“
Wann: Bis 10. Februar. Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr.
Wo: Kunstmuseum Basel, Neubau, St. Alban-Graben 16, 4051 Basel
Web: www.kunstmuseumbasel.ch