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Kunst | Dezember 2018 | von Friederike Zimmermann

Drang nach Wahrheit – Lust am Trug

„Was ist wahr?“: Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg 2019 im Morat Institut

Kunst und Wahrheit: Das passt irgendwie nicht so recht zusammen – sofern Kunst Wahrheit abbilden will. Andererseits eignet sich kein Medium besser, um sich mit dem Begriff der Wahrheit auseinanderzusetzen: Kunst ist eine „Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt“, brachte es Picasso auf den Punkt.

© Carolin Scheidel / Erzbistum Freiburg

Schreibtischinstallation von Daniela Takeva: bis 13. Januar zu sehen im Freiburger Morat Institut.

Was aber ist Wahrheit? Gibt es die eine, objektive, Wahrheit überhaupt? Oder nicht vielmehr unzählige subjektive Wahrheiten? Die 19 künstlerischen Positionen, die für den Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg 2019 „Was ist wahr“ nominiert und derzeit im Morat-Institut ausgestellt sind, zielen denn auch nicht auf die Bestimmung von Wahrheit ab, als vielmehr darauf, das Unwahre zu demaskieren.

Sabrina Fuchs thematisiert den „Augenschein“ mit Spiegel und Katzengold, Schein und Sein. Fragmentarische Wahrheiten, bestehend aus unzähligen Einzelbildern, subsumieren sich in Micha Peyer und Martin Gabriels großem Patchwork-Bild. Im Mikrokosmos der individuellen Wahrheit klinken sie sich aus dem großen Ganzen, der Objektivität, aus.

Auch in ganz andere Sphären spiegelt die Wahrheitssuche hinüber, wie den Glauben und die Religion. Klug spielt Chris Popovich auf mehreren Ebenen mit dieser ‚Wahrheit’: Auf ihrem bodennah gehängten Ölbild kopiert sie Hans Holbeins Gemälde „Der Leichnam Christi im Grabe“ aus Basel – allerdings ohne Leichnam, dafür in Originalmaßen und mit einem in holbeinscher Manier illusionistisch gemalten Faltentuch. Durch die Abwesenheit Christi befragt sie den Glauben. Ist nur wahr, was man sieht, mithin identifizieren kann?

Darauf zielt wiederum die Installation einer Wahlkabine (Alexander Peterhaensel) ab, in der eine Kamera das Gesicht des ‚Wählers’ abtastet, um diesen automatisch einer Partei zuzuordnen. Die Wahl indes wird ausgehebelt. Was ist wahr? Das was ist (Gesicht) oder das was man wählt (Wille)? Eine fotografierte alte holländische Fliese mit Mühle am Meer (Petra Weifenbach) wird zum Serienbild, auf dem Holland allmählich im Meer versinkt. Wahrsagung als traurige Wahrheit.

In der Schreibtisch-Installation von Daniela Takeva wird der Wahrheitsanspruch in Lehre und Forschung hinterfragt. Der Wahnwitz, die Wahrheit zum Absolutum erklären zu wollen – ein weitverbreitetes Phänomen. Demgegenüber scheinen in Carola Faller-Barris’ bestechend einfacher Installation „Tellergericht“ Binsenwahrheiten auf. Vielleicht kommt man mit diesen der Realität am nächsten?

Geradezu erschütternd ‚funktioniert’ die Rauminstallation „It’s my/our fault“ von Hyunju Oh. Mit rhythmischem Donnergetöse, das im verdunkelten Raum den Boden unter den Füßen erbeben lässt, wird die auf die Wand projizierte Mea-Culpa-Geste zum manipulativen Gesamtkunstwerk: So geht ‚Wahrheit’ auch. Man kennt das ja aus der Geschichte, aus Politik und Religion. Und so ist es auch heute, so wird es immer sein.

„Ich hatte nichts und doch genug: Den Drang nach Wahrheit und die Lust am Trug“, weissagt Goethes Faust. Wie wahr.

 

Was: Ausstellung „Was ist wahr?“ – 4. Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg, kuratiert von Isabelle von Marschall.
Wann: bis 13. Januar 2019. Sa 11-18 Uhr oder nach Vereinbarung
Wo: Morat Institut, Lörracher Str. 31, 79115 Freiburg
Web: www.kultur-ebfr.de, www.morat-institut.de