Kultour

Digitale Veranstaltungen der Freiburger Friedenswochen 2020

Bis zum 27. November bieten die Freiburger Friedenswochen 2020 ein vielfältiges Online-Programm an, dass es Interessierten ermöglicht, Vorträge renommierter Referent*innen von zu Hause aus zu verfolgen. Anmelden kann man sich per E-Mail an friedenswoche@rib-ev.de mit dem Namen der Referent*innen. Der Link für die Konferenz wird dann vor Beginn der Veranstaltung zugesendet.

Dienstag, 17. November, 19:00 Uhr: Vortrag „100 Sekunden bis Mitternacht“ und Q&A mit Philipp Jennings

Der Vortrag mit Philipp J. Jenning, Co-Präsident des Internationalen Friedensbüros (IPB), findet auf Englisch statt, wird aber auf Deutsch übersetzt. Der kürzlich verstorbene US-Bürgerrechtler John Lewis hat einmal gesagt: „Wenn du etwas siehst das nicht richtig oder fair ist, musst du etwas sagen, du musst etwas tun. Du musst in Schwierigkeiten kommen, das sind gute Schwierigkeiten, notwendige Schwierigkeiten.“ Im Januar diesen Jahres veröffentlichten die Atomwissenschaftler der USA die Weltuntergangsuhr 2020. Es war die nächste Mitternacht, seit die erste Weltuntergangsuhr 1947 veröffentlicht wurde. Die Covid-19-Pandemie, die sich verschlechternde Klimakrise, die wirtschaftliche Ungleichheit, die Erniedrigung der Menschenrechte, die massive Zunahme der globalen Militärausgaben, kollabierende Rüstungskontrollverträge, neue Investitionen in Atomwaffen, neue Szenarien für ihren praktischen Einsatz, neue Waffen auf dem Weg nach Europa haben die zweite Hand wahrscheinlich näher an Mitternacht getrieben. Philip Jennings spricht darüber, warum wir „gute Schwierigkeiten“ für den Planeten, für den Menschen und Frieden machen müssen.

Mittwoch, 18. November, 19:00 Uhr: Vortrag „Globale Kampagne zu Militärausgaben – Was wirklich zählt“ und Q&A mit Jordi Calvo Rufanges

Der Vortrag wird auf Spanisch gehalten und ins Deutsche übersetzt. Jordi Calvo Rufanges arbeitet im Centre Delas Barcelona. In seinem Vortrag spricht er darüber, wie Frieden, Krieg und (Un-)Sicherheit aus liberalen politischen Ansätzen hervorgehen und so die Wahrscheinlichkeit von Kriegen erhöhen. Zusätzlich wird er kommentieren, wie Waffenhandel, Militärausgaben und die Finanzierung von Waffen und Rüstungsausgaben die Welt unsicherer machen. Alternativen zu liberalen sicherheitspolitischen Ansätzen kommen aus sozialen Bewegungen, welche jedoch Pazifismus und Abrüstung als zentrale Werte vertreten müssen. Mehr Bildung zu Themen wie Waffenverbreitung und Militarismus sind notwendig, um neue Wege hin zu einer Kultur des Friedens aufzuzeigen.

Mittwoch, 25. November, 19:00 Uhr: Vortrag „Kleinwaffen in Kinderhänden – deutsche Waffenexporte und schwere kinderrechtsverletzungen“ und Q&A mit Ralph Willinger und Innocent Opwonya

Der Vortrag wird auf Deutsch und Englisch mit Übersetzung gehalten. Ralf Willinger ist Referent für Kinderrechte beim Kinderhilfswerk terre des hommes Deutschland. Seiner Arbeit widmet er den Themen Kinder in bewaffneten Konflikten und Friedensarbeit in Ländern wie Brasilien, Kolumbien, Mosambik, Myanmar oder Philippinen.
Innocent Opwonya war Kindersoldat in der Rebellengruppe der Lord Resistance Army in Uganda. Heute setzt er sich für Kinderrechte ein, referiert über Waffenexporte und den Einsatz von Kindersoldaten. Zurzeit macht er ein Praktikum bei World Vision. Die Vereinten Nationen haben sechs schwere Kinderrechtsverletzungen in bewaffneten Konflikten definiert und dokumentieren diese jedes Jahr in rund 20 Ländern, darunter das Rekrutieren von Kindern als Soldaten, Tötung und Verstümmeln von Kindern, sexuelle Gewalt und Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser. Deutschland liefert in viele dieser Länder Waffen und Munition und trägt damit zum Leid der Menschen vor Ort bei. Ralf Willinger stellt in seinem Vortrag Fakten und Fallbeispiele aus Lateinamerika, Afrika und Asien dar, berichtet über betroffene Kinder und Jugendliche und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf. Innocent Opwonya berichtet außerdem über eine Kampagne zu sexueller Gewalt gegen Mädchen und engagiert sich gegen Waffenexporte in Kriegsgebiete.

Freitag, 27. November, 19:00 Uhr: „Die Festung Europa: Abschottung um jeden Preis und ihre Folgen“ mit Michaela Rüsse

Michaela Rüsse ist Freiburger Medizinstudentin und arbeitete 2019 ein halbes Jahr auf Lesbos für die Nichtregierungsorganisation (NGO) „Medical Volunteers International“. Danach schloss sie sich der Freiburger Seebrücke an. Der Vortrag findet auf Deutsch statt.
In der Flüchtlingspolitik hat sich die EU endgültig von ihren Werten verabschiedet. Auf den griechischen Inseln werden zehntausende Geflüchtete in Lagern festgehalten, in denen die Grundsätze der Humanität nicht mehr gelten. Im zentralen Mittelmeer arbeitet Frontex der sog. libyschen Küstenwache zu mit dem Ziel, alle, die die gefährliche Überfahrt in seeuntüchtigen Booten wagen sollten, wieder in die Folterlager zurück zu bringen. Staatliche Seenotrettung seitens der EU findet nur begrenzt oder nicht statt. Der Vortrag möchte Wege aufzeigen, wie humanitäre Grundsätze wieder zur Normalität werden können, und wie wir mit Migration umgehen müssen.

Bildquellen

  • Die Freiburger Friedenswochen 2020: Promo