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Nachhaltig | November 2018 | von Eva Stegen

Die virale Babydecke

Frau Professor häkelt den Klimawandel

Wenn die Klimawissenschaftlerin Prof. Ellie Highwood sich nicht mit der Physik der Atmosphäre beschäftigt, entspannt sie sich gern beim Handarbeiten. Ihre selbstgehäkelte Babydecke, die den Klimawandel veranschalicht, ging viral.

© Elly Highwood

Die Babydecke der Klimaforscherin Prof. Elly Highwood.

„Das ist die erschreckendste Handarbeit, die ich in diesem Jahr gesehen habe.“ Lautete einer der Kommentare. Worum geht’s? Die mittlere globale Temperatur ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stetig gestiegen. Elli Highwood suchte nach Möglichkeiten, diese Entwicklung zu visualisieren. Anhand der Daten des amerikanischen Instituts für Ozeanographie und Atmosphärenkunde NOAA von 1880 bis heute, entwickelte sie eine Farbskala mit 15 Farben, bei der jede Farbe ein Temperatur-Intervall von einem Zehntel Grad repräsentiert.

Im Prinzip war es eine Variante der „Warming Stripes“, die ihr Forscher-Kollege Ed Hawkins erdacht hat, der wie sie an der britischen University Reading tätig ist. Sie zeigen die globalen Durchschnittstemperaturen als farbige Streifen vom dunklen Blau für das kälteste Jahr der Aufzeichnungen bis zum dunklen Rot für das wärmste.
Zwar wird die Entwicklung des menschengemachten Klimawandels schon seit den 1950er-Jahren – auch im Auftrag der Verursacher wie z.B. Exxon Mobil – erforscht, doch offenbar sind Farben deutlich besser geeignet, die Herzen der Menschen zu erobern, als die unbestechlichen, nackten Zahlen.

Eine spektakuläre Warming-Stripes Aktion fand zum diesjährigen Tag der Sommersonnenwende, am 21 Juni 2018 statt. Jeff Berardelli, TV-Wetterfrosch der CBS-Station in West Palm Beach/Florida lancierte einen globalen Aufruf. Sinngemäß wurde der Apell „Meteorologen aller Länder vereinigt Euch“ auf den knackigen Hashtag #MetsUnite eingedampft. Hunderte MeterologInnen zeigten sich an diesem Abend zur Wettervorhersage mit allen nur erdenklichen Warming-Stripe Accessoires: Krawatten, Ohrringe, Manschettenknöpfe, Ketten, Kaffeetassen oder gleich dem ganzen Bildschirm. „Ich habe die Warming-Stripes gesehen und die Schlichtheit hat in mir etwas zum Klingen gebracht“, sagte Berardelli gegenüber dem Forbes Magazin.

Die häkelnde Professorin hat das Foto ihrer Baby-Decke mit kleinen Pfeilen markiert: „Wenn man genau hinschaut, kann man dem wärmeren El Niño zwischen 1997 und 1998 sehen und auch die Abkühlungswirkung vom Ausbruch des Pina Tubo 1991 bis 1992.“

Häkel- und Strick-Liesen aus der ganzen Welt haben schon Handarbeiten mit den Warming-Colours entsprechend der Temperaturänderungen ihres jeweiligen Standortes kreiert: „Sie sehen fantastisch aus und zeigen sowohl den jährlichen Zyklus als auch die tägliche Variabilität.“ sagt Prof. Highwood, die es ganz toll fände, wenn sich noch mehr Menschen überall auf der Welt mit den Warming-Colours kreativ betätigen würden.

Die Autorin ist dem Aufruf gefolgt und hat angefangen einen Schal zu stricken: Nadelstärke 8, je zwei Reihen pro Jahr, eins Rechts, eins Links. Der Schal wird schön, doch aufgrund des ungewöhnlich langen Sommers ist die Strick-Euphorie etwas eingeknickt. Bis Redaktionsschluss ist sie immerhin in den 1970-er Jahren angekommen, in denen der Übergang in wärmere Maschen schon recht deutlich wird.