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Musik | September 2019 | von Fabian Lutz

Die Opera Factory Freiburg zeigt Gustav Holsts “Sāvitri” zu ihrem 25-jährigen Jubiläum

Moderne Harmonien

Gustav Holsts “Sāvitri” brachten Klaus Simon und seine Opera Factory (früher: Young Opera Company) bereits 1993 schon einmal auf die Bühne. Im Rahmen ihres 25-jährigen Bestehens führte die Freiburger Musiktheaterformation das Werk in der Pauluskirche auf.

© Sebastian Düsenberg

Colin Balzer, Ekkehard Abele und Karoline Thornhill in “Sāvitri”.

Ein 25-jähriges Musiktheaterprojekt hatte Klaus Simon sicher nicht im Sinn, als er mit seinem Kollegen Rolf Herter 1992 die Entscheidung fasste, Gustav Holsts vergessene Kammeroper „Sāvitri“ (1908) zu inszenieren. 1993 hatte die Aufführung Premiere und brachte Klaus Simon mit Schwung in die Opernwelt und die Opera Factory Freiburg in ihrer Frühform ins Leben. Viele Jahre später folgt zum Jubiläumsanlass am 20. und 21. Juli nun eine Wiederaufführung der vielgestaltigen Oper, die von einer Episode aus dem indischen Epos „Mahābhārata“ inspiriert ist.

Im Mittelpunkt der Handlung steht das Ringen Sāvitris mit dem Tod. Dieser fordert ihren Gatten Satyavān ein, Sāvitri will ihn aber nicht gehen lassen. Mit ihrer Hingabe überzeugt Sāvitri den Tod von ihrer Liebe und schafft es so, Satyavān zu retten.

Gustav Holst hat aus dieser Szene eine kurze Oper gestaltet, die eine Hälfte des Aufführungsabends bildet. Die andere, erste Hälfte bestreitet die Opera Factory mit Liedern Holsts, einem Scherzo für ein Streichersextett und Hymnen. Für die ZuhörerInnen eine gute Möglichkeit, sich mit der Klangwelt Gustav Holsts vertraut zu machen. Das Ensemble Holst-Sinfonietta spielt die melodischen, aber auch atmosphärisch-schwelenden Kompositionen mal als sanften Klangteppich, mal mit leichten Disharmonien.

Nie aber zerfällt die Musik, immer bleibt der große Einfluss der Spätromantik auf Holst durch die Aufführung spürbar. Trotz Holsts Distanzierung von einer Chromatik wie sie Arnold Schönberg in Abkehr von der Spätromantik entwickelte, trat der britische Komponist aber auch für eine freie Harmonie ein, die Fremdheiten im Höreindruck nicht vermeidet. Dies reicht nicht zuletzt bis zur Verwendung zweier oder mehr Tonarten zur selben Zeit.

Wichtig ist hier also nicht nur die Gesangsleistung der SängerInnen, sondern auch deren Präsenz in einem wogenden, unseten Klangbild. Bisweilen begleitet vom vielseitigen Freiburger Kammerchor bieten die OpernsängerInnen Siri Karoline Thornhill (Sopran), Colin Balzer (Tenor) und Ekkehard Abele (Bassbariton) einen beeindruckenden Einblick in ihr Können. Stimmlich vielfältig und mit Geschick für die Dramaturgie der Lieder treten ihre Gesangspartien in ein facettenreiches Spiel mit dem Ensemble.

Nach der ersten überzeugenden Hälfte wartet das Publikum gespannt auf die Aufführung der Oper „Sāvitri“. Nach einem Umbau erscheint der sonst schlichte Bau der Pauluskirche durch ein organisches Bühnendesign ergänzt (Szenische Einrichtung: Miriam Götz). Sāvitri sitzt auf einem mit Ästen verzierten Thron, erst ihrem Gatten, dann dem Tod gegenüber. Ein intensives Blickduell, das nur wenige Bewegungen kennt, vor allem aber den inneren Konflikt (Dramaturgie: Cornelius Bauer).

Das Orchester ist im Raum verteilt, der Chor singt von der Empore. Die Opera Factory Freiburg zeigt hier alle Facetten der Kammeroper, die trotz ihrer Tragik und elementarem Anspruch auch sanfte, sehnsuchtsvolle Momente kennt. Selbst der Tod erscheint im variationsreichen Bassbariton Ekkehard Abeles nicht bloß als finsterer Geselle, sondern als Wesen, das die Ideale achtet, vor allem jenes der Liebe. Im hingebungsvollen Gesang Siri Karoline Thornhills bleibt diese stets greifbar, immer durchzogen von der steten Angst, bleibt es doch der Tod, der ihr gegenübersitzt.

Und auch wenn Colin Balzer als Satyavān große Zeit hinter dessen hoher Gestalt zurücktritt, sind seine Dialoge mit Sāvitri doch von einer verzweiflungsvollen Hingabe, die der Sāvitris kongenial entspricht. Es bleibt eine Leistung der Opera Factory Freiburg SängerInnen zu finden, die auf eine solche Weise harmonieren. Schließlich ist auch Gustav Holsts Kammeroper ein Werk der Harmonie und Versöhnung.