Ausstellung im Augustinermuseum Freiburg: “Uhren aus 4 Jahrhunderten”

Die Zeit, die Zeit … und die Zeitmesser

Anhand einer derzeit in Freiburg laufenden Ausstellung kann man sich die Geschichte der Zeitmessgeräte klar machen und über die Anstrengungen der Menschheit staunen, verlässliche Parameter zu entwickeln – von den Sumerern bis zu den Ägyptern. Die Exponate der Schau entstammen der Sammlung Emil Ehrensberger (1858 – 1940), eines Chemikers, der sich leidenschaftlich mit Astronomie und Zeit beschäftigt hat. Schwerpunkt seiner Kollektion sind Sonnenuhren, Reise- und Taschensonnenuhren aus kostbaren Materialien sowie frühe Räderuhren. Hinzu kommen zweiteilige Sanduhren und alte wissenschaftliche Instrumente wie Fernrohre, Teleskope, Armillarsphären, Erd- und Himmelsgloben – 45 erlesene Stücke aus dem 16. bis 19. Jahrhundert sind in der Kabinettausstellung zu sehen, die ein fundierter Katalog begleitet.

"Uhren aus 4 Jahrhunderten": Ausstelllung im Augustinermuseum Freibur. Konsolenuhr aus Eisen von Erhard Liechti, Winterthur, 1568. (c) Augustinermuseum - Städt. Museen Freiburg, Foto: Hans-Peter vieser
Konsolenuhr aus Eisen von Erhard Liechti, Winterthur, 1568
(c) Augustinermuseum – Städt. Museen Freiburg. Foto: Hans-Peter Vieser

Um 2000 v. Chr. ist ein rechnerisches Zwölfersystem entstanden, aus dem sich die Stundeneinteilung ergab und die Bewegung der Sonne mittels Schattenanzeiger verfolgt wurde. Wasseruhren, Kerzen- und Sanduhren gehörten zu den ersten Zeitmessern, die nicht auf der Beobachtung von Himmelskörpern basierten. Da Sonnenuhren bei trübem Wetter versagten, wurde die Erdachse einbezogen; es folgte die Erfindung eines Mechanismus, der Rotationsenergie in Schwingungen übersetzt, dann wurden Zahnräder und Gewichte mit Wasser angetrieben.
Mechanische Uhren entstanden in Europa um 1300, auf federgetriebene Uhren (16. Jh.) folgte die Pendeluhr. Bis weit ins 19. Jahrhundert waren mechanische Uhren teuer und unzuverlässig. Im 17. und 18. Jahrhundert statteten sich Reisende und Kaufleute mit Taschenuhren aus, die das Prinzip der Sonnenuhr mit einem Kompass verbanden. Von solchen Klappsonnenuhren, in aufwendigen Hüllen und Dosen, hergestellt in Augsburg, Nürnberg und Paris, sind in der Ausstellung ebenso Exemplare zu sehen wie von handgefertigten Räderuhren; zudem eine astronomische Wanduhr (16. Jh.), deren Gehäuse aus Messing, Eisen, Blech und Gold, bemalt ist. Uhren waren stets auch Prestigeobjekt.
Im 20. Jahrhundert folgte auf Quarz- und Atomuhr die Einführung des Systems der „Coordinated Universal Time“ auf atomarer Basis (1968), womit fremde Uhren kalibriert und eine universelle Standardzeit definiert werden konnten – was aber nicht alle Fragen beseitigt. Bekanntlich ist die gemessene Zeit nur ein Aspekt des komplexen Phänomens, das in Literatur, Philosophie und Gesellschaftskritik immer wieder behandelt wird. Erst in diesem Jahr sind zwei neue Bücher zum Thema erschienen (Alexander Demandt. Zeit. Eine Kulturgeschichte, sowie Rüdiger Safranski. Zeit. Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen). „
Was ist Zeit“? Sie lässt sich unter so vielen Aspekten betrachten, dass man darüber die Zeit vergessen könnte. Aber letztlich ist sie knapp und die Devise lautet: „Eile mit Weile“ und „Nimm Dir Zeit!“ – diesmal für einen Abstecher ins Augustinermuseum.

Augustinermuseum am Augustinerplatz. Freiburg. Di – So 10 bis 17 Uhr. Bis 10. Januar 2016

Cornelia Frenkel

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