Kunst

Animierte Plüschtierwelten: Das Spielzeug Welten Museum Basel zeigt seine große Sammlung in erweiterter Realität

Eine Titanic gleitet durch die Luft – und sinkt schließlich vor den Augen der Zuschauenden. Ein paar Schritte weiter vergießt eine Gruppe schwarzer Teddybären Tränen. All das passiert per Blick durch ein Tablet, das den Besuchenden am Eingang des Spielzeug Welten Museums Basel in die Hand gedrückt wird. Wer durch das Tablet schaut, blickt nicht nur wie durch Glas auf die Ausstellung, sondern sieht diese auch angereichert durch digital animierte Inhalte. Auf dem Pad erscheint immer wieder die Gestalt eines brummeligen Schweizer Teddybären („Mutzli“), der die historischen Hintergründe der Museumssammlung erklärt – so auch die Geschichte der weinenden Bären: Als Reaktion auf das historische Schiffsunglück produzierte das Plüschtierunternehmen Steiff schwarze Trauerbären – die wollte jedoch niemand kaufen und kuscheln. Noch mehr Grund zu trauern also.
Mit der Sonderausstellung „Spielen macht Sinn“ feiert das Spielzeug Welten Museum Basel sein 25-jähriges Bestehen. Das auf vier Etagen prachtvoll mit historischen Teddybären, Puppenhäusern und Kaufmannsläden angefüllte Museum zeigt sich dabei stolz vorwärtsgewandt mit einer „Augmented Reality“, einer digital angereicherten Realität. Auch nach der Finissage der Ausstellung soll die animierte Erzähltour Teil des Museums bleiben, vielleicht gar noch ausgebaut werden.
Neben der Erzähltour lockt die Ausstellung interessierte Erwachsene mit fünf vertiefenden Interviews. Auf Bildschirmen sprechen Fachpersonen, etwa eine Genderforscherin oder eine Archäologin, über die Geschichte des Spielens und seiner Bedeutung für die Entwicklung des Menschen. Wissenswertes wie Heißdiskutiertes (gibt es so etwas wie Jungs- und Mädchenspielzeug?) stehen gleichwertig nebeneinander.
Auch wenn der Gang durchs Museum per Tablet ungewohnt ist und manche Animationen, etwa die im Nichts versinkende Titanic, technisch noch etwas unbeholfen wirken – es macht tatsächlich tierischen Spaß, den animierten Teddys und Figürchen beim Erzählen zusehen zu dürfen. Mal fällt Schnee vor der Kulisse eines der prächtigen Puppenhäuser, mal fliegen klingende Noten aus einem Grammophon, das – natürlich – ein Teddybär spielt. Man erfährt nicht nur, warum die schwarzen Trauerbären animierte Tränchen vergießen, sondern auch, warum der Teddybär nur deshalb Karriere machen konnte, weil US-Präsident Theodore Roosevelt nach erfolgloser Jagd nicht auf ein Bärenbaby schießen wollte. Ein wenig makaber wird es während der Erzähltour durchaus. In einem Puppenhaus sind Schüsse zu hören, eine Puppe wird entführt. Die Besuchenden sind angehalten, sich über das Verbrechen zu informieren.
Angst muss aber niemand haben, vor allem nicht die kleinen Besuchenden, die nicht nur Spaß mit den drolligen Erzählfiguren auf dem Display haben werden, sondern auch ganz analoge Freude an der raumgreifenden Kugelbahn, bei der die Bälle sausen und Glöckchen zum Klingeln bringen. Kuratorin Sibille Arnold beruhigt hier auch: Die Dauerausstellung bleibe in ihrer physischen Form. „Ziel für die Sonderausstellung war eine neue Ebene zu schaffen, die eine Auswahl an Objekten in den Fokus rückt. Dadurch entsteht eine lebendige Szene in einer erweiterten Realität.“ Sicher ist sie sich, dass die echten Teddybären, Puppen und Plüschtiere nie durch diese Realität ersetzt werden können. Zeitlos plüschig eben. Ein paar animierte Tränen dürfen sie aber schon vergießen.

Spielen macht Sinn. Spielzeug Welten Museum Basel, Steinenvorstadt 1. Di. bis So. 10–18 Uhr. Bis 30. Oktober 2023.

Bildquellen

  • Mutzli digital: © 2023 SWMB / Foto: Henry Freitag